Rechtstipp

Frederick Brüning,

Compliance in der Branche

Im Kern geht es beim Begriff „Compliance“ um die Haftungsvermeidung: ­Unternehmen sind angehalten, sich so zu organisieren, dass aus dem Unter­nehmen heraus keine Rechtsverstöße begangen werden. Die Geschäftsführung und die Mit­arbeiter müssen sich also "compliant" verhalten. Tun sie dies nicht, ­besteht das Risiko ­persönlicher wie unternehmerischer Haftung.

© Fotostudio Nina

Rechtliche Risiken werden unterschätzt
Bauunternehmen agieren in einem von hohem Konkurrenzdruck geprägten Wettbewerbs­umfeld. Dabei sind sie branchenspezifischen Risiken aus­gesetzt: Beispielweise sind Submissions­absprachen, Vorteilsgewährung, Betrug, verdeckte Arbeit­nehmerüberlassung und Umweltdelikte regel­mäßig Gegenstand von Ermittlungsverfahren der Straf­verfolgungsbehörden. Unzureichende oder gar ­fehlende Compliance-Regelungen können für Bau­unternehmen, ihre Geschäftsführung und ihre ­Mitarbeiter zivil- und strafrechtliche Folgen haben.

Einführung eines Compliance-Systems
In Konzernen wird das Compliance-Management-System durch einen sogenannten Compliance-­Officer organisiert, der häufig unabhängig von bestehenden Hierarchien Verantwortung trägt. Für kleinere und mittelständische Bauunternehmen, die in der Regel keinen Compliance-Officer haben, ist Compliance eine Aufgabe der Geschäfts­führung. Für die Frage, welche Maßnahmen und Aufwen­dungen zur Umsetzung eines funktionsfähigen Com­pliance-Management-Systems erforderlich sind, muss zunächst das spezifische Risiko des jeweiligen Bauunternehmens ermittelt werden. Bei kleineren und mittelständischen Bauunternehmen sind die Strukturen meist überschaubar, so dass sich mit relativ geringem Aufwand ein hohes Maß an Compliance-Sicherheit erzielen lässt. Die Kunst bei der Ein­führung eines Compliance-Management-Systems besteht darin, dieses nicht zu überfrachten, sondern exakt auf das ­jeweilige Bauunternehmen ­ab­zu­stimmen. ­Zunehmend kommt der Druck zur Einführung eines ­Compliance-Management-Systems auch von außen: Sei es durch die mediale Berichterstattung, Maßnahmen der Ermittlungsbehörden oder seitens eines Kunden des jeweiligen Bauunternehmens, der zur Aufrechterhaltung der Geschäftsbeziehung auf eigene ­Compliance-Richtlinien verpflichten will.

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Fazit
„Compliance“ sollte für alle am Bau Beteiligten zumindest in seinen Grundzügen bekannt sein. Die Kosten, die für die Einführung eines ­Compliance-Systems erforderlich werden, sind gut investiert. Mithilfe eines auf das jeweilige ­Bauunternehmen ab­­gestimmten Compliance-Management-Systems wird nicht nur die unter­nehmerische Handlungs­fähigkeit gewährleistet, sondern auch ­Haftungs­sicherheit für Unternehmen und Unternehmer­ geschaffen.

Über den Autor
Frederick Brüning ist Rechtsanwalt und spezialisiert auf Bau- und Immobilienrecht. Er ist Autor und als freier Lehrbuchautor für den Bereich Recht und Rechtsphilosophie tätig.
http://www.kanzlei-bruening.com

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