Gepflasterte Flächen

Pflaster statt Asphalt?

Reine Asphaltflächen sind optisch nicht immer reizvoll. Gepflasterte Flächen dagegen sind aber aufgrund ihrer oft mangelnden Verbundwirkung nicht immer geeignet, die anfallende Verkehrsbelastung aufzunehmen. In Kelsterbach fand man eine Lösung für das Dilemma.

Auch schweren Baufahrzeugen halten mit dem Pflastersystem CombiStabil befestigte Flächen stand. © Einstein Fugentechnik

Bei der Sanierung oder der Erschließung von Wohnstraßen haben Planer in der Regel zwei gegensätzliche Ziele zu verfolgen: Einerseits sollen die Flächen in der Lage sein, die erwarteten Verkehrsbelastungen aufzunehmen, ohne dass es zu Verschiebungen kommt, andererseits ist es gewünscht, dass Wohnstraßen den Anwohnern und Besuchern eine attraktive Aufenthaltsqualität bieten. Beide Aspekte – Design und Technik – stellen jedoch häufig einen Widerspruch dar. Reine Asphaltflächen sind zwar technisch durchaus praktikabel, optisch jedoch nicht immer reizvoll.

Gepflasterte Flächen dagegen bringen mehr Atmosphäre, sind aber aufgrund ihrer oft mangelnden Verbundwirkung nicht immer geeignet, die Verkehrsbelastung aufzunehmen. Ein dritter Aspekt ist der Umgang mit dem Regenwasser. Immer mehr Kommunen setzen versickerungsfähige Pflasterbeläge ein, um Niederschläge ortsnah zu versickern. Die Stadt Kelsterbach im hessischen Kreis Groß-Gerau hat für die Erschließung eines Neubaugebietes eine Lösung gefunden, die sowohl die Anforderungen an die Technik, an die Optik und an den Umgang mit den Niederschlägen gut erfüllt.

Optisch ansprechender
Es ist fast so etwas wie eine Ortschaft für sich, was da im Osten von Kelsterbach in den Neubaugebieten Länger Weg II und III seit einigen Jahren entsteht. Ein ruhiges Wohnviertel mit allen Wohnformen, mit viel Grün, für junge Familien und für Senioren. Auf dem insgesamt 28 Hektar großen Areal entstehen 350 Gebäude für mehr als 2.000 Menschen. Als die Planungen für den Endausbau der Straßen begannen, standen die Verantwortlichen der Stadt vor der Frage, welches Material sich am besten für die Befestigung des circa 9.000 Quadratmeter um fassenden Straßenraumes eignet. Dipl.-Ing. (FH) Claudius Herrmann von der Stadt Kelsterbach erklärt die Situation: „Aus optischen Gründen schied Asphalt für die Anliegerstraßen von vorne herein aus. Lediglich die Orchideenstraße, die als Sammelstraße dient, wurde im Fahrbahnbereich mit Asphalt ausgebaut. Die beidseitigen Gehwege jedoch ebenfalls in analoger Pflasterbauweise. Die restlichen Straßen im Wohngebiet werden als Mischverkehrsflächen genutzt.

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Um den gesamten Raum großzügig wirken zu lassen, suchte man einen optisch einheitlich wirkenden Belag für Fahrbahn, Gehwege und den ruhenden Verkehr. Pkw, Radfahrer und Fußgänger sollen sich hier sicher auf einer durchgängigen Pflasterfläche bewegen können. Belastet werden die Flächen durch den üblichen Anwohnerverkehr aber auch durch Müllfahrzeuge und schwerere Baufahrzeuge, die noch abschließende Arbeiten im Baugebiet zu erledigen haben. Deshalb spielte auch das Thema Belastungsfähigkeit eine wichtige Rolle.“

Beim Pflasterbelag HydroStabil ergeben sich optimierte Fugen, die für Stabilität und eine gleichmäßige Flächenwirkung sorgen. © Einstein Fugentechnik

Stabil bei attraktivem Oberflächendesign
Für die Fahrbahnen fiel die Entscheidung auf das Pflastersystem CombiStabil aus der Einstein-Pflasterfamilie, produziert von Beton Pfenning aus Lampertheim. Das System verfügt über eine Verbundtechnologie, die dazu führt, dass es auch im Falle einer Pressverlegung der Steine wenn überhaupt nur zu einer punktuellen, minimalen Berührung an den Steinunterkanten kommt. Anders als bei vielen anderen Verbundpflastern mit Abstandhalter- oder Verbundelementen, bleibt deshalb der Anteil der Fläche, an dem sich die Steine berühren sehr gering.

Claudius Herrmann: „Dieses Pflaster ermöglicht eine Flächenbefestigung mit hoher Stabilität und attraktivem Oberflächendesign. Verantwortlich für die Belastbarkeit dieses Materials sind Verbundelemente an den Steinen, die dafür sorgen, dass die zur Aufnahme von Verkehrsbelastungen notwendige Fuge beziehungsweise der Fugenraum stets eingehalten wird. Eine optimale Kraftübertragung zwischen den Steinen ist somit gegeben. Um auf Nummer Sicher zu gehen, haben wir die Steine im Format 18 x 30 x 10 cm im Ellenbogenverband verlegt, was optisch auch gut wirkt und zusätzliche Stabilitäliefert.“ Der Farbton wurde im Rahmen einer Anwohnerversammlung im September 2017 ausgewählt. Man entschied sich für „Muschelkalk“ – einer warmen bräunlich-anthrazit changierenden Oberfläche.

Versickerungsfähiger Pflasterbelag für den ruhenden Verkehr
Für den ruhenden Verkehr suchte man einen Pflasterbelag, der optisch zum Material der Fahrbahnen passt und der ebenso den Anforderungen an die Belastbarkeit gerecht wird. Gleichzeitig war hier aber auch ein Belag gewünscht, der eine ortsnahe Versickerung der anfallenden Niederschläge ermöglicht. Für diesen Anwendungsfall haben sich die Planer für das Produkt HydroStabil – ebenso aus dem Hause Beton Pfenning entschieden. Dieses Pflastersystem vereint die Eigenschaften des Combi Stabil-Systems in Punkto Belastbarkeit mit den Eigenschaften eines versickerungsfähigen Belages. Es verfügt einerseits über die Einstein-Verbundtechnologie, andererseits über Wasserspeicher-Kammern, die an den Kopfseiten der Steine angeordnet sind. Hier wird im Falle eines ergiebigen Regengusses das einlaufende Oberflächenwasser vorgespeichert und danach zügig an Ober- und Unterbau weitergeleitet.

Herrmann erläutert: „Mit diesem System haben wir die Parkflächen für die Pkw befestigt. Da es das gleiche Format wie die Steine auf den Fahrbahnen aufweist, fällt es auf den ersten Blick gar nicht auf, dass hier verschiedene Systeme eingebaut wurden. Lediglich die etwas aufgeweiteten Stellen an den Stirnseiten lassen die Speicherkammern erahnen.“

Verzicht auf Anschluss an Regenwasserkanal
Mit diesem Material konnten die gesamten Parkbuchten nicht nur ausreichend stabil, sondern auch optisch ansprechend und nach ökologischen Gesichtspunkten befestigt werden. Dank des versickerungsfähigen Pflasterbelages und eines ausgeklügelten Systems aus Rinnen und Rigolen, konnte im gesamten Baugebiet, das im Frühsommer 2019 fertig gestellt wird, auf einen Anschluss an einen Regenwasserkanal verzichtet werden. „Mit den eingesetzten Materialien konnten wir glücklicherweise drei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, bemerkt Claudius Herrmann abschließend.

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