Rechtstipp

Regina Mühlich,

Biometrische Verfahren und ihre Verarbeitung

Biometrische Verfahren können genutzt werden, um eine Person zu identifizieren beziehungsweise zu verifizieren. Zum einen gibt es physiologische Verfahren wie zum Beispiel Fingerabdrücke und zum anderen verhaltensbedingte wie beispielsweise Lippenbewegungen. Ein Beitrag von Regina Mühlich, AdOrga Solutions.

Regina Mühlich ist Geschäftsführerin der AdOrga Solutions GmbH, einer Unternehmensberatung, die sich auf das Thema Datenschutz spezialisiert hat. © Regina Mühlich

Das Wort Biometrie hat seinen Ursprung in der griechischen Sprache. „Bios“ ist das Leben und „Metron“ das Maß. Artikel 4 Nr. 14 Datenschutz-Grundverordnung definiert: „[…] biometrische Daten sind mit speziellen technischen Verfahren gewonnene personenbezogene Daten zu den physischen, physiologischen oder verhaltenstypischen Merkmalen einer natürlichen Person, […].“ Biometrische Systeme nutzen bestimmte individuelle Merkmale einer natürlichen Person zur Identifikation oder Authentifikation und stellen so enge Verknüpfungen mit der betroffenen Person her, um sensible Bereiche in verschiedensten Branchen zu schützen. Biometrische Daten sind folglich personenbezogene Daten, zumindest aber personenbeziehbare Daten, das heißt, eine betroffene Person ist identifizierbar. Die Erhebung, Speicherung und Verarbeitung ist verboten beziehungsweise ist nur dann zulässig, wenn entweder eine gesetzliche Grundlage oder eine freiwillige und informierte Einwilligung der Betroffenen vorliegt.

Die Nutzung biometrischer Daten für Zugangskontrollen im Rahmen des Beschäftigungsverhältnisses ist nur möglich, wenn die Beschäftigten dieser Art der Zugangskontrolle freiwillig zugestimmt haben. Es ist hier immer auf die Zweck- und Verhältnismäßigkeit zu achten. Den Zugang in einen Pausenraum durch einen elektronischen Fingerabdruck zu schützen, ist nicht verhältnismäßig, für den Schutz des Rechenzentrums dagegen schon. Vor der Erhebung ist daher immer zu prüfen, welche Interessen schwerer wiegen: die schutzwürdigen Interessen von betroffenen Personen oder die von Organisationen. Die Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten unterliegen einem hohen Schutzbedarf. Maßstab für eine Anwendung im Sinne des Datenschutzes sollten unter anderem sein, dass

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  • solche Verfahren zum Einsatz kommen, die eine Benachteiligung bestimmter Personengruppen ausschließen
  • Zweckbindung der Daten sichergestellt ist,
  • eine zentrale Speicherung der Daten verzichtet wird,
  • kooperative biometrische Verfahren eingesetzt werden,
  • eine Information über die gesamte Anwendung beim beteiligten Personenkreis erfolgt bzw. eine gesetzliche Regelung vorliegt,
  • die Biometrie nicht dazu herangezogen wird, über Auswerteprogramme Bewegungs- und Verhaltensprofile zu erstellen,
  • der Verfahren und der Mechanismen gegeben ist,
  • der biometrischen Daten vor unbefugter Kenntnisnahme (Verschlüsselung) und eine Löschung vorgenommen wird, sobald ein Betroffener nicht mehr teilnimmt.

Dieser Beitrag erschien in Baugewerbe Ausgabe 12/2021.

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