Organisation

Susanne Frank,

Böser Boss war gestern

Wer heutzutage Mitarbeiter erfolgreich führen will, kann dies nicht durch einen längst überholten autoritären Stil bewirken. Stets sollte man sich dabei bewusst sein, seine Rolle als „Chef“ nicht nur zu spielen, sondern auch mit Herzblut zu leben. 

Früher konnte der Chef einfach nur „Chef“ sein und sagen, wo und wie es langgeht. Heutzutage muss die Beziehung zu Mitarbeitern kollegial, gleichzeitig mit einer gesunden Distanz und einer natürlichen Autorität gelebt werden.

Dies geht nur, wenn Sie sich intensiv mit den verschiedensten Rollen einer Führungskraft auseinandersetzen. Eine Führungskraft kann zwar Controller, Mitarbeiterbetreuer, Coach und durchsetzungskräftiger Boss sein – aber nicht alles zu gleich.

War es früher die Frage nach dem passenden Führungsstil, setzen wir uns heute verstärkt mit uns und der Situation auseinander. Hier können Chefs auch von Schauspielern im Bereich Rollenfindung viel lernen. Gute Schauspieler spielen nicht, sie leben und sind authentisch. Parallel darf es auch in der Führung nie darum gehen, nur etwas vorzuspielen.

Eine Führungskraft sollte die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter ernst nehmen und zugleich die Unternehmensstrategie konsequent umsetzen.

Umso wichtiger ist deshalb eine tiefe Auseinandersetzung mit den verschiedenen Rollen, die eine Führungskraft im Alltag leben soll. Dabei entscheiden die Situation, das Gegenüber und die eigene Verfassung darüber, welche Rolle in welchem Moment gelebt wird.

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Mit der Rollenidentifikation wird die Nähe zum Theater offensichtlich. „Die ganze Welt ist eine Bühne, man tritt auf, man tritt ab“, schrieb Shakespeare.

Wenn nun die ganze Welt eine Bühne ist, wir von Rollenverständnis reden, liegt es auf der Hand, die Parallelen zur Schauspielkunst und der Kunst des Vorgesetzten-Seins aufzuzeigen. Hier liegt der Schlüssel für eine neue Führungskultur. Keine Angst, es geht nicht darum, als Führungskraft Rollen zu spielen, das überlassen wir auch künftig den Schauspielern. Jedoch ist es in der Führungsarbeit hilfreich zu erkennen, was es zur echten und glaubwürdigen Rollenfindung alles braucht.

In der Führung sollten grundsätzlich alle Handlungen ein Ziel haben, weil sie sonst zur Floskel verkommen. Bei jeder Handlung gibt es außerdem eine Vorgeschichte und eine Geschichte danach.

Nicht immer kenne ich diese Geschichte bei meinem Gegenüber. Dann ist es meine Aufgabe als Führungskraft, diese Geschichte ausfindig zu machen. Fragen zu stellen ist ein deutliches Zeichen für Interesse am anderen Menschen. Umgekehrt muss ich meinem Gegenüber vielleicht auch meine Geschichte erklären, z. B. Führungsentscheidungen begründen oder Hintergründe meines Handelns aufzeigen.

Nur so bildet die Ouvertüre eine wertvolle Basis, die Bühne sozusagen für das weitere Stück, in dem ein abschließender Impuls den gemeinsamen Führungsweg weiter festlegt und festigt.  

Auf der Bühne (des Lebens) kann nur dann glaubwürdig gespielt werden, wenn völlige Bühnenpräsenz da ist. Präsenz bedeutet auch in der Führung: Ich bin im Hier und Jetzt!

Alles, was gedanklich nicht hierher gehört, wird vertagt – vielleicht auf einem Zettel oder im Handy notiert, in der Aufgabenspalte im Outlook festgehalten. Diese Konzentration wird von Mitarbeitern als Ausstrahlung und Präsenz wahrgenommen, die für Glaubwürdigkeit und Authentizität der Führungskraft steht.

Erfolgreiche Führungskräfte verstehen es, sich auf diese eine Rolle als Chef zu konzentrieren und ihr ihren Stempel aufzudrücken.

Entscheidend ist in einem Gespräch nicht, was gesendet wird, sondern was ankommt. Aber für den richtigen Empfang braucht es auch einen guten Sender.

Bei wirkungsvollen Führungskräften bilden Stimme, Sprache und Körper eine Einheit und damit eine gute Basis für Dialoge. Da diese immer in einem Kontext stattfinden, ist es wichtig, vor oder am Anfang eines Gesprächs diverse Wahrnehmungen abzugleichen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass alle Gesprächspartner vom Gleichen reden und eine gute gemeinsame Ausgangslage schaffen.

Wenn wir von „Auf den Kunden eingehen“ oder „Den Mitarbeiter ernst nehmen“ reden, ist das vergleichbar mit Improvisationstheater: Stichwort, Reaktion – und niemals blocken! Professionalität heißt in der Gesprächsführung, in die Welt des Gegenübers einzutauchen. Nur wer präsent ist, vermag den anderen in ein echtes Gespräch einzubinden.

Das bedeutet: Den anderen reden lassen, Details wahrnehmen, um schließlich alles in ein dynamisch gestaltetes Gespräch einfließen zu lassen. Aber auch: Öfter einmal auszubrechen aus gewohnten Strukturen, sich zu lösen von festen Mustern, um den Mitarbeiter/Kunden wirklich in den Mittelpunkt zu stellen.

In der Führung stellt sich immer wieder die Frage: Wie fördere ich meine Mitarbeiter? Wie begleite ich Menschen im Lernprozess? Oft fällt Mitarbeitern der Schritt von „bewusster Inkompetenz“ zur „bewussten Kompetenz“ recht schwer, da es ein Loslassen von alten Mustern verlangt.

Das neue Verhalten kommt noch nicht von innen, wirkt deshalb am Anfang vielleicht noch etwas unnatürlich. An dieser Stelle muss die Führungskraft den Mitarbeiter ermuntern und ihm Mut machen, Neues auszuprobieren.

Gut gelingt dies auf einer Art Probebühne, weil in einem geschützten Rahmen auch Scheitern durchaus Spaß machen kann, soll und darf. Frustrationstoleranz gehört zum Erfolg, denn „Erfolg haben heißt, einmal mehr aufstehen, als man hingefallen ist“.

Wird Führung gekonnt inszeniert, geben Führungskräfte ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zur Entwicklung ihrer eigenen Fähigkeiten, indem sie diese weder über- noch unterfordern. So ist die Traumrolle „Chef“ tatsächlich gut besetzt.

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