49. VDBUM-Großseminar

Marvin Meyke,

Branchentreff im Sauerland

Digitalisierung, innerstädtischer Kompaktbau, Rückbau und Aufbereitung sowie Bahnbau – das waren die Themen des 49. VDBUM-Großseminars, das vom 11. bis 14. Februar 2020 im Sauerland Stern-Hotel in Willingen stattfand.

Rund 1.200 Teilnehmer besuchten den Branchentreff, der unter dem Motto "Ideen von Heute schaffen Lösungen von Morgen" stand.

Die Politik habe die Weichen für die Ertüchtigung der Verkehrsinfrastruktur und den Wohnungsbau gestellt, erklärte Peter Guttenberger, Präsident des Verbandes der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM), zu Beginn der Veranstaltung. Mit Blick auf die vielen Veränderungen und Herausforderungen, die auf die Branche zukommen, untermauerte Guttenberger, dass auch in Zeiten Künstlicher Intelligenz der Mensch die wesentliche Rolle bei neuen Entwicklungen einnehme: "Gute Lösungen für Morgen werden das gemeinsame Ergebnis aus wissenschaftlicher Forschung, exzellentem Ingenieurwissen, handwerklicher Professionalität und informationstechnologischer Unterstützung sein."

Rainer Bomba: "Eigenständiges Ministerium für Bauwesen unabdingbar"
Rainer Bomba, Staatssekretär a.D., hielt am Eröffnungsabend einen Impulsvortrag. In diesem kritisierte er, dass die Bauindustrie als Schlüsselindustrie der Bundesrepublik Deutschland "in jeder Legislaturperiode einem anderen Ministerium zugeordnet" werde. Ein eigenständiges Ministerium für das Bauwesen sei unabdingbar. Bezüglich der anstehenden milliardenschweren Infrastrukturmaßnahmen zeigte sich der Politiker nicht als Verfechter der schwarzen Null: "Nach Jahrzehnten der Sparsamkeit sollte man dann investieren, wenn das Geld billig ist. Das ist es jetzt", so Bomba, der zudem eine Planungsbeschleunigung anmahnte.

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VDBUM-Talk: Der Weg zur Digitalisierung
Bomba nahm auch am VDBUM-Talk am ersten Seminartag teil und diskutierte mit Joachim Schmid (Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Bau- und Baustoffmaschinen), Prof. Dr. Frank Will (TU Dresden), VDBUM-Präsident Peter Guttenberger, Frank Limprecht (DB Netz AG) und VDBUM-Vorstand Josef Andritzky (Geschäftsführer Kassecker GmbH) über Erfolge und aktuelle Stolpersteine auf dem Weg zur Digitalisierung der Baubranche. Die Moderation übernahm Antenne Bayern-Moderator Nick Lisson.

Prof. Will berichtete von einer vollständig vernetzten Modell-Baustelle, die derzeit in Sachsen errichtet wird. Ziel des Projekts ist herauszufinden, welche digitalen Prozesse möglich sind und an welchen Stellen es noch Forschungsbedarf gibt. Die Bahn strebt die vollständige Vernetzung in zehn Jahren an, erklärte Limprecht. Seit 2020 werden alle Großprojekte mit Building Information Modeling (BIM) durchgeplant. Andritzky hob hervor, wie wichtig es sei, passende Mitarbeiter zu finden, die die Digitalisierung des Unternehmens vorantreiben wollen.

Im Gespräch zwischen Joachim Schmid und Peter Guttenberger wurden die unterschiedlichen Positionen von Anwendern und Herstellern ausgetauscht. Im Nachgang des Seminars wird der VDBUM dem VDMA ein Feedback bezüglich der digitalstrategischen Anforderungen seiner Mitglieder geben, damit dieser mit den Herstellern über Lösungen sprechen kann, die den Bauprozess unterstützen. "Wir haben die Sprache entwickelt, nun muss die Grammatik formuliert werden", so Guttenberger. Letztlich bestehe Einigkeit darin, dass an der Erstellung einer gemeinsamen Plattform kein Weg vorbeiführt. "Wir ziehen an einem Strang" unterstrich Schmid und berichtete, dass bei den Herstellern ein breiter Konsens erreicht worden ist.

Diese Thematik durchzog auch die zweite Gesprächsrunde, in der sich Peter Guttenberger das Podium mit Toni Kiesel (Kiesel GmbH), Rudolf Arnold (Liebherr Hydraulikbagger) sowie Axel Fischer (Wacker Neuson) teilte.

Fischer erklärte, dass Hersteller, die nur auf die Vernetzung eigener Maschinen setzten, auf Dauer nicht am Markt bestehen könnten. Dass es bereits Lösungsansätze gibt, zeigte Arnold anhand des adaptiven Bedienkonzepts Intusi von Liebherr auf, das sowohl mit dem Fahrer kommuniziert als sich auch mit den anderen Maschinen und Systemen der digitalen Baustelle vernetzen kann. "Wie aber bekommen wir die Baustelle 5G-vernetzt?", fragte Kiesel. Es müsse deutlich mehr Druck auf die Politik ausgeübt werden, damit der Baubranche die benötigte Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird.

50 Vorträge, 100 Aussteller
Wie in den Vorjahren fand ein dreizügig gegliedertes Seminarprogramm mit rund 50 Vorträgen statt. Ein Drittel der Vorträge beschäftigte sich mit digitalen Prozessen, wobei dieses Thema auch in den anderen Vortragsblöcken - innerstädtischer Kompaktbau, Rückbau und Aufbereitung sowie Bahnbau - allgegenwärtig war. In der begleitenden Fachausstellung, an der wieder mehr als 100 Unternehmen und Hochschulen im Tagungshotel und im Freigelände teilnahmen, konnten die in den Vorträgen gewonnenen Erkenntnisse zu neuen Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen vertieft werden. Der VDBUM selbst informierte dort über seine Serviceleistungen für die Mitglieder wie das Web-Training oder sonstige Weiterbildungsangebote.

Zum mittlerweile sechsten Mal lud der Verband im Rahmen seines Patenschaftsprogramms Nachwuchskräfte zur Teilnahme am Großseminar ein. Premiere feierte eine weitere Nachwuchsinitiative, die der VDBUM gemeinsam mit der TU München ins Leben gerufen hatte. Dabei hatten junge Start-Up-Firmen die Chance, sich auf dem Seminar zu präsentieren Die Vortragspausen und die drei Abendveranstaltungen wurden von den Veranstaltungsteilnehmern wieder einmal gern zum Vernetzen genutzt. Seit jeher kommen Anwender, Vermieter, Händler und Hersteller beim Großseminar zum fachlichen und persönlichen Austausch zusammen.

Die von den Schwerpunktpartnern Liebherr, Kiesel und Wacker Neuson/Kramer Allrad ausgerichteten Abendgalas sorgten für Information und Unterhaltung.

Am zweiten Abend wurde der VDBUM-Förderpreis in den Kategorien "Innovationen aus der Praxis", "Entwicklungen aus der Industrie" und "Projekte aus Hochschulen und Universitäten" vergeben. Durch den mit je 2.500 Euro dotierten Preis hat der Verband bereits zum achten Mal Innovationen gewürdigt, die den Fortschritt der Baubranche vorantreiben. Die diesjährigen Preisträger sind Züblin Timber, die Wacker Neuson Produktion GmbH & Co. KG sowie die TUDarmstadt. VDBUM-Vorstand Dirk Bennje, der die Preisträger zusammen mit Peter Guttenberger und Vorstand Prof. Jan Scholten ehrte, bezeichnete alle 34 eingereichten Beiträge als einen "Ausblick auf die Zukunft. Die Einreicher zeigen, dass sie etwas verändern wollen". Toni Kiesel bot den Preisträgern an, Ihre Siegerbeiträge ein Jahr lang kostenfrei in der Baumaschinenwelt Coreum zu präsentieren.

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