Aus Baugewerbe Unternehmermagazin 4\2019

Henric Schwarberg,

Rückhalteanlage in zwei Tagen

Auch in Deutschland kommt es in immer kürzeren Abständen zu schweren Unwettern mit Überflutungen. Die durch Starkregen verursachten Schlamm- und Wassermassen können häufig nicht mehr abfließen und richten vielerorts beträchtliche Schäden an. Die Firma Aurec, Gesellschaft für Abfallverwertung und Recycling mbH, ließ als Maßnahme zum Hochwasserschutz eine Rückhalteanlage errichten. Die Bauteile stammen von Berding Beton.

Maßnahme gegen den Starkregen: Aurec, Gesellschaft für Abfallverwertung und Recycling mbH, hat im Rahmen einer Werkserweiterung eine Rückhalteanlage errichten lassen. Hier wird gerade die Abdeckplatte auf dem Drosselschacht platziert. © Berding Beton

Dass die Anzahl der Hochwasserkatastrophen zunimmt liegt neben den extremen Niederschlägen auch an der steigenden Anzahl versiegelter Flächen vor allem im Innenstadtbereich. Dadurch wird verhindert, dass das Niederschlagswasser dem Grundwasser durch einfaches Versickern wieder direkt zugeführt wird. Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL2000/60/EG), welche eine Politik der nachhaltigen und umweltverträglichen Wassernutzung vertritt, schreibt vor, dass Niederschlagswasser ortsnah und direkt ins Grundwasser geleitet werden muss. Ist dies nicht möglich, sind weiterführende Maßnahmen zu ergreifen, zum Beispiel mithilfe von bestehenden Systemen, wie Versickerungs- oder Rückhalteanlagen.

Entsprechend dieser Vorgaben hatte die Bernburger Firma Aurec, Gesellschaft für Abfallverwertung und Recycling mbH, im Rahmen einer Werkserweiterung eine Rückhalteanlage errichten lassen. Mit der Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahme wurden das Magdeburger Ingenieurbüro für Verkehrs- und Wasserwirtschaftsplanung GmbH (IVW) sowie die Bernburger Bauunternehmerfirma Jaeger Spezial- und Tiefbau GmbH & Co. beauftragt. Das Material für das Bauprojekt lieferte Berding Beton aus Steinfeld, Hersteller von hochwertigen Betonerzeugnissen für den Straßen- und Kanalbau.

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Für die Sedimentationsanlage wurden acht Rahmenelemente montiert. © Berding Beton

Eine Rückhalteanlage aus Stahlbeton entsteht
Gewünscht war eine Schutzanlage mit einem Gesamtvolumen von 600 Kubikmetern sowie einem Rückhaltevolumen von 540 Kubikmetern inklusive vorgeschalteter Sedimentationsanlage in geschlossener Bauweise aus Stahlbeton. Mithilfe der vorgeschalteten Sedimentationslage wird das Oberflächenwasser vorgereinigt und für die Ablagerung von Schlamm-Teilchen aus dem Wasser gesorgt. Für die komplette Anlage wurden 41 Rahmenelemente und ein Drosselbauwerk verbaut. Die Montage erfolgte in nur zwei Tagen.

Gewichtsprobleme umgehen
Eine Besonderheit war beim Einbau zu berücksichtigen. Es stand nur eine begrenzte Fläche zur Verfügung bei zusätzlich geringer Einbautiefe. Des Weiteren galt es im Vorfeld bei der Planung eine Gewichtsoptimierung der Einzelsegmente vorzunehmen. Eine Maßnahme, die aufgrund der vorgegebenen Kranstandorte und -Traglast während der Montage erforderlich war. Somit wurde das maximale Einzelgewicht eines Segmentes der Sedimentationsanlage auf 28 Tonnen begrenzt.

Insgesamt 33 Stahlbetonelemente wurden für die Rückhalteanlage von Berding Beton gefertigt. © Berding Beton

Die Anlage weist eine Länge von 16,60 Meter, eine Breite von 5 Metern sowie eine Tiefe von 2,50 Metern auf. Alle Bauteilverbindungen wurden mit prüfbarer Doppelkeildichtung ausgestattet. Erforderliche Einbauten, wie Schlammschwelle, Strömungsbrecher, Anschlussmuffen, Tauchwand sowie Revisions- und Einsteigöffnungen wurden werkseitig eingebaut, beziehungsweise vorgefertigt.

Die Regenrückhalteanlage setzt sich aus drei Strängen mit einer jeweiligen Länge von 25 Metern, einer Breite von 2,5 Metern sowie einer Höhe von 2,0 Metern zusammen. Je Strang wurden 11 Stahlbetonteile mit einem maximalen Gewicht von 20 Tonnen eingebaut. Zur technischen Ausstattung gehören: prüfbare Doppelkeildichtung, Trockenwetterrinne, 6 Segmente mit geschlossener Stirnwand sowie Segmente mit Revisions- und Einsteigöffnungen.

Die Montage der 41 Stahlbetonelemente sowie des Drosselbauwerkes erfolgte innerhalb von nur zwei Tagen – alle 25 Minuten wurde ein Bauteil versetzt. © Berding Beton

Präzise vorbereitet und ausgeführt
Nach erfolgreichem Projektabschluss zeigten sich der Fachbereichsleiter der Bauunternehmerfirma Jaeger, Michael Leifheit, und Berding-Beton-Mitarbeiter Stefan Gercke sehr zufrieden. Gercke über die reibungslose Zusammenarbeit: „Alles war sehr präzise vorbereitet und dank detaillierter Angaben zu den Material-Anforderungen konnten wir unseren Teil zu einem reibungslosen Ablauf beitragen. Die Montage war perfekt organisiert: Die Baugrube optimal vorbereitet, der Kranstandort genau bestimmt und die Mitarbeiter der Firma Jaeger hoch motiviert.“ Und Michael Leifheit ergänzt: „Bei diesem Projekt hat einfach alles gestimmt: Ablauf, Service, Betreuung, Ausführung und Material!“ Auch der Auftraggeber, die Firma Aurec, zeigte sich zufrieden mit der Abwicklung des Projekts und nahm die Anlage kurz nach der Fertigstellung in Betrieb.


Qualitätssandards
Nach DIN-Norm gefertigt
Die Fertigung aller Stahlbetonrahmenelemente erfolgt nach den Qualitätsstandards DIN EN 1916 und DIN V 1201. Zu den Vorteilen der Rahmenprofile von Berding Beton gehören große Nennweiten, Druckwasserdichtheit und die werkseitig vormontierte prüfbare Doppelkeildichtung mit Scherlastübertragung.

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