Aus Baugewerbe Unternehmermagazin 11\19

Martin Schrüfer,

Die längsten Pfähle

In der Hamburger Hafencity haben die Arbeiten für den Elbtower begonnen. Bauer Spezialtiefbau hat im August die ersten Probepfähle für die Gründung hergestellt. Die 111,4 Meter tiefen Pfähle sind die längsten, die jemals in Deutschland ausgeführt wurden.

Der Elbtower soll nach seiner geplanten Fertigstellung 2025 mit 244 Meter das höchste Gebäude Hamburgs werden. © Bauer

Mit Europas derzeit größtem innerstädtischen Entwicklungsprojekt will Hamburg neue Maßstäbe in Sachen Urbanität und Nachhaltigkeit setzen. Seit 2001 entsteht mit dem Stadtteil Hafencity in unmittelbarer Nähe zur historischen Speicherstadt ein Projekt der Superlative. Bis voraussichtlich zum Beginn der 2030er Jahre entstehen auf einem ehemaligen Hafen- und Industrieareal mit einer Gesamtfläche von 157 Hektar mehr als 7.500 Wohnungen für rund 15.000 Bewohner, Büro- und Dienstleistungsflächen für gut 730 Unternehmen und bis zu 45.000 Arbeitsplätze, außerdem ein weitläufiger Park mit Rodelberg, ein überdachtes Einkaufszentrum mit Kino, Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie Hotels und Freizeitanlagen. Ein erstes Highlight war im Januar 2017 bereits die Eröffnung der Elbphilharmonie im Westen der Hafencity.

Bauer probt Belastung an Testpfählen
Im Osten entsteht als Abschlussprojekt der Elbtower, das mit 244 Meter künftig höchste Gebäude der Hansestadt und bundesweit dritthöchste Hochhaus Deutschlands nach dem Commerzbank Tower und dem Messeturm in Frankfurt am Main. Zwischen den Elbbrücken gelegen soll der Elbtower auf seiner Spitze eine Aussichtsplattform mit einem spektakulären Blick über Hamburg bieten. Zudem sind Büros, Einzelhandels- und Gastronomieflächen, ein Hotel, ein Boarding-Haus, Co-Working-Spaces, Fitness- und Wellnessbereiche sowie ein Kinderland geplant. Zusätzlich werden rund 600 Stellplätze und ein Bootsanleger zur Verfügung stehen. Ein Restaurant in 200 Meter Höhe ist im Gespräch.

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Im August 2019 stellte Bauer Spezialtiefbau die ersten Probepfähle in Tiefen bis 111,4 Meter und mit 1.850 Millimeter Durchmesser her. © Bauer

2021 soll der erste Spatenstich erfolgen, die Fertigstellung des Elbtowers ist für 2025 geplant. Bauer Spezialtiefbau wurde von der Signa Real Estate Management Germany mit der Ausführung umfangreicher, vorbereitender Probebelastungen an hierfür hergestellten Testpfählen beauftragt. Da der Baugrund an der Elbe aufgrund der tiefreichenden, bindigen Bodenschichten wenig tragfähig ist, muss die Bauwerkslast in den Untergrund und somit in tieferliegende, tragfähige Bodenschichten abgeleitet werden, um eine Langzeitsetzung des Gebäudes zu verhindern. Zu diesem Zweck wurden im August die ersten Probepfähle in Tiefen bis 111,4 Meter und einem Durchmesser von 1.850 Millimeter hergestellt – die längsten Pfähle, die jemals in Deutschland ausgeführt wurden.

Suspensionsgestützte Großbohrpfähle
„Mit den Probebelastungen der Testpfähle soll das Verhalten des Bodens unter Gebäudelast analysiert werden, um daraus die wirtschaftlichste Gründung ableiten zu können“, so Andreas Wedenig, Projektleiter bei Bauer Spezialtiefbau. „Zwei unserer Probepfähle werden am Ende in das fertige Gebäude integriert sein. Zwei dienen nur zu Testzwecken.“

Seit 2001 entsteht mit dem Stadtteil Hafencity ein Projekt der Superlative. © Bauer

Die Probepfähle für den Elbtower werden als suspensionsgestützte Großbohrpfähle im sogenannten Kelly-Verfahren ausgeführt. Hierbei ist das Bohrwerkzeug an einer teleskopierbaren Kellystange befestigt. Der Boden wird schrittweise gelöst und an die Oberfläche gefördert. Üblicherweise erfolgt das Verfahren unter Zuhilfenahme eines vorab in den Boden eingebrachten Bohrrohrs aus Stahl. Aufgrund der enormen Tiefe der notwendigen Pfähle wird jedoch auf diese Verrohrung weitestgehend verzichtet und mithilfe einer Suspensionsstützung gearbeitet. Die Wände des Bohrlochs sind somit ausschließlich durch den Flüssigkeitsüberdruck gegen den Einbruch der Bohrlochwandung gesichert. Nach dem Erreichen der geplanten Bohrtiefe wird zunächst die Suspension entsandet und ein Bewehrungskorb eingebaut. Anschließend wird Beton über ein Rohr von unten nach oben in die Bohrung eingefüllt, wodurch die Suspension nach oben aus dem Bohrloch verdrängt und für die Weiterverwendung abgepumpt wird.

Pfahlprüfung über Osterbergzelle
Das Besondere an diesem Projekt ist, dass die Pfahlprüfung in Pfahlfußnähe über eine sogenannte Osterbergzelle erfolgt. Dabei handelt es sich um Hydraulikstempel, die in den Bewehrungskorb integriert sind und den Pfahl „von unten“ belasten. „Die eigentlichen Gründungsarbeiten sind für 2020 geplant, dabei sollen über 100 dieser Großbohrpfähle entstehen. Anhand der Testergebnisse der Probebelastungen können Länge, Durchmesser, Material, Ausbildung und Anordnung der Pfähle variieren. Die längsten Gründungspfähle könnten dabei auch noch den bisherigen Rekord von 111,4 Meter überschreiten“, erläutert Andreas Wedenig abschließend.


Ein Spezialist für Tiefes
Die Bauer Spezialtiefbau GmbH, das Stammunternehmen der Bauer-Gruppe, hat die Entwicklung des Spezialtiefbaus maßgeblich geprägt. Sie führt weltweit alle gängigen Verfahren des Grundbaus aus, vor allem für Baugruben, Gründungen, Dichtwände und Baugrundverbesserung. Dabei arbeitet das Unternehmen mit gut 50 Tochterfirmen und Niederlassungen auf der ganzen Welt zusammen. Regionale Netzwerke rund um den Globus ermöglichen es, Maschinen, Mannschaften und Knowhow schnell und flexibel einzusetzen. Bauer Spezialtiefbau bietet Kunden von der Planung bis zur Ausführung individuelle, kreative und wirtschaftliche Spezialtiefbaulösungen für anspruchsvolle Bauprojekte.

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