Aus Baugewerbe Unternehmermagazin 5\2020

Volkswagen LT: 45 Jahre auf Achse

Vor 45 Jahren wurde der Volkswagen LT in Berlin präsentiert. Der große Bruder des zu dem Zeitpunkt schon in der zweiten Generation produzierten Bullis erweiterte die Produktpalette aus Hannover.

Der Lasten-Transporter – kurz LT – erweiterte die Produktpalette von Volkswagen ab 1975. © Volkswagen Nutzfahrzeuge

1950 war das Jahr des Verkaufsstarts des Bulli. Da dieser aber nicht für die ganz großen Lasten vorgesehen war, entwickelte man bei Volkswagen ein Modell unterhalb der schweren Lkw, aber oberhalb des VW-Bus zur Ergänzung des Programms. Ein Lastentransporter im Segment von 2,8 bis 3,5 Tonnen. Beim Namen blieben die Niedersachsen sachlich. So wurde aus dem Lasten-Transporter schlicht der Modellname: LT. Im Anhang fand man die Bezeichnungen 28, 30 und 35 für das zulässige Gesamtgewicht von 2,8, 3,0 beziehungsweise 3,5 Tonnen. Den LT gab es gleich zu Beginn in zwei Radständen mit zwei Dachvarianten. Lieferbar war das Raumwunder als Kastenwagen, Kombi, Bus, Pritsche, Doppelkabine und als Fahrgestell mit Fahrerhaus.

Mehr Platz dank Frontmotor
Im Vorfeld der Entwicklung wurde festgelegt, dass das Verhältnis von der Verkehrs- zur Nutzfläche nochmals besser sein sollte als beim Transporter mit Heckmotor. Dazu konzipierten die Ingenieure von Volkswagen ein Fahrzeug mit der platz­sparenden Frontlenker-Bauweise des Transporters und einem Frontmotor, der zwischen Fahrer und Beifahrersitz oberhalb der Vorderachse platziert wurde. Der Antrieb erfolgte weiterhin über die Hinterachse. Ohne den Motor im Heck stand somit der gesamte Laderaum für die Nutzung zur Verfügung. Im Vergleich zum T2 Bulli wuchs der LT nur um 33cm in der Länge und 20cm in der Breite, bot aber aufgrund des neuen Raumkonzeptes mit 7,85 Kubik­meter Laderaum über 50 Prozent mehr Ladevolumen.

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Stolz war man bei Volkswagen auch auf die bis dahin bei Nutzfahrzeugen eher vernachlässigte Ergonomie. Mit Hilfe von Arbeitswissenschaftlern wurde das Fahrerhaus entwickelt. Dank dieser Kooperation wurden zum Beispiel die Bedien­elemente nah am Fahrer angeordnet und eine große Frontscheibe sowie extra große Außenspeigel installiert.

Seit 2016 wird der ­neue Crafter im Werk Wrzesnia, Polen produziert. Er wurde 2017 mit dem Award „International Van of the Year“ aus­gezeichnet. © Volkswagen Nutzfahrzeuge

Zu Beginn gab es den Volkswagen wahlweise mit einem 2,0 Liter Vierzylinder Benzinmotor aus dem Audi 100 (auf 75 PS gedrosselt und an den Betrieb in einem Nutzfahrzeug angepasst) oder einem 2,7 Liter Vierzylinder Dieselmotor vom englischen Hersteller Perkins mit 48kW (65PS). Volkswagen ersetzte ihn 1979 durch den ersten eigenen Sechszylinder Dieselmotor. Der neue 2,4 Liter Motor leistete im LT zwar nur 8 PS mehr als sein Vorgänger, entwickelte aber deutlich mehr Kraft und lief äußerst sanft - so ruhig, dass sogar Volvo diesen Motor in ihren ersten Sechszylinder-Pkw einbaute. Wie auch der Bulli erhielt der LT über die Jahre zahlreiche Modellpflegen. Der LT wurde auch schnell zu einer beliebten Basis für Reisemobile. Noch heute ist davon eine Vielzahl auf den Straßen der Welt unterwegs.

1996: Die zweite Generation des LT
Nach 21 Jahren endete 1996 die Ära des kompakten Lastentransporters. Der LT2 war das erste neue Fahrzeug, das von der 1995 neugegründeten Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) mit Sitz in Hannover vorgestellt wurde. Die Entwicklung dieser und der nachfolgenden Baureihe erfolgte in Koopera­tion mit Mercedes-Benz. Die Dieselmotoren wurden nun längs unter einer kurzen Motorhaube eingebaut. Der Einstieg erfolgte deutlich niedriger und es gab die Möglichkeit zwischen den Vordersitzen bequem nach hinten in den Lade- beziehungsweise Fahrgastraum zu gelangen.

Das Erfolgsrezept von Volkswagen, ein breites Angebotsprogramm den Kunden zu offerieren, wurde auch beim LT2 beibehalten. So gab es weiterhin Kastenwagen, Kombi, Bus, Pritsche, Doppelkabine und Fahrgestell mit drei Radständen und einem zulässigen Gesamtgewicht zwischen 2,6 Tonnen und 4,6 Tonnen. Ein weiterer Vorteil waren die beliebten TDI-Motoren. Sparsam, leistungsstark und zuverlässig waren sie auch im LT2 die erste Wahl. 2002 machte VWN den LT2 mit einem neuen 2,8 l Vierzylinder Diesel zum Express- Fahrzeug. Der Motor hatte 116 kW (158 PS) und bot ein maximales Dreh­moment von 331Nm. Die Fertigung im Werk Stöcken endete 2006 nach fast 340.000 Fahrzeugen.

2006: Der Crafter
Basierend auf dem Grundkonzept des Vorgängers kam 2006 der Crafter auf den Markt. Optisch im Truck-Design und technisch ein komplett neues Fahrzeug. 2012 wurde der Crafter 4Motion mit Achleitner Allradantrieb präsentiert. In der Vollausstattung war das Fahrzeug mit bis zu drei Sperren ausgestattet, höhergelegt und hatte Offroad-Reifen sowie einen kompletten Unterfahrschutz. Zehn Jahre lang wurde der Crafter wieder in den unterschiedlichen Varianten (Kasten, Kombi, Bus, Pritsche, Doppel­kabine und Fahrgestell) produziert und über 480.000 mal verkauft.

2016: Die Zweite Crafter-Generation
2016 präsentierte Volkswagen Nutzfahrzeuge erstmals den Crafter der zweiten Generation. Ein von Grund auf und wieder in Eigenregie neu entwickeltes Fahrzeug für das ein neues Werk im polnischen Wrzesnia gebaut wurde. Neben den verschiedenen Aufbauten gab es den Crafter nun auch erstmalig mit Front-, Heck- oder Allradantrieb.

Von der internationalen Jury von Nutzfahrzeugjournalisten aus 24 europäischen Ländern erhielt der Crafter den Titel: „Transporter des Jahres 2017“. Ein Jahr später präsentierte VWN die elektrisch angetriebene Variante „e- Crafter“ und das Reisemobil „Grand California“ als Erweiterung der Produktpalette des Crafter. Bis Ende 2019 wurden vom neuen Crafter bereits fast 260.000 Einheiten produziert. 

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