Fassadendämmung

Günther Strasser,

Durchdacht gedämmt

Zunehmend schärfere energetische Bestimmungen rücken die Fassadendämmung in den Fokus modernen Bauens. Im folgenden Fachbeitrag erläutert und bewertet Günther Strasser, Prokurist und Vertriebsleiter bei der Maxit-Gruppe, Alternativen zur klassischen Fassadendämmung.

Gut gedämmte Außenwände sind im Sinne einer energetischen Optimierung alternativlos. Die Entscheidung für einen Dämmstoff sollte dabei eine Vielzahl von Kriterien berücksichtigen – wie beispielsweise Funktion, Wirtschaftlichkeit oder auch ökologische Aspekte. © Andrey Popov – stock.adobe.com

Wer eine Fassade dämmt, muss genau abwägen womit. In der Regel ist es mit „Heizkosten sparen wollen“ nicht getan. Neben funktionellen Größen wie Lambda-Werten und Wärme leitzahlen kommen wirtschaftliche, aber auch ökologische Argumente zum Tragen. Auf dem Wärmedämm-Markt gibt es eine Vielfalt an Lösungen. In der letzten Zeit wurden einige Alternativen zu den bewährten Dämmstoffen entwickelt.

Lieferengpässe bei Polysterol
Gut gedämmte Außenwände sind im Sinne einer energetischen Optimierung alternativlos. Über Jahrzehnte hinweg galten Wärmedämm-Verbundsysteme aus Polystyrolschaum-Platten (EPS) als der Goldstandard. Allerdings sind hier – neben technischen Bedenken – auch Lieferengpässe ein wachsendes Problem: Polystyrol wird durch Polymerisation von Styrol und somit vornehmlich aus Erdöl gewonnen. Schon 2012 betrug die weltweite Produktion von Styrol etwa 20 Millionen Tonnen, Tendenz steigend. Doch die Erdöl-Ressourcen sind begrenzt. Mittelfristig wird sich der Markt folglich mit konkurrenzfähigen Alternativen für die Fassadendämmung auseinandersetzen müssen.

Über Jahrzehnte hinweg galten Wärmedämm-Verbundsysteme aus Polystyrolschaum-Platten (EPS) als Goldstandard. Gerade in jüngster Zeit entwickeln sich jedoch viele Alternativen im Bereich der Fassadendämmung. © maxit

Richtig dämmen – was heißt das?
Eine Fassadendämmung soll den Wärmedurchgang durch die Außenwände so verringern, dass das Haus innere im Winter warm und im Sommer kühl bleibt. So weit, so simpel. Um eine wohngesunde Atmosphäre im Raum zu schaffen, darf der Temperaturunterschied zwischen Wandoberfläche und Raumluft nicht mehr als 3° Celsius betragen. Größere Differenzen empfinden wir als „zugig“ und unbehaglich. Daher ist es gleich doppelt von Vorteil, wenn der gewählte Dämmstoff auch mit Wärmespeicherfähigkeiten punkten kann: Übrigens: Gleichmäßig warme Wände verhindern auch den Algen- und Pilzbefall außen an der Fassade.

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Die Frage nach dem Preis
Die Dämmstoff-Wahl ist auch immer eine Frage des Preises. Es muss klar sein, dass die letztendlichen Kosten nicht nur aus Anschaffung und Anbringung bestehen. Auch Wartung und eine gegebenenfalls notwendige Erneuerung nach Jahren der Nutzung schlagen zu Buche. Auch auf die Verarbeitungsweise kommt es an: Verarbeitungsfehler können einem teuer zu stehen kommen. Es gilt: Je komplexer die Montage eines Dämmstoffes, desto fehleranfälliger ist meist auch das Ergebnis. Im schlimmsten Fall hat man es dann nicht nur mit ästhetischen Mängeln, sondern auch mit Feuchteschäden oder gesundheitsgefährdendem Schimmelbefall zu tun.

Mikroskopisch klein, große Wirkung: Eine im Bereich der Fassadendämmung noch völlig neue Option sind Mikrohohlglaskugeln. Sie kommen seit 2019 in den spritzbaren Innen- und Außendämmungen „maxit ecosphere“ zum Einsatz. © maxit

Ein weiteres Vergleichskriterium, welches derzeit immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist die Ökologie. Im Vordergrund stehen dabei meist die Rohstoff-Ressourcen, die der Produktherstellung zugrunde liegen. Daneben spielen aber auch Größen wie Primärenergiebedarf oder Recyclingfähigkeit eine wichtige Rolle bei der ökologischen Bewertung von Bau- beziehungsweise Dämmstoffen.

Alternativen im Dämmstoffmarkt
Untersucht man nun neuartige Dämmstoff-Alternativen auf ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber bewährten Standards – wie EPS oder auch Mineralwolle – spielen all diese Kriterien eine Rolle. Die Entscheidung erfolgt demnach immer nach subjektiven Prioritäten. Beispielsweise ist das bekannteste Wunderkind in Sachen Dämmleistung derzeit wohl zweifellos Aerogel. Als Vliesplatte, in Dämm putzen oder Einblasdämmungen eingesetzt, bietet der meist auf Silikat basierende Stoff in Sachen Wärmedämm-Funktion absolute Bestwerte. Nachteilig sind hier allerdings die Kosten, welche Aerogel- Produkte bisher eher im Luxusbau-Segment verorten. Eine erschwinglichere und im Bereich der Fassadendämmung noch völlig neue Option sind Mikrohohlglaskugeln, sogenannte „Glass Bubbles“. Dank eines umschlossenen Teil-Vakuums sorgen sie nicht nur für einen verzögerten Wärmedurchgang, sondern sind auch ein exzellenter Wärmespeicher.

Wärmedämmstoffe im Vergleich © baulinks.de & maxit

Darüber hinaus erfüllen die Mikrohohlglaskugel weitere Kriterien: Unter ökologischen Aspekten punkten die kleinen Glaskörper etwa, da sie aus verschiedensten Arten von Sand gewonnen werden können. So ist ein Ressourcenfortbestand gesichert. Anwendung finden sie seit Beginn 2019 in den spritzbaren Innen- und Außendämmungen „maxit ecosphere“ auf Mörtelbasis. Entsprechend ist die entstandene Dämmstofftechnologie nicht nur rein mineralisch und damit vollständig recycelbar, sondern auch als „nicht brennbar“ (A1) klassifiziert. Die Verarbeitung der neuartigen Spritzdämmungen erfolgt ganz einfach mit einer handelsüblichen Putzmaschine, sodass Montagefehler oder Hohlraumbildung zwischen Wand und Dämmschicht nahezu ausgeschlossen sind.

Wer eine Plattenlösung bevorzugt, aber trotzdem Wert auf eine besonders ökologische Variante legt, wird diese in der Zukunft beispielsweise in Strohdämmplatten finden: Als Nebenerzeugnis der Landwirtschaft ist Stroh eine allzeit zugängliche Ressource, deren Dämmleistung schon seit Jahrhunderten geschätzt wird. Maxit-Strohdämmplatten kommen dabei nicht nur ohne kunststoffbasierte Bindemittel, sondern auch ohne jeglichen Chemiezusatz aus und sind somit zu 100 Prozent biologisch.

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