Aus Baugewerbe Unternehmermagazin 5\2019

Mit Tempo gefräst

Der erste Einsatz der Großfräse vom Typ Wirtgen W 220 in Italien führte die Hochleistungsmaschine nicht auf eine Autobahn, sondern auf eine kurvige Landstraße am Fuße des Mont Blanc im Nordwesten des Landes. Dort überzeugte die Maschine, indem sie doppelt so schnell fräste wie geplant.

Schnell gefräst vor ­schöner Kulisse: Die Großfräse Wirtgen W220. © Wirtgen

Die Strada Statale 26 (SS 26) führt vom ­flachen Piemont in die alpinen Regionen am Mont Blanc inklusive einer Anbindung an den Mont Blanc-Tunnel. Auf dem Weg windet sie sich knapp 1.000 Meter in die Höhe bis ins Aosta-Tal und wird auf allen Abschnitten intensiv befahren. Der durchschnittliche Verkehr beläuft sich auf rund 5.000 Fahrzeuge am Tag. Im Sommer 2018 stand eine Sanierung des Fahrbahnbelags an: Auf insgesamt zehn Kilometer wurde die vier Zenti­meter dicke Deckschicht in voller Breite erneuert. Dazu kam in Teilbereichen noch die zehn Zenti­meter ­starke Binderschicht.

Zwei statt drei Überfahrten
Weil die Vollsperrung der Strecke in den Alpen nur schwer realisierbar ist, erfolgte die Sanierung der SS 26 im Juli und August 2018 unter halbseitiger Sperrung. Dabei gelang es dem beauftragten Fräsdienstleister Italfrese s.r.l. durch den Einsatz der W 220 die Bauzeiten zu beschleunigen. Ein Grund dafür: Die Maschine kann 2,2 Meter in einem Übergang abtragen. Dadurch waren in den meisten Bereichen nur zwei statt drei Überfahrten notwendig. Zudem arbeitete die Fräse mit einem Maschinenvorschub von 28 m - 30 m/min, auch bei Steigungen von circa 5 %. Schlussendlich benötigte der Fräsdienstleister für das Fräsen nur die Hälfte der Zeit, die mit kleineren Maschinen veranschlagt worden wäre.

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Der Zeitersparnis waren sich Ernesto Franco und Emanuele Franco, Geschäftsführer beziehungsweise Technischer Leiter bei Italfrese, während der Planung des Einsatzes wohl bewusst: „Wir haben im Vorfeld untersucht, welche unserer 12 Fräsen diesen Job möglichst wirtschaftlich und schnell erledigt. Das Ergebnis: es ist die neue W 220. Dabei arbeitet die Fräse mit der recht hohen Fräsgeschwindigkeit noch nicht am technischen Limit. Die enorme Motorleistung und die ausgefeilte Steuerung ermöglichten aber, auch in den höher gelegenen Regionen und in den Haarnadelkurven mit konstanter Geschwindigkeit zu fräsen. Und das bei einem moderaten Kraftstoffverbrauch.“ Derartige Fräsleistungen sind möglich, weil die neue W 220 mit einem günstigen Maschinengewicht-zur-Motorleistung-Verhältnis an den Start geht: 36.360 kg Betriebs­gewicht treffen auf 571 kW (777 PS) Motorleistung.

Schnelles Arbeiten vor toller Kulisse: Die Baustelle am Fuße des Mont Blanc. © Wirtgen

Leistung intelligent eingesetzt
Der kraftvolle Antrieb ermöglicht zudem, dass Asphaltpakete bei voller Fräsbreite nicht nur schichtweise ausgebaut, in der Deckschicht Unebenheiten egalisiert oder die Griffigkeit erhöht wird, sondern auch komplette Fahrbahnen bis 350 mm Fräs­tiefe in einem Übergang abgetragen werden können. „Dieses Plus an Leistung macht bei zeitkritischen Großprojekten an Flughäfen oder auf Autobahnen oft den Unterschied aus“, sind sich die Gebrüder­ Franco einig. Die W 220 wartet mit einem weiteren Detail auf: Der rechte Kantenschutz kann um 450 mm angehoben werden, so dass auch bei großer Frästiefe das Abtasten eines Bordsteins als Referenz möglich ist und die Maschinen den Belag komplett entfernen können. Wirtgen stattete die W 220 mit dem intelligenten Fahrantrieb ISC aus. Er sorgt durch eine elektronische Regelung für optimale Traktion, passt den Vorschub der Maschine an die jeweilige Motorlast an und regelt bei Kurvenfahrten die jeweilige Geschwindigkeit der äußeren und inneren Fahrwerke. Das erwies sich auf der SS 26 vor allem in den Haarnadelkurven als Vorteil.


Gutes Fräsergebnis dank angepasster Walzendrehzahl
Durch die variable Walzendrehzahl der W 220, bei der drei Geschwindigkeiten vom Fahrerstand aus eingestellt werden können, kann der Maschinenbediener darüber hinaus das Fräsbild beeinflussen. Beim Einsatz auf der SS 26 entschied sich das Team von Italfrese beim Fräsen der Deckschicht für die maximale Drehzahl in Kombination mit einem hohen Maschinenvorschub. Für die Wirtschaftlichkeit sorgte dabei das Wechselhaltersystem HT 22 zusammen mit den Meißeln vom Typ W 7.

Hohe Maschinenauslastung
Dank des Motors geht der W 220 auch beim Fräsen mit größeren Fräsbreiten die Puste nicht aus. Deshalb ist diese Großfräse nicht nur mit dem 2,2 Meter Standard Fräsaggregat erhältlich, sondern optional­­ auch mit einem 2,5 m breiten Fräsaggregat. Um ­flexibel die Erstellung bestimmter Oberflächenstrukturen zu realisieren, ist zudem das Fräswalzenwechselsystem „FCS Light“ für das 2,2 m-Fräsaggregat optional verfügbar. So ist das schnelle Umrüsten von Fräswalzen auf einen anderen Linienabstand und damit eine hohe Bandbreite an unterschied­lichen Anwendungen möglich.

Leise Kraftentfaltung
Trotz der hohen Kraftentfaltung ist es den Entwicklern bei Wirtgen gelungen, die Geräuschemissionen stark zu reduzieren. Das fiel auch der Mannschaft von Italfrese beim Einsatz am Fuße des Mont Blanc angenehm auf. Damit kann das Team guten Gewissens zum Beispiel auch in Wohngebieten arbeiten.

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