Building Information Modeling

Dipl.-Ing. Volker Eisfelder, BRZ Deutschland,

BIM nicht nur beim Hochbau

Building Information Modeling (BIM) hält Einzug auch im Straßen- und Tiefbau.

Das BIM-Modell im Straßen- und Tiefbau ist nicht statisch und unveränderbar – vielmehr fließen Informationen wie Aufmaß, Kalkulation oder Abrechnung ins Modell ein. © BRZ Deutschland

Schon viel früher hätte man mit BIM starten sollen, denn Kompromisse sind unnötig und kosten viel Geld, weiß Lars Grundmann, Geschäftsführer von CKS-Bau: BIM im Straßen- und Tiefbau sei weiter, als man vermutet und erziele von Beginn an messbaren Nutzen bei vertretbarem Aufwand. Es müsse nicht gleich vom Start weg der große, allumfassende „BIG-BIM-Wurf“ sein – allein die modellbasierte Mengenermittlung bringe von der Kalkulation über die Ausführung bis hin zur Abrechnung spürbare Vorteile. Die Datenbasis ist oft schon vorhanden oder lässt sich einfach erzeugen.

In seinem Positionspapier „BIM im Straßenbau“ vom Juni 2019 betont der Hauptverband der deutschen Bauindustrie HDB die Bedeutung der Methode in den unterschiedlichen Ansatzpunkten im Straßenbau. BIM sei ein Werkzeug, das „sinnvoll genutzt sicher Verbesserungen und Vorteile für alle am Straßenbau Beteiligte bringt“, so Dr. Walter Fleischer, Vorsitzender der Bundesfachabteilung Straßenbau des HDB. Bauausführende, Planer, Bauherren und Behörden seien laut Dr. Fleischer gefordert, ihren Beitrag zu leisten, sodass die Digitalisierung ihre Vorteile entfalten kann. Wichtig sei es, die Erfahrungen und Kenntnisse der Bauausführenden einzubeziehen. Know-how zu Logistik oder den Risiken in der Realisierung könnten so frühzeitig erkannt und vermieden werden. So werde die „Baubarkeit“ zu einem frühen Zeitpunkt im Prozess berücksichtigt.

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Lars Grundmann, Geschäftsführer der CKS-Bau. © BRZ Deutschland

Digitalisierung ist ein Prozess
Was für die Großen der Branche gilt, ist auch für den Mittelstand interessant. Ein Warten auf allumfassende Standards ist allerdings nicht an gezeigt; schließlich gibt es bereits seit Anfang der 1990er Jahre digitale Formate als Basis, zum Beispiel Isybau. Digitalisierung ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess. Tiefbau-Experten raten dazu, alle bereits vorhandenen digitalen Mittel auszuschöpfen. Dies beginnt bereits in der Ausschreibungsphase. Alle vorhandenen digitalen Daten müssen dem bauausführenden Unternehmen übergeben werden. Dazu gehört als Ausgangspunkt ein vermaschtes Urgelände (Digi tales Geländemodell DGM) samt Bruchlinien. Der Kalkulator im Baubetrieb benötigt Achsen, Gradienten und einen Ausführungsplan. Daten in den Formaten DWG, LandXM oder Isybau wären ideal – aber schon eine Übergabe in gängigen REB-Formaten, etwa DA40, DA21, DA45, DA49 oder DA58 optimieren den Prozess.

Datennutzung ohne Medienbruch
Die ausführende Baufirma kann mit Unterstützung der geeigneten Software bereits in der Kalkulationsphase aus den vorhandenen Daten Modelle erzeugen und daraus entsprechende Mengen ermitteln. Dieser im Sinne eines „little BIM“ modelbasiert abgebildete Teilprozess bietet einen Mehrwert: Diese Daten lassen sich auch nach Auftragsvergabe weiter nutzen. Es entsteht ein durchgängiger Datenfluss bis zur Abrechnung, den auch andere Bereiche – Einkauf, Arbeitsvorbereitung, Vermessung, Arbeitskalkulation und Abrechnung – verwenden können. Schnittstellen wie D10, DA11 oder DA66 unterstützen bei der schnelleren Fakturierung und Rechnungsprüfung, was wiederum direkten Einfluss auf eine sichere Liquidität im Baubetrieb hat.

David Vierling, Bauleiter bei der CKS-Bau, schätzt die Vorteile der BIMMethode bei seiner Arbeit. © BRZ Deutschland

Ziel muss es auch bei der Abrechnung sein, den bislang umfangreichen Stapel an handgezeichneten Aufmaß-Blättern und Mehrfacherfassungen vor Ort durch ein valides 3D-Modell zu ersetzen. Planer, Auftraggeber und Auftragnehmer wollen, dass Fehler bei der Nutzung der vorhandenen Daten vermieden werden. Durch definierte Schnittstellen und BIM-fähige Softwarelösungen wird die Qualität und Transparenz der Mengenermittlung erhöht.

Eine Einschätzung, die auch im mittelständischen Bau betrieb CKS-Bau zum Tragen kommt. David Vierling, Bauleiter bei CKSBau betont die neue Qualität der Zusammenarbeit: „Früher war zum Beispiel der Erdabtrag im Hang oft ein Streitthema. Jetzt haben der Bauleiter des Auftraggebers und ich uns die Mengen im Modell angesehen, alles war transparent und wir konnten objektiv diskutieren."


Stichwort: Bauwerksdatenmodellierung
Building Information Modeling (BIM)) ist eine Methode der vernetzten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden und Bauwerken mittels Software. Es werden alle relevanten Bauwerksdaten digital modelliert, kombiniert und erfasst. Das Bauwerk ist als virtuelles Modell geometrisch visualisiert. BIM wird angewendet im Bauwesen zur Bauplanung und Bauausführung sowie im Gebäudemanagement.

Vorteile der modellbasierten Mengenermittlung BIM im Tiefbau

  • 3D-Modelle einfach aus 2D-Plänen oder aus Messdaten erzeugen
  • grafische Prüfung auf Plausibilität
  • intelligente REB- und VOB-konforme 3D-Modelle „auf Knopfdruck“
  • genaue Mengen für Kalkulation und Angebot
  • Kostenreduktion in der Arbeitsvorbereitung
  • exakte Materialbestellung direkt aus dem Modell
  • neue Möglichkeiten für Bauleiter und Poliere mit GPS-gestützter Bauvermessung und Absteckung
  • einfache und schnelle Ausgabe von 3D-Modellen für die Maschinensteuerung
  • höhere Liquidität durch schnellere Rechnungsprüfung durch den Auftraggeber

Praxistipp: Einbeziehen von Spezialisten für die Organisation von BIM sowie Start mit überschaubaren, eigenen Projekten. www.brz.eu/bim-tiefbau

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