IT am Bau

Interview: Bezüglich der Produktivität ist Luft nach oben

Im Interview mit Baugewerbe Unternehmermagazin spricht Karsten Elles, Business Development Manager von Komatsu Europe, über die Probleme im Straßenbau und die Gründe dafür. Um die Produktivität im Baugewerbe zu erhöhen, sieht er die Lösung im Einsatz intelligenter Maschinen. Sie helfen nicht nur dem Maschinisten, schneller und entspannter zu arbeiten, sondern dem Bauunternehmer, profitabler zu werden.

Karsten Elles
„Bezüglich der Produktivität ist Luft nach oben. Wir haben wenig Personal und wir haben viel vor.“ Karsten Elles, Business Development Manager, Komatsu Europe - Foto: privat

Herr Elles, Sie sagen, dass im Straßenbau einiges im Argen liegt und man einiges nachholen muss. Erläutern Sie uns kurz, welche Probleme es momentan im Straßenbau gibt. Karsten Elles: Wir haben viele sanierungsbedürftige Brücken. Das merken Sie auf den Autobahnen, wenn man nur 80 km/h auf einer Brücke fahren darf. Wir haben schlechte und schlecht ausgebaute Straßen und deshalb hat unser ehemaliger Verkehrsminister Alexander Dobrindt den Bundesverkehrswegeplan ausgerufen. Der beinhaltet, dass bis zum Jahr 2030 circa 270 Milliarden Euro in Infrastrukturmaßnahmen investiert werden. Bislang wurden circa 50 Milliarden Euro investiert. Damit verbleiben noch 220 Milliarden, um den Verkehrswegeplan aufzubrauchen. Das bedeutet, dass wir im Schnitt für die verbleibende Zeit pro Jahr etwa 18 Milliarden verbauen müssten. Im Jahr 2018 wird jedoch nur von einem Investitionsvolumen von 13,5 Milliarden Euro ausgegangen.

Aber wenn man auf Autobahnen unterwegs ist, hat man doch den Eindruck, dass sehr viel gebaut wird… Es müsste aber tatsächlich mehr gebaut werden müssen, als gerade im Gange ist. Es gibt momentan einen Investitionsrücklauf. Wenn ich mich nicht irre, haben wir 2015 1,3 Milliarden mehr verbaut als im Vorjahr, in den darauffolgenden Jahren jeweils nur circa 500 Millionen.

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Worin liegen die Gründe für diesen Investitionsrücklauf? Elles: Wir haben nicht das Personal dafür. Das heißt, wir haben große Aufgaben, aber nicht die personelle Stärke im Tiefbau oder der Baubranche im Allgemeinen und bei den Baubehörden. Wir erleben einen demografischen Wandel, der zur Folge hat, dass beispielsweise im Tiefbau 2015 bei den Akademikern nur 67 Bewerber auf 100 Stellen kamen. 60 Prozent der Firmen im Bauhauptgewerbe im letzten Jahr haben gesagt, dass der Fachkräftemangel ihren unternehmerischen Erfolg negativ beeinträchtigen wird. Des Weiteren sind 40 Prozent der Firmen im Bauhauptgewerbe dabei, permanent Stellen auszuschreiben. Das heißt, es ist ein Riesenbedarf da. Es gab in diesem Jahr, soweit ich weiß, zwei Prozent mehr Lehrlinge im Baugewerbe, was an sich ein gutes Signal ist, aber das wird nicht reichen, um unsere personellen Probleme im Tiefbau zu lösen.

Das ist aber nicht das einzige Problem, richtig? Elles: Genau. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Produktivität am Bau in den letzten zwanzig Jahren eigentlich kaum verbessert hat, sogar leicht verschlechtert, wohingegen das produzierende Gewerbe – ich sag mal, von 100 auf 170 Prozent gestiegen ist. Da sind wir im Baugewerbe vielleicht bei 97 Prozent im Jahr 2012. Hier habe ich leider keine neueren Daten im Kopf. Das bedeutet, bezüglich der Produktivität ist Luft nach oben, wir haben wenig Personal und wir haben viel vor. Das ist eine große Herausforderung.

Und wie sehen nun Lösungsansätze aus? Elles: Die Produktivität im Baugewerbe sollte erhöht werden. Und da setzen unsere Maschinen an. In Japan gibt es ein ähnliches demografisches Problem, sogar noch viel deutlicher, und deswegen hat Komatsu etwas entwickelt, das sich Dantotsu nennt. Das steht für meisterliche, unübertroffene Technik. Komatsu hat intelligente Maschinen entwickelt, die 2013 erstmals auf den Markt gekommen sind. Mit einem vollkommen integrierten, satellitengestützten 3D-System an einer Raupe. Die GPS-Antenne ist am Dach angebracht. Wir haben keinen Mast mehr vorne am Schild und wir haben Echtzeitsensorik an den Kolbenstangen, die es uns ermöglicht, weitergehende Assistenzsysteme einzuführen.

Was leisten diese Assistenzsysteme genau? Elles: Diese weiterführenden Assistenzsysteme bringen uns dazu, dass wir eine Art Schlupfkontrolle an der Raupe haben. Und je nach eingestelltem Modus – schieben oder transportieren oder Boden einbauen – wird der Maschinist durch die Maschine unterstützt bei seiner Arbeit. Das heißt, er verrichtet seine Arbeit entspannter und ist trotzdem circa 20 Prozent schneller als mit herkömmlichen 3D-Satellitensystemen und gleichzeitig spart man 10 Prozent Treibstoff pro Kubikmeter.

Und diese hat Komatsu bereits 2013 auf den Markt gebracht? Elles: Richtig. Von den Raupen gibt es inzwischen sechs Modelle von 9 bis 42 Tonnen. Es gibt seit 2014 auch einen intelligenten Bagger. Der PC 210 LCI ist letztes Jahr in der zweiten Generation auf den Markt gekommen. Auch hier sind keine nachträglich verbauten Satellitensysteme an der Maschine, sondern die sind ab Werk vollkommen integriert mit einer einheitlichen Herstellergarantie.

Was kann ein intelligenter Bagger genau? Elles: Dieser Bagger hat keine Schweresensoren mehr am Ausleger und Stiel, sondern er hat Hubwegsensoren in den Kolbenstangen. Die Maschine bekommt Echtzeitinformationen – voll integriert, ohne außenliegende Kabel, ohne Beschädigungsrisiko. Dieses ermöglicht nur uns seit 2014 eine Halbautomatik im Bagger zu haben. Wenn der Maschinist eine Solloberfläche herstellen soll, erkennt die Maschine, wann der Löffel diese Solloberfläche durchdringen würde. Dann reagiert das System hydraulisch und bremst diese Bewegung und wenn der Baggerführer den Stiel heranzieht und eine Grabbewegung durchführen möchte, wird das System antizipieren, wann die Schneide unterhalb des Planums ankommt und es hebt sukzessive den Ausleger an, so dass ein perfektes Planum hergestellt wird.

Der Baggerführer gibt also nur ein, wie tief er graben will? Elles: Genau. Er muss eigentlich nur noch am Stiel ziehen – mit dem linken Joystick – damit bewegt sich der Löffel mit dem Stiel auf ihn zu, der Löffel wird halbautomatisch über das zuvor eingegebene Sollplanum geführt. Kein Fehlaushub wird geschehen.

Wie hoch ist die Nachfrage nach diesen intelligenten Maschinen? Wir haben mehr als 4.050 intelligente global im Einsatz.

So genau wissen Sie das? Elles: Ja – das weiß ich ziemlich genau. Vor zwei Wochen war das (lacht). Mittlerweile sind es ein paar mehr. Sagen wir: weltweit sind mehr als 4.500 Maschinen im Einsatz mit mehr als sechseinhalb Millionen Betriebsstunden. Das ist eine Erfahrung, die uns keiner mehr nehmen kann.

Wie viel teurer ist so eine Maschine im Verhältnis zu einer „normalen“? Elles: Das müssen Sie unsere Distributoren fragen. Wir bei Komatsu machen nicht die Preise in Deutschland.

Zum Vergleich dann: wie viele „normale“ Bagger sind weltweit im Einsatz? Das sind sicher deutlich mehr. Was ich sagen kann, ist: Mit unseren intelligenten Baggern haben wir in Deutschland eine hohe Marktdurchdringung bei unseren Komatsu-Baggern der 21-Tonnen-Klasse. Es gibt Länder, da werden von Komatsu hauptsächlich intelligente Raupen verkauft.

Womit hängt das zusammen? Elles: Wenn Sie Bauunternehmer wären, was interessiert sie dann? Die Profitabilität. Momentan sind solche Maschinen ein Marktvorteil. Die Kosten für Einzelkosten von Teilleistungen sind niedriger für die gleiche Arbeit. Man kann anders kalkulieren. Man kann günstigere Angebote abgeben, weil man schlicht und ergreifend weniger Kosten hat.

Weniger Personalkosten? Elles: Auch weniger Maschinenkosten und weniger Treibstoffkosten. Die gleiche Anwendung ist mit dieser Maschine günstiger durchführbar, was dazu führt, dass sie beim nächsten Auftrag günstiger anbieten können. Sie sind gleichzeitig schneller. Sie können mehr Projekte generieren. Damit können Sie dem demografischen Wandel entgegenwirken, indem Sie Mensch und Maschine besser nutzen. Der Maschinist ist entspannter bei seiner Arbeit. Er geht abends nach Hause und hat mehr geschafft. Der Besitzer der Maschine ist entspannter, weil sie profitabler ist.

Das ist die Lösung für die Problematik, die Sie am Anfang geschildert haben? Elles: Natürlich. Wir haben begrenztes Personal zur Verfügung. Umso vorteilhafter ist es, wenn man Maschinen hat, mit denen man die Produktivität im Baugewerbe erhöhen kann. Das ist doch der einzige Weg zum Erfolg. Ein weiteres Programm ist das Building Information Modelling. Das digitale Bauen, das 2020 in der Infrastruktur ankommt. Das heißt ab 2020 wird in öffentlichen Infrastrukturprojekten digital gearbeitet. So hat es auch Alexander Dobrindt formuliert.

Was bedeutet das für die Unternehmen? Elles: Das einzig nicht Digitale an der Digitalisierung ist, dass es ein fortdauernder Prozess ist. Der muss jetzt schon beginnen oder schon lange begonnen haben. Wer meint, dass er sich 2020 BIM „kauft“ – also von null auf eins geht, der wird überrascht sein. Immer mehr Firmen stellen sich auf diesen Wandel ein und vollziehen den auch. Die Großen sowieso, aber auch immer mehr kleinere Firmen. Sie werden gar nicht glauben, wie viele kleinere Firmen, also diejenigen, die unter 50 Mitarbeiter haben, sich mittlerweile intelligente Maschinen kaufen.

Herr Elles, vielen Dank für das Gespräch.

Susanne Frank

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