Fünfter Förderpreis erstmals dreifach verliehen

Martin Schrüfer,

Dyckerhoff Förderpreis 2022 ging nach Darmstadt und Frankfurt

In diesem Rahmen haben sich die beiden Preisträger und die Preisträgerin des Jahres 2022 mit Aufgabenstellungen zum klimafreundlichen und ökonomischen Bauen mit Beton auseinandergesetzt.

Durch erheblich gestiegene Treibhausgas-Emissionen infolge hoher Energieverbräuche und immer geringerem CO2-Abbau durch natürliche Absorption erwärmt sich unsere Erde fort­während. Weltweit sind 6 bis 7%, in Deutschland 3 % dieser Emissionen auf die Zement­industrie zurückzuführen. Andererseits sind Zement und Beton die nach Masse sicher am meisten hergestellten und benötigten Produkte – für Wohnungen, Infrastruktur, Energie­versorgung und viele damit verbundene Anwendungen in unserer Gesellschaft. Gemeinsam mit allen an der Bau-Wertschöpfungskette Beteiligten arbeiten die Zementhersteller an einer Road Map, die sich am 5C-Ansatz in Verbindung mit CO2-Abscheide-, Speicherungs- und Nutzungsverfahren orientiert. Dabei geht es um Clinker (energie- und ressourcenoptimierte Herstellung), Cement (anwendungs- bzw. klinkeroptimierte Zementsorten), Concrete (Verwendung von Recyclingmaterial, Fertigung, Bewehrung), Construction (Dimensionierung und Zusammensetzung von Bauteilen sowie deren späteres Recycling) und Carbonation (CO2-Aufnahme von Festbeton während und nach der Nutzung).

Preisträger, Jury und Geschäftsbereichsleitung von Dyckerhoff (v.l.n.r.): Norbert Schultz (Dyckerhoff), Prof. Christian Heese (Hochschule Rhein-Main,) Prof. Petra Rucker-Gramm (Frankfurt University of Applied Sciences), Sven Böhm, Marie Traub, Fabian Kufner (Preisträger/in), Prof. Albrecht Gilka-Bötzow (Hochschule Darmstadt), Paul Vogel und Martin Möllmann (beide Dyckerhoff). © Dyckerhoff

Norbert Schultz, Leiter des Geschäftsbereichs Zement Deutschland / Luxemburg, und Paul Vogel, Juryvorsitzender, überreichten die Preise am 1. April 2022 im Dyckerhoff Info-Zentrum in Wiesbaden.

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Den ersten Preis erhielt Sven Böhm für seine Bachelorarbeit zur „Entwicklung eines dauer­haften Recyclingbetons mit maximiertem Recyclingsandanteil: Prüfen und Modellieren der Dauerhaftigkeit mithilfe von Normversuchen“, mit der er sein Studium mit Schwerpunkt konstruktiver Ingenieurbau an der Hochschule Darmstadt abschloss. Darin untersuchte er die Dauerhaftigkeit von Recyclingbetonen bei der Verwendung von Recyclingsand mit dem Ziel, dessen Anteil zu maximieren. Der Recyclingbeton soll als Trag- und Deckschicht in einem am Institut für Werkstoffe im Bauwesen der TU Darmstadt neu entwickelten, komplett recyclebaren Sandwich-Bauelement dienen. Zur Einschätzung der Dauerhaftigkeit orientierte er sich an für die Betonherstellung wichtigen Regelwerken und den Expositionsklassen. Mit seinen umfangreichen Versuchen und Prüfungen bestätigte Böhm, dass dauerhafte Recyclingbetone mit sehr hohem Recyclingsandanteil (bis zu 100 %) möglich sind, sofern die daraus hergestellten Bauteile nicht mit Chloriden in Kontakt kommen. Böhm wurde betreut von Prof. Gilka-Bötzow, Professor für Baustoffkunde, sowie von Prof. Koenders, dem Leiter des Instituts für Werkstoffe im Bauwesen an der TU Darmstadt.

Für seine Masterarbeit zum „Einfluss von Kurzfasern auf die Frisch- und Festbetoneigen­schaften für ein Wickelverfahren“, die er an der Frankfurt University of Applied Sciences verfasste, erhielt Fabian Kufner einen zweiten Förderpreis. Seine Versuche sind Teil eines Forschungsvorhabens, bei dem sehr dünne dreidimensionale Bauteile aus Textilbeton mit hohen Bewehrungsgehalten in einem neuartigen Wickelverfahren hergestellt werden. Kufner konstruierte einen einfachen Prototyp einer Wickelmaschine und ermittelte die geeignete Konsistenz von Glasfaserbetonen für den Wickelprozess. Zudem untersuchte er Festigkeit sowie Dauerhaftigkeit und bewertete Ökobilanz und Kosten von geeigneten Mischungen.

Marie Traub, die mit einem weiteren zweiten Preis ausgezeichnet wurde, beschäftigte sich in ihrer Masterarbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences mit dem „Einfluss von cal­cinierten Schichtsilikaten und Fließmitteln auf die Frisch- und Festbetoneigenschaften von Feinbeton“. Ihre Untersuchungen führte sie ebenfalls im Rahmen des bereits genannten For­schungsprojekts durch. Ihre Aufgabe bestand darin, bestehende Rezepturen weiterzuent­wickeln, damit sie so nachhaltig, gut verarbeitbar und dauerhaft wie möglich sind. Im Fokus ihrer umfangreichen Versuchsreihen standen Betone mit Metakaolin sowie calciniertem Schichtsilikat mit veränderlichen Fließmittel- sowie Bindemittelanteilen. Mit Ihren detaillierten Aufzeichnungen schuf Traub einen ‚Werkzeugkasten‘, aus dem je nach Anforderung die gewünschte Rezeptur schnell auswählbar ist.

Betreut wurden sowohl Marie Traub als auch Fabian Kufner von Prof. Rucker-Gramm, Professorin für Baustoffe, Bauphysik, Bauwerkserhaltung und Ressourcenoptimiertes Bauen und Prof. Horstmann, Professor für Massivbau und Konstruktiven Ingenieurbau, der sich schon seit Jahren mit textilbewehrtem Beton beschäftigt.

Alle Abschlussarbeiten erhielten von ihrer Professorin/ihrem Professor die Note 1,0. Traub, Böhm und Kufner arbeiteten selbstständig und verstanden es, ihre Untersuchungen sowie die Ergebnisse strukturiert, anschaulich und übersichtlich darzustellen und mit eigenen Ansätzen zu interpretieren, sodass die drei ausgezeichneten Arbeiten ein hohes wissenschaftliches Niveau erreichten.

Hintergrund

Dyckerhoff hat 2016 den Förderpreis ins Leben gerufen, um Forschung zu würdigen, die zur Weiterentwicklung der Herstellung, Verarbeitung und Anwendung von Betonbaustoffen beiträgt. Dazu zählen besonders die Anpassung der Baustoffeigenschaften an gestiegene Anforderungen, die Optimierung für neue Anwendungen sowie eine bessere Verarbeitbar­keit, Dauerhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit. Ziel ist es auch, die Zusammenarbeit mit den hessischen Hochschulen zu intensivieren, eine offene Diskussion unterschiedlichster Sichtweisen und Erfahrungen zu ermöglichen und junge Menschen für unseren Baustoff zu begeistern.

Der Förderpreis wird regelmäßig an Bauingenieure/-innen von vier hessischen Hochschulen im Bachelor- bzw. Masterstudiengang mit Abschlussarbeiten auf dem Gebiet der Zement- und Betontechnologie verliehen. Über die Vergabe entscheidet eine Jury, zu der Mitglieder der Lehrstühle dieser Hochschulen gehören – das sind Prof. Dr.-Ing. Petra Rucker-Gramm (Frankfurt University of Applied Sciences), Prof. Dr.-Ing. Albrecht Gilka-Bötzow (Hochschule Darmstadt), Prof. Dr.-Ing. Christian Heese (Hochschule RheinMain, Wiesbaden) und Prof. Dr.-Ing. Rüdiger Kern (Technische Hochschule Mittelhessen, Gießen) – sowie Paul Vogel, Leiter Verkaufsbereich Silozement Südost und Martin Möllmann, Marketingleiter bei Dyckerhoff.

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