Strategie

Firma verkaufen, aber richtig!

Familieninterne Nachfolgen verlieren im Mittelstand an Bedeutung. Immer mehr Inhaber favorisieren einen Firmenverkauf. Dabei sollten sie nicht nur an die Transaktion denken, sondern auch an die Zeit danach.

© shutterstock.com

Viele mittelständische Unternehmen stehen vor einem Generationswechsel. Familieninterne Nachfolgen nehmen allerdings deutlich ab, wie aktuelle Erhebungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zeigen. Während vor zwei Jahren noch 54 Prozent der Firmeninhaber ihr Unternehmen an einen Familienangehörigen übergeben wollten, sind es heute nur noch 44 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der Altinhaber, die sich einen externen Käufer vorstellen können, von 42 Prozent auf 50 Prozent. Damit liebäugelt aktuell jeder zweite Firmenlenker mit einem Verkauf an Dritte. Dazu trägt nicht nur eine geringere Zahl von nachfolgewilligen Angehörigen bei, sondern auch eine wachsende Zahl von Investoren.

Der Zeitpunkt für einen Firmenverkauf war noch nie so günstig. Viele private und institutionelle Investoren mit hohen Geldreserven suchen verstärkt nach lohnenden Investitionen abseits der Kapitalmärkte. Als besonders attraktiv gelten mittelständische Unternehmen. Denn sie verfügen über ein etabliertes Geschäftsmodell, das sich am Markt bewährt hat, und zeigen oft eine gute Ertragskraft. Der „German Mittelstand“ gilt auch international als Erfolgsmodell, was viele ausländische Investoren auf den Plan ruft.

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Verkaufsprozess systematisch angehen
Während immer mehr Altinhaber einen Firmenverkauf an externe Käufer in Betracht ziehen, lauern gleichzeitig in der Umsetzung viele Fallstricke. Denn ein Unternehmensverkauf ist ein komplexes Vorhaben. Nur wer vorausschauend handelt, kann alle Gestaltungsmöglichkeiten vorteilhaft nutzen und optimale Verkaufsbedingungen schaffen. Es empfiehlt sich ein Zeithorizont von mindestens sechs Monaten für die Klärung von strategischen Fragen, um dann gezielt und schrittweise alle Aktivitäten anzugehen.

Gerade die Veräußerung an Externe erfordert eine besonders gründliche Planung und Abwicklung. Unerlässlich ist die gezielte Unterstützung durch Experten. Dazu kann neben steuerlichen und rechtlichen Beratern auch ein unabhängiger Family-Office-Berater zählen, der auch die Zeit nach der unternehmerischen Tätigkeit und alle persönlichen Folgewirkungen im Blick hat. Viele Entscheidungen wirken weit über den Firmenverkauf hinaus und lassen sich im Nachhinein nicht mehr korrigieren. Deshalb sollten die Anlagestrategie und die Strukturen für die Zeit danach Bausteine der Verkaufsvorbereitungen sein.

Angela Müller-Valkyser ist Mitglied der Geschäftsleitung von Tresono Family Office und verantwortlich für den Bereich „Family Office“. Sie analysiert Investmentangebote über alle Vermögensklassen und begleitet die langfristige Vermögenssicherung, insbesondere für Unternehmerfamilien. „Firmeninhaber benötigen eine passende Investmentstrategie für die Zeit nach dem Unternehmensverkauf. Sie entsteht am besten schon im Rahmen der Verkaufsvorbereitung.“ © Tresono

Verschiedene Arten des Rückzugs
Von zentraler Bedeutung ist die Frage, wie der Rückzug des Firmeninhabers vonstattengehen soll. Denkbar ist neben einer vollständigen auch eine stufenweise Beendigung der Unternehmertätigkeit. Zudem kann der Altinhaber sein Know-how als Berater oder Gremienmitglied einbringen. Jedes Gestaltungsmodell hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Art der Unternehmensführung und die Vermögensverhältnisse, was vorab zu bedenken ist. Ganz wichtig: Vor Eintritt in den aktiven Verkaufsprozess sollte das Unternehmen „verkaufstauglich“ gemacht werden. Mit Blick auf Kaufinteressenten sind die Strukturen, Organisationsabläufe und Entscheidungsprozesse zu hinterfragen und gezielt zu optimieren. Je besser dies gelingt, desto leichter und erfolgreicher verläuft der eigentliche Verkauf.

Passende Strategie für die Zeit nach dem Verkauf
Mit dem Firmenverkauf verlässt ein Mittelständler gewohntes Terrain. Bisher war das eigene Unternehmen der vertraute, zentrale Vermögensbaustein. Der Verkaufserlös will gut angelegt sein, um Rendite zu erzielen und den Lebensunterhalt für die Unternehmerfamilie langfristig zu sichern. Angestammte Strukturen in der Vermögensanlage und -verwaltung gehören auf den Prüfstand. Das gestiegene Anlagevolumen erfordert meist eine komplette Neuausrichtung der privaten Finanzen.

Für Bankenwahl, Kontoeröffnungen und Anlagestrategie sind viel Zeit, Geduld und Weitblick erforderlich. Erfahrene Berater unterstützen bei der Dienstleisterwahl und bewahren vor Schnellschüssen. Family Offices entwickeln mit dem Firmeninhaber frühzeitig ein maßgeschneidertes Konzept und steuern alle Aktivitäten im Sinne des Vermögensinhabers.

Mit der gründlichen Vorbereitung auf den Verkauf gewinnt der Altinhaber Klarheit über seine künftige neue Lebensphase und die finanziellen Rahmenbedingungen. Eine Zielstruktur zur Vermögensanlage lässt auch Rückschlüsse zu, welches Gestaltungsmodell für den Firmenverkauf optimal ist. Da bei Mittelständlern oft keine klare Grenze zwischen Geschäfts- und Privatleben existiert, ist es umso wichtiger, alle Handlungsoptionen und Konsequenzen mit der Familie zu besprechen.


Der Dienstleister
Tresono ist ein unabhängiges, inhabergeführtes Family Office mit Sitz in Köln. Ein erfahrenes Expertenteam übernimmt die ganzheitliche Betreuung von großen Vermögen, insbesondere für Unternehmerfamilien. Dazu zählen Kapitalmarktanlagen, Immobilieninvestments und Unternehmensbeteiligungen.
www.tresono.de

Abstimmung im Familienkreis

  1. Gemeinsam diskutieren: Einzelentscheidungen sind fehl am Platz. Inhaber sollten ihre Familie bei einem geplanten Firmenverkauf frühzeitig einbeziehen. Das Geschäfts- und Privatleben ist kaum voneinander zu trennen. Es ergeben sich oft weit reichende Wechselwirkungen für die ganze Unternehmeramilie, rational und emotional.
  2. Nachwuchs einbinden: Viele junge Familienmitglieder verfolgen ihren eigenen Lebensweg, auch im Ausland. Dennoch sollte der Nachwuchs rechtzeitig für Vermögensthemen sensibilisiert werden. Dies stärkt nicht nur den Familienzusammenhalt. Idealerweise kann der Nachwuchs sukzessive in die Vermögensverwaltung hineinwachsen.
  3. Folgen bedenken: Die Unternehmerfamilie wird auch nach dem Ausstieg mit der Firma in Verbindung gebracht. Dazu trägt bei, dass der Familienname meist Teil der Firmierung ist. Kommt es zu Standortschließungen oder Entlassungswellen, wird die Familie mit diesen Entwicklungen konfrontiert. Ist die Unternehmerfamilie am Firmensitz gesellschaftlich stark verwurzelt, kann es auch zu Anfeindungen kommen.
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