Aus Baugewerbe Unternehmermagazin 6\2020

Oliver Willms,

Bonsai-Kipper mit Nehmerqualitäten

MAN rundet sein Baustellen-Lkw-Programm mit einem kleinen Kipper in der Fünftonnenklasse nach unten ab. Der robuste TGE vom Typ 6.180 bietet samt Meiller-Aufbau sehr brauchbare Nutzlastwerte, die ihn zum schnellen Aus-Helfer am Bau qualifizieren.

Libero am Bau: ­Kompakter MAN TGE mit ­Meiller-Kippbrücke © MAN, Oliver Willms

Bereits vor ein paar Jahren kam der kleine MAN TGE als Schwestermodell zum VW Crafter auf die Nutzfahrzeugwelt. Letztes Jahr auf der bauma zeigte der Münchner Nutzfahrzeughersteller etliche Einsatz-Variationen des agilen Fünftonners (siehe Kasten). Für den Baustellenbetrieb eignet sich der kleine MAN mit seinem Meiller-Kippbrückenaufbau als flink einsetzbarer Lieferant für die zusätzliche Tonne Schüttgut, die vor Ort sortenrein ab­­gekippt werden soll.

Die Münchner Branchenexperten haben schnell erkannt, dass die Bauwirtschaft auch in der leichten Gewichtsklasse robuste Fahrzeugkonzepte verlangt. Mit der stabilen Meiller-Aufbau auf dem Rücken packt der kleine Truck eine Laderschaufel Kies, eine Palette Steinplatten oder gar eine Baggerschaufel – mit Stahlboden und Wänden aus Stahl, ein kräftiger Hilfsrahmen verstärkt das Rückgrat des TGE. Alternativ trägt der TGE-Kipper genauso gut Maschinen, Material und Baustoffe schnell und von Hand abladefreundlich an den Einsatzort.

Feinarbeit am Chassis und Fahrwerk lohnte sich
Allerdings muss das Fahrgestell für den Meiller-­Kipper zusätzliche 700 Kilo Systemgewicht schultern. Deswegen entschlossen sich die TGE-Väter, ihren kleinen Kipper etwas aufzulasten. 5,5 Tonnen Gesamtgewicht darf der Zweiliter-Motor nun bewegen. Deswegen trägt der TGE im Typenschild eine „6“, mit der er sich von den gewöhnlichen Fünftonnern auch vom Konzernzwilling VW Crafter abhebt und sich an den Gewichtsbereich des aktuell ein­zigen Schwertransporters Iveco Daily annähert.

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Die Feinarbeit an Chassis und Fahrwerk beim Auflasten brachte erfreuliche Nutzlastwerte in die Papiere: Stattliche 2.500 Kilogramm darf der kleine MAN nun legal schultern. Damit rangiert er im Nutzlastbereich der Leicht-Lkw-Klasse bis 7,5-Tonnen, die mit ihrem hohen Eigengewicht kaum mehr befördern dürfen. Neben den agileren Fahreigenschaften und besserer Wirtschaftlichkeit punktet der TGE Kipper auch mit einem günstigeren Einstandspreis. Wobei der Begriff günstig bei den durchweg hoch angesetzten Kaufpreisen der MAN Transporter relativ zu sehen ist. Aber es zahlt sich aus, wenn man schwere Lkw, Baustoffzulieferer bis hin zu dem leichten Liberos aus einer Hand beim Händler kaufen und warten lassen kann.

Um die höhere Nutzlast zu tragen, bekam der TGE verstärkte Hinterachsfedern, es sind Zweiblattfedern mit einem zusätzlichen Stützblatt. Das Federbündel ist die entscheidende Komponente, sonst ist der kleine Kipper dem höheren Ladungsgewicht jederzeit gewachsen. Die Überlastreserven sollen freilich nicht zur Überladung einladen, sondern Lastspitzen aufnehmen helfen. Die Münchner Bauexperten sprechen von dabei hohen Punktlasten, die der Transport schwerer Bauteile, beispielsweise Betonringe oder Baumaschinen, mit sich bringen. Die kann man auf der Meiller-Brücke auch, ganz wie bei den Großen, sicher verzurren. In der Ladefläche stecken acht versenkbare Zurrösen, die sonstiger Ladungen, ob Schüttgut oder palettierte Ware, nicht im Weg stehen. Das nötige Sicherungsbesteck aus Gurten oder Netzen gehört heute für jeden Transportfall zum täglichen Gebrauchs­material.

Stattlliche 700 Kilo wiegt der Kipppritschenaufbau, dafür darf der Bau-MAN aber 2.500 Kilo Last tragen. © MAN, Oliver Willms

Am Kommandostand kennt man sich sofort aus
Im Praxiseinsatz spielt der kompakte Kipper seine transporterspezifischen Trümpfe sofort aus. Die weit öffnende Tür und der niedrige Einstieg schonen den Fahrerrücken. Die Fahrertür schließt mit einem sattem Plopp, der vorauseilend gute Qualität verspricht. Am Kommandostand kennt sich der Fahrer sofort aus. Ganz ohne Einweisung oder Betriebsanleitung findet man sich an dem wertig gestalteten Arbeitsplatz auf Anhieb zurecht. Ergonomische, bequeme Sitze, zahlreiche Ablagen und Flaschenhalter, die gut einsehbaren Armaturen, auch die groß genug ausgelegten Spiegel stehen auf der Positiv­liste. Der kompakte Diesel springt sofort an und fällt in einen leisen, fast Pkw-ähnlichen Gleichlauf. Kein Wunder, denn der von VW entliehene Vier­zylinder-Diesel ist ein millionenfach bewährtes Triebwerk, das auch ohne Betrugssoftware einen überzeugenden Auftritt hinlegen kann. So beschleunigt der Leicht-MANtrose schon aus dem Stand heraus sehr agil und fließt flink im Pkw-Verkehr mit.

Auch vollbeladen, aus der Baugrube kletternd, zeigt der Zweiliter-Motor seine Stärken. Der TDI braucht zwar ein paar Touren mehr als ein Lkw, um in die Gänge zu kommen. Grundsätzlich ist er aber mit 410 Newtonmeter Drehmoment und 177 PS Nennleistung gut motorisiert. Das Sechsgang-Handschaltgetriebe lässt sich flink schalten, der kurze Joystick am Armaturenträger treffsicher durch die beiden Gassen führen.

Schnell ist der TGE auf 80 km/h, so wie das Tempolimit es für einen 5,5-Tonner gebietet. Das Gesetz schreibt für den Fahrer des schweren TGE übrigens den C1-Führerschein vor, auch wenn der kaum größer als ein 3,5-Tonner ausfällt. Der kleine MAN darf überdies noch einen 3,5 Tonnen schweren Anhänger ziehen (mit C1E-Führerschein). MAN limitiert das Gesamtzuggewicht aber auf 8,0 statt 8,5 Tonnen, um die Bremsen und die Antriebskomponenten nicht zu überlasten. Bei häufigem Hängereinsatz bei voller Ausladung wäre hier wegen des höheren Anfahrvermögens das aufpreispflichtige Automatikgetriebe mit acht Gängen eine gute Alternative zum handgerissenen Getriebe.

17-Zoll-Räder fallen ins Schlagloch
Abseits befestigter Straßen oder verdichteter Zufahrtswege gerät der TGE-Kipper aber bauart­bedingt an seine Grenzen. Die kleineren 17-Zoll-­Räder fallen in manches Schlagloch und die natürlich limitierte Bodenfreiheit an der Fahrzeugfront setzt dem TGE-Kipper enge Grenzen. Zudem scharrt die Hinterachse auf losem Kies schnell mit ihren zwillingsbereiften Rädern – vor allem wenn keine Ladung auf der Kippbrücke liegt. Eine Differenzialsperre, die solche Vortriebsschwächen ausmerzen könnte, gibt es freilich erst für die größeren TGL-Modelle aus der Leicht-Lkw-Klasse. Allradantrieb hält MAN nur für die kleinen 3,5-Tonner vor, jedenfalls ab Werk. Für seine Einsatzgebiete im Bau- und Bauneben­gewerbe, bei Handwerkern und im Gartenbau erfüllt der schwere MAN-Transporter die an ihn gestellten Aufgaben dagegen sehr gut. Denn hier fährt man in dieser Klasse zu 90 Prozent auf der Straße.

MAN TGE: Thema mit Variationen
Neben dem klassischen Kastenwagen, Kofferaufbauten und der Pritsche bietet MAN zusammen mit Aufbaufirmen eine Menge interessanter Komplettfahrzeuge an, die direkt beim MAN-Händler geordert werden können. Dazu gehören beispielsweise Abroll- oder Absetzkipper auf dem TGE-Chassis, der Kommunalfahrzeugumbau mit Frontträgerplatte, Hydraulik und auf die Pritsche aufgesetzten Salzeraufbau bis zum ­universell einsetzbarem Doppelkabiner mit sechs vollwertigen Sitzplätzen. Eine Sonderstellung nimmt der junge eTGE mit Elektroantrieb ein. Sein aus dem e-Golf entliehenes Elektro­antriebskonzept mobilisiert flüsterleise 100 kW oder 136 PS und erlaubt dem Öko-MAN die Zufahrt in reglementierte ­Innenstadtbereiche. Für das Baugewerbe ist der kleine Stromer nicht nur wegen seiner geringen Reichweite keine echte Option. Im innerstädtischen Praxistest bei österreichischen Fahrzeitschriftskollegen erreichte der eTGE nur knapp die 100-km-Reichweitenmarke. Was – derzeit auch bei ­maximalen Förderprämien – noch gegen ihn spricht, ist der prohibitive Preis von rund 70.000 Euro. So bleibt dem Diesel auch auf dem Bau sicher noch eine lange Zukunft beschieden.

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