Verbandsnews

Die Bauwirtschaft blickt auf 2020

2020 wird für die Baubranche laut ZDB ein solides Jahr: 5,5 Prozent Umsatzwachstum werden erwartet.

Reinhard Quast, Präsident ZDB © ZDB

Anlässlich einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin gaben die Präsidenten des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Peter Hübner, und des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Reinhard Quast, eine Einschätzung für das kommende Jahr ab.

"Insgesamt rechnen wir in 2020 mit einem Umsatzwachstum im Bauhauptgewerbe von 5,5 Prozent auf 145 Milliarden Euro. Die Dynamik der Preisentwicklung für Bauleistungen hat sich im Jahresverlauf 2019 von knapp +6 Prozent auf +4,5 Prozent abgeschwächt. Davon gehen wir auch in 2020 aus, sodass der Umsatz in 2020 real um ein Prozent wachsen wird. Der Fachkräftebedarf der Bauunternehmen ist weiter hoch. Wir rechnen mit einem Personalbestand von 870.000 Beschäftigten im Jahresdurchschnitt (+1,5 Prozent)."

ZDB-Präsident Quast erläuterte, dass die Grundpfeiler im Wohnungsbau weiter stabil seien. Das betreffe insbesondere die hohe Erwerbstätigkeit, reale Einkommenszuwächse, anhaltend günstige Finanzierungsbedingungen sowie eine weiterhin hohe Binnenwanderung in die Ballungsgebiete. Um Planungssicherheit für die Unternehmen zu schaffen, müssten langfristige Impulse gesetzt werden, wie die dauerhafte Erhöhung der Afa von 2 % auf 3 %. Denn sowohl das Baukindergeld wie auch die Sonder-Afa setzten nur kurzfristige Impulse. Um bezahlbaren Wohnraum in den Ballungsgebieten zu schaffen bedürfe es verstärkter Investitionen in den sozialen Wohnungsbau. "Mietendeckel und Mietpreisbremsen sind vor allem auch Investitionsbremsen. Denn Investoren gehen dorthin, wo die Rahmenbedingungen gut sind."

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Vor diesem Hintergrund erwarten die Bauverbände einen Umsatz im Wohnungsbau von circa 54,2 Milliarden Euro, nach knapp 51 Milliarden Euro in 2019 (+7 %). "Wir gehen für 2020 von der Fertigstellung von circa 310.000 Wohnungen aus. Bis zum Oktober 2019 wurden für insgesamt fast 290.000 Wohnungen Baugenehmigungen erteilt, genauso viele wie im Vorjahr," so HDB-Präsident Hübner.

Wirtschaftsbau: ambivalente Entwicklung
Während die (Hoch)-Baugenehmigungen bei Fabrik- und Werkstattgebäuden seit drei Monaten rückläufig sind, zeigen die Baugenehmigungen für Lager- und Handelsgebäude sowie Büro- und Verwaltungsgebäude aufsteigende Tendenz. Die stabile Entwicklung bei den Handels-und Lagergebäuden ist vom privaten Konsum angetrieben.

Einen positiven Trend sehen die Verbände im Wirtschaftstiefbau: Die monatlichen Auftragseingänge liegen hier seit Ende des ersten Quartals 2019 im Vorjahresvergleich kumulativ stabil bei +10 %. Damit ist die Reichweite der Aufträge deutlich angestiegen. "Dieses führen wir vor allen Dingen auf die Investitionen für Bahnstrecken, Brücken- und Tunnelbauten der Deutschen Bahn zurück. Der Bundeshaushalt sieht hier für das kommende Jahr noch einmal eine Erhöhung der Investitionszuschüsse um 1,1 Milliarden Euro auf 6,6 Milliarden Euro (+18 %) vor," so Hübner.

Auch deswegen prognostizieren die beiden Verbände im Wirtschaftsbau für 2020 insgesamt einen Umsatz von circa 51,3 Milliarden Euro.

Öffentlicher Bau: Investitionen für Fernstraßen
Die Bauverbände begrüßten die Investitionsoffensive im Bereich der Bundesfernstraßen ausdrücklich und forderten weiterhin eine Verstetigung der öffentlichen Investitionen. "Denn die aufgrund der Bauoffensive erlebbaren Baustellen und damit einhergehen Stau- und Wartezeiten wären mit einer bedarfsgerechten Finanzausstattung in früheren Jahren vermeidbar gewesen," monierte Quast. "Mit rund 17 Milliarden Euro pro Jahr, davon über 10 Milliarden Euro für Straße und Wasserstraße, kann es gelingen, dem Wirtschaftsstandort Deutschland wieder eine adäquate Infrastruktur zu verschaffen. Dies ist an sich ein Signal der Planungssicherheit für unsere Bauunternehmen."

Allerdings warnte Hübner davor, das Vertrauen der Bauunternehmen auf langfristige Investitionen zu zerstören, indem sich die Länder im Hinblick auf die Gründung der Autobahn GmbH vom Markt zurückziehen und keine Ausschreibungen mehr veröffentlichen. "Kapazitätsaufbau braucht stabile Rahmenbedingungen." Hübner weiter: "Es ist uns besonders wichtig, dass der Übergang von der Auftragsverwaltung der Länder zurück zum Bund, zur Autobahn GmbH, reibungslos gestaltet wird. Wir benötigen eine verstetigte Vergabe durch die Auftragsverwaltung der Länder – und zwar bis zum 31. Dezember 2020 – und keinen Tag weniger."

Insgesamt erwarten die Bauspitzenverbände im öffentlichen Bau für 2020 einen Umsatz von ca. 39,5 Milliarden Euro; nach 38 Milliarden Euro in 2019; (+4 %).

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