Faserverbundkonstruktion

Annina Schopen,

Kunststoff-Faserseil kann Stahlseil am Kran ersetzen

Mit dem Seilspezialisten Trowis hat Wolffkran ein Hochleistungsfaserseil entwickelt, das erstmals auf der Bauma 2022 präsentiert wurde. Das Charope-Faserseil kann aufgrund seiner Faserverbundkonstruktion das herkömmliche Stahlseil ersetzen – ohne Umbaumaßnahmen am Kran vornehmen zu müssen.

Das Charope-Faserseil: Innen ein mehrlagiges, geschlagenes Seil, außen ein robuster, monolithischer Kunststoffmantel. © Trowis/Wolffkran

Als bislang einziger Hersteller setzt Trowis für sein neues Faserseil auf einen Seilmantel mit einer speziellen Faserverbundkonstruktion, der in Zusammenarbeit mit Wolffkran entwickelt wurde. „Durch die einzigartige Seilkonstruktion hat das Charope-Faserseil den gleichen Durchmesser wie herkömmliche Stahlseile und ist damit deutlich schlanker als vergleichbare Wettbewerbsprodukte“, sagt Thomas Heidrich, CTO und Mitglied der Geschäftsleitung bei Wolffkran.

„Die Seilkonstruktion besteht aus einem mehrlagigen, gedrehten Kernseil aus hochfesten Hightechfasern und aus einem abriebfesten, dünnwandigen Faserverbundmantel“, erläutert Dr. Thorsten Heinze, Geschäftsführer von Trowis. „Mit diesem Aufbau können wir zum Markteintritt Kranseile mit Durchmessern von zwölf und 16 mm anbieten.“

„Jeder Wolff-Kran, der über ein zwölf oder 16 mm-Stahlseil verfügt, kann mit dem neuen Charope-Faserseil ausgestattet werden. Die Seile sind vollständig baureihenkompatibel, eine Anpassung der Seilrollen, Hubwerke oder Traglasten ist nicht erforderlich“, so Thomas Heidrich. „In unserem aktuellen Portfolio betrifft das alle Modelle der Wolff-Clear-Reihe, die neuen Wolff-21-FX-Krane sowie den Wolff 8033.16 Cross.“

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Der Mantel macht den Unterschied

Die Faserverbundummantelung ist ein Novum auf dem Kranseilmarkt. Durch sie werden nicht nur die gleichen Durchmesser erreicht wie bei Stahlseilen, der Mantel schützt das Kernseil auch vor Feuchtigkeit und Verwitterung und erhöht die Lebensdauer signifikant. © Trowis/Wolffkran

Der Faserverbund-Seilmantel hat laut Anbieter im Wettbewerbsvergleich zu herkömmlichen, geflochtenen Seilmänteln noch mehr Vorteile: Er sei monolithisch, also nahtlos dicht. So gelangt weder Feuchtigkeit ins Seilinnere noch Schmierstoffe oder Faserabrieb des Seilkerns nach außen. „Das Seil läuft auch nach Jahren nicht trocken und es gelangen keine Mikrokunststoffpartikel in die Umwelt“, so Peter Streubel, Geschäftsführer von Trowis. Zudem biete der Seilmantel einen hundertprozentigen UV-Schutz für den innenliegenden Seilkern und diene gleichsam als Indikator für die Ablegereife des Seils. Zeigt er Beschädigungen wie Materialabtragungen, Risse oder Verdrehungen muss das Seil ausgetauscht werden.

Die Fasern des Seilkerns bestehen aus einem formstabilen Material, wodurch der Kern kaum plastifiziert und somit die runde Querschnittsform des Seils erhalten bleibt. Wie der Wolff selbst passe sich dadurch auch das Charope-Faserseil an jede noch so extreme Umgebung an und behalte seine Form – ohne Temperatureinschränkungen – gleichsam auf vereisten Gipfeln und in heißen Wüstenregionen, verspricht das Unternehmen.

Leicht, ökonomisch, nachhaltig

Vom Prüfstand auf die Bauma: Im Oktober hat Wolffkran das Cahrope erstmalig live an einem Wolff-Kran gezeigt. © Trowis/Wolffkran

Das Faserseil ist rund 80 Prozent leichter als ein Stahlseil. Die enorme Gewichtseinsparung soll nicht nur höhere Tragfähigkeiten, sondern auch eine einfachere und sicherere Handhabung bei Transport, Montage und Seilwechsel ermöglichen. Durch die von Seilspezialist Trowis entwickelte Faserverbundkonstruktion verfüge das Seil über eine mindestens vier Mal so hohe Lebensdauer als ein herkömmliches Seil aus Stahldraht. Zudem müssen die Seile nicht nachgeschmiert oder gereinigt werden und die Seilscheiben werden kaum verschlissen. Für den Kunden bedeutet das einen geringeren Instandhaltungsaufwand und eine höhere Verfügbarkeit der Krane bei gleichzeitiger Schonung von Ressourcen.

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