Mauerwerksbau

Sozialer Wohnungsbau mit besonderer Ästhetik

Bis Sommer 2018 entsteht in Lübeck die neue Wohnsiedlung „Sieben Moislinge“. Die Häuser mit den wellenförmig angelegten Flachdächern, der ungewöhnlichen Gebäudeform und der beige-braunen Fassade vermitteln eine besondere Ästhetik. Für die Fassade wurden wärmedämmende Unipor-Hintermauerziegel kombiniert mit einer Verblendschale aus Handstrichziegeln.

beige-braunen Ziegel-Verblendschale
Die wellenförmig angelegten Flachdächer vermitteln in Kombination mit der beige-braunen Ziegel-Verblendschale eine besondere Ästhetik. Foto: Grundstücks-Gesellschaft TRAVE

Angesichts deutlich gestiegener Ansprüche an Wärmeschutz und Wohnkomfort modernisieren Wohnungsunternehmen sukzessive ihren Wohnungsbestand – so auch die Lübecker Grundstücks-Gesellschaft TRAVE mbH. Sie setzt dabei u.a. auf Abriss und Erneuerung mit hochwertigen Baumaterialien.

Im Lübecker Stadtteil Moislingen – zwischen der Trave und dem Elbe-Lübeck-Kanal gelegen – entstehen sieben Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 93 öffentlich geförderten Wohnungen. Statt der einst stringenten, riegelförmigen Wohnbebauung sah der Entwurf des Architekturbüros Zastrow und Zastrow auf dem langen, schmalen Grundstück eine freie Positionierung vor.

Die leicht wellenförmig angelegten Flachdächer sind ebenso wie die beige-braune Ziegel-Verblendschale optische Highlights. Sie verleihen der Häuserreihe im Zusammenwirken mit den ungewöhnlichen Gebäudeformen eine besondere Ästhetik. Zugleich erwecken einheitliche Gestaltungselemente einen harmonischen Gesamteindruck.

Zweischalige Fassade

Städtebauliche Akzente
Städtebauliche Akzente: Drei viergeschossige Gebäude innerhalb der ansonsten dreigeschossigen Gebäudereihe bieten am Anfang, in der Mitte und am Ende einen optischen Versatz. Foto: Knabe + Horn

Marie-Luise und Peter Zastrow entschieden sich nicht nur aus bauphysikalischen und wirtschaftlichen Gründen, sondern auch aufgrund optischer Aspekte bei den Fassaden für ein zweischaliges Mauerwerk. Die Außenwand setzt sich zusammen aus tragendem Hintermauerwerk (d=36,5 cm) mit wärmedämmenden „Unipor W09“-Planziegeln, einer sechs Zentimeter dicken Mineraldämmplatte (Wärmeleitgruppe 032) als Kerndämmung und einer 11,5 Zentimeter starken Verblendschale aus Handstrichziegeln.

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„Die erzielten bauphysikalischen Werte des Ziegel-Hintermauerwerkes sprechen für sich. So verbindet der von den Ziegelwerken Bergmann hergestellte „Unipor W09“-Planziegel dank seiner innovativen Dreieckslochung eine relativ hohe Festigkeitsklasse 8 mit einer geringen Wärmeleitfähigkeit von 0,09 W/(mK). Er trägt damit entscheidend zu einem niedrigen Wärmedurchgangskoeffizienten der Fassade von 0,16 W/(m²K) bei.

Auf diese Weise lassen sich auch ohne zusätzliche Energieeinsparmaßnahmen die verschärften Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2016 mühelos übertreffen. „Ein zentraler Pluspunkt bei der Planung waren für uns die geringen Unterhaltskosten, die durch die Verblendschale gewährleistet werden“, betont der Technische Leiter und Prokurist der TRAVE, Dipl.-Ing. Architekt Stefan Kofeldt. „Es treten keine Putzrisse auf und Witterungsschäden durch Schlagregen und Frost werden vermieden. Auch die Gefahr einer Verfärbung durch Algenbildung ist minimal, sodass die Fassaden langfristig ihr attraktives Erscheinungsbild behalten“.

Besonders tragfähig durch deckelnden Dünnbettmörtel

Foto: Grundstücks-Gesellschaft TRAVE
Zwei Flügel ordnen sich um den mittleren, konisch geschnittenen Gebäudeteil. Die Stellung der Flügel variiert von Haus zu Haus und schafft so auf harmonische Weise vielfältige Individualität. Foto: Grundstücks-Gesellschaft TRAVE

Nach dem Abriss der alten Wohnblöcke im Frühjahr 2016 begann die Friedrich Schütt & Sohn Baugesellschaft unverzüglich mit dem Rohbau des ersten Gebäudes. Der „Unipor W09“-Planziegel im 12-DF-Format (247 x 365 x 249 Millimeter) ließ sich aufgrund seiner plangeschliffenen Lagerfläche entsprechend den Bestimmungen der Zulassung Z-17.1-1042 und der DIN 1045 zügig und mörtelsparend in deckelndem Dünnbettmörtel verlegen. Mithilfe von Mörtelschlitten stellten die Verarbeiter mühelos eine gleichmäßige Dünnbettmörtelschicht von einem Millimeter sicher. Auf eine Vermörtelung der Stoßfugen konnte aufgrund der Nut-Feder-Ausbildung an den Steinstirnseiten material- und zeitsparend verzichtet werden. Die Knirsch-Verlegung der Mauersteine trug neben den wirtschaftlichen Vorteilen zudem wesentlich zur hohen Tragfähigkeit der Innenschale bei.

Ohne Wärmebrücken

Die Fassadenerstellung beaufsichtigte das Bauleitungsbüro Stefan Knabe und Arne Horn aufmerksam in allen Arbeitsschritten. Ein Hauptaugenmerk galt dabei der Verhinderung von Wärmebrücken. So wurden die Stahlbetondecken bei ihrer Einbindung mit einer mineralischen Deckenranddämmung (60 mm) ausgestattet und die Wohnungstrennwände zudem mit beidseitigen Dämmstreifen in die Außenwand eingebunden.

Bei den Wohnungstrennwänden kam ebenfalls ein dafür maßgeschneidertes Produkt der Ziegelwerke Bergmann zum Einsatz. Der „Unipor-Verfüllziegel“ (Z.17.1-688) wird auch wirtschaftlich sinnvoll in Dünnbettmörtel verlegt. Er zeichnet sich nach der geschosshohen Verfüllung mit geeignetem Beton insbesondere durch sein hohes Schalldämmmaß aus. So beträgt der Rechenwert des bewerteten Schalldämmmaßes R’w,R bei einer gewählten Wanddicke von 30 Zentimetern 57 Dezibel und stellt dadurch ein ungestörtes, ruhiges Wohnen sicher.

Wohnanlage mit Vorbildcharakter

Ende Mai 2017 wurde Richtfest gefeiert. Voraussichtlich können die ersten Bewohner Anfang 2018 einziehen und das letzte Gebäude soll im Sommer 2018 bezugsfertig sein. Mit Ausführungsqualität und Erscheinungsbild der erstellten Gebäude ist der Bauherr mehr als zufrieden. „Die Wohnanlage hat Vorbildcharakter für weitere Neubauten im Sozialwohnungsbereich“, so Dr. Matthias Rasch, Geschäftsführer der TRAVE.

Dipl.-Ing. Hans-Gerd Heye

Bautafel

Bauherr und Projektleitung: Grundstücks-Gesellschaft TRAVE mbH, Lübeck Entwurf und Detailplanung: Architekturbüro Zastrow und Zastrow, Kiel Ausschreibung und Bauleitung: Knabe & Horn GbR, Lübeck Bauausführung (Rohbau): Friedrich Schütt & Sohn Baugesellschaft mbH & Co.KG, Lübeck Bruttogeschossfläche: 8.407 m² Wohnfläche insgesamt: 5.691 m² Wandbaustoff Hintermauerwerk: Unipor W09 Planziegel (12 DF) Ziegelhersteller: Ziegelwerke Otto Bergmann GmbH, Kalletal, Mitgliedsunternehmen der Unipor-Gruppe Baukosten: ca. 12 Mio. Euro (Kostengruppe 200-700) Bauzeit: Frühjahr 2016 bis Sommer 2018
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