Straßenbauprojekt mit Kaltrecycling

Ein Meilenstein für Nigeria

Das Nigerianische Bundesministerium für Bau- und Wohnungswesen hat den Auftrag an die Julius Berger Nigeria für den Ausbau der zweibahnigen Autobahn A2 erweitert. Statt der bisherigen Teilsanierung erfolgt die Umsetzung nun im Vollausbau der Strecke. Dabei kommt umweltfreundliches Kaltrecycling zum Einsatz.

© Wirtgen Group

Die Sanierung der Abuja-Kaduna-Zaria-Kano-Road (AKR) ist Teil des „Trans-African Highways“, ein System transkontinentaler Straßenbauprojekte. Ziel ist die Förderung der afrikanischen Wirtschaft durch ein gut ausgebautes Handelsstraßennetz. So soll eine bessere Anbindung des wirtschaftlich schwächeren Nordens zur ökonomisch stärkeren südlichen Region erreicht werden.

Umweltfreundliche Technologien gefragt

Nigeria, die größte afrikanische Volkswirtschaft, legt beim Ausbau der Infrastruktur immer mehr Wert auf nachhaltige Technologien. Von Anfang an wurde das umweltfreundliche Kaltrecycling als Alternative zu herkömmlichen Bauweisen in Betracht gezogen. Der Vorschlag der Julius Berger Nigeria (JBN) für dieses Verfahren hat unter anderem für den Zuschlag gesorgt. Die Sanierungsmaßnahme soll im 2. Quartal 2023 abgeschlossen sein. Für Anfang Mai 2024 ist der Fertigstellungstermin für Sonderbauwerke vorgesehen. Ein enger Zeitplan, aber dank des zeitsparenden Kaltrecycling-„in-plant“-Verfahrens ist JBN optimistisch, den Ausbau wie geplant realisieren zu können.

Kaltrecycling-Bauweise mit Schaumbitumen

Beim Kaltrecycling-Verfahren wird Schaumbitumen mit dem vorliegenden Baustoff je nach Anwendung „in-place“, also durch Kaltrecycler direkt vor Ort, oder „in-plant“ mit einer mobilen Kaltrecycling-Mischanlage in Nähe der Baustelle verarbeitet. Bei diesem Mammutprojekt mit Wanderbaustelle hat man sich für das „in-plant“-Verfahren entschieden. Das neu entstandene bituminöse Mischgut wird als BSM (bitumenstabilisiertes Material) bezeichnet. Nach Einbau und abschließender Verdichtung zeichnet sich das BSM durch eine langfristige, hohe Tragfähigkeit aus. Auch im Langzeitverhalten zeigen sich die Vorteile: Das eingemischte Schaumbitumen führt zur punktuellen Haftung innerhalb der Kaltrecyclingschicht und lässt somit keine Rissbildung zu. Die so aufbereiteten, dauerhaften Schichten bilden im Straßenoberbau die optimale Grundlage für den abschließenden Asphaltüberbau mit erheblich reduzierter Schichtdicke beziehungsweise Schichtlagen.

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Julius Berger setzt langfristig auf diese Bauweise und sieht darin eine Innovation für den nigerianischen Straßenbau: „Das Kaltrecycling ermöglicht die optimale und ressourcenschonende Verwendung des vorhandenen Materials. Deshalb haben wir es uns als erstes Unternehmen in Nigeria zur Auflage gemacht, das Potenzial dieser Technologie für uns und unseren Auftraggeber auszuschöpfen“, erklärt Projektdirektor Benjamin Bott.

Maschinenflotte noch einmal erweitert

Zu Projektbeginn waren bereits zwei komplette Kaltrecycling- und Einbau-Flotten mit insgesamt 45 Geräten geordert. Dazu gehören Wirtgen-Großfräsen und Wirtgen-Bodenstabilisierer, Kaltrecycler sowie Streufahrzeuge von Streumaster, mobile Kleemann-Prallbrecher und Wirtgen-Kaltmischanlagen, Vögele-Asphaltfertiger und -Beschicker sowie Hamm- Walzen. Im Zuge der Erweiterung wurden 30 weitere Geräte nach Nigeria geliefert, „denn die Maschinen haben uns in der Vergangenheit mit Effizienz und Langlebigkeit überzeugt. Dazu kommt der gute After-Sales-Service hier in Nigeria. Er trägt wesentlich zur hohen Verfügbarkeit der Maschinen bei und ist für reibungslose Abläufe bei diesem Megaprojekt essenziell“, sagt Bott.

Geringe Lebenszykluskosten

Auch nach der Projekterweiterung erfolgen die Arbeiten mit einer guten Klimabilanz. Die Vorteile des Verfahrens liegen nicht zuletzt in dem großen Energieeinsparpotenzial bei der Materialaufbereitung. Die Ausgangsstoffe müssen weder getrocknet noch erhitzt werden, sodass sich gegenüber konventionellen Sanierungsverfahren 10 bis 12 Liter Kraftstoff pro Tonne einsparen lassen. Die fast vollständige Wiederverwertung des Oberbaus ist gleichbedeutend mit der Reduzierung der Baumaterial-Transporte um bis zu 90 Prozent. Gleichzeitig können 90 Prozent an Ressourcen und bis zu 100 Prozent bei der Materialentsorgung eingespart werden.

Daraus resultieren ein reduzierter Kraftstoffverbrauch und geringerer Kohlenstoffdioxid-Ausstoß. Die Kaltrecycling-Bauweise ermöglicht vor allem auch Einsparungen von bis zu 50 Prozent an Bindemitteln, die nach wie vor der größte Kostenfaktor in der Straßensanierung ist. Dank der besonderen Eigenschaften des BSM führt die Kaltrecycling-Technologie laut Unternehmensangaben zu geringen Kosten über den gesamten Nutzungszeitraum von Straßen – so wie auf der Abuja-Kaduna-Zaria-Road in Nigeria.

Dieser Beitrag ershcien in Ausgabe 1-2/2022.

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