Onlineplattformen

Kai Ingmar Link,

Procore: Digitale Lösungen als Antwort

In einer Studie unter 200 deutschen Unternehmen hat Procore, Anbieter einer Baumanagement-Plattform, untersucht, wie digital die deutsche Baubranche ist. Die Ergebnisse hat Andreas Steyer, Product Marketing Manager Central Europe, Baugewerbe-Chefredakteur Kai Ingmar Link erklärt.

Andreas Steyer, Product Marketing Manager Central Europe. © Procore

Baugewerbe (BGW):

Gab es ein Schlüsselerlebnis zur Gründung von Procore?

Andreas Steyer:

Es gab ein Schlüsselerlebnis. Unser Gründer, Tooey Courtemanche, kommt selbst aus der Baubranche in Kalifornien, wechselte aber in die Tech-Industrie. Als er dann ein Haus für sich und seine Familie bauen wollte, hat er gemerkt: Die Branche ist überhaupt nicht produktiver geworden. Die Digitalisierung sei damals noch nicht in der Branche angekommen. Das war vor 21 Jahren der Grund für die Gründung. Seit rund sechs Jahren sind wir auch in internationalen Märkten aktiv. Seit 2022 endlich auch in Deutschland.

BGW:

Wie viele Unternehmen arbeiten momentan mit Procore?

Steyer:

Wir haben weltweit 15.000 Kunden. Aber da jeder Kunde beliebig viele Projektpartner auf Procore einladen kann, arbeiten noch viel mehr Unternehmen auf der Plattform. Insgesamt haben wir jährlich mehr als zwei Millionen Nutzer.

BGW:

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Welche Vorteile bietet Procore?

Steyer:

Procore bringt alle Beteiligten eines Bauprojekts auf einer gemeinsamen Plattform zusammen. Die Nutzerinnen und Nutzer können die gesamte projektbezogene Kommunikation umsetzen und das Aufgaben-, Mängel- und Dokumentenmanagement einheitlich steuern. So arbeiten alle Beteiligten effizient zusammen. Procore bietet einen umfassenden Service – von der Vorbereitung bis zur Durchführung des jeweiligen Vorhabens. Jeder der Projektbeteiligten hat stets Zugriff auf die wichtigen Informationen. Procore ist natürlich auch mobil: Dank der App sind alle Informationen auch auf der Baustelle verfügbar. Erkenntnisse vor Ort, zum Beispiel während der Baustellenbegehung, können gleich an das Projektteam im Büro weitergegeben werden.

BGW:

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Procore genau?

Steyer:

Ein Beteiligter, meistens der Generalunternehmer oder Bauherr, mietet Procore. Dieser lädt alle anderen Akteure ein. Das geht schon ab der Ausschreibung. Im Laufe des Projektfortschritts kommen immer mehr Beteiligte dazu. Sprich, auch die Subunternehmer. Jeder kann die Tools nutzen, die er braucht. Der Generalunternehmer hat auf ziemlich viel Zugriff. Etwa auf die kompletten Verträge oder den aktuellen Stand aller Arbeiten. Die Subunternehmer nur auf ihren Teil des Leistungsverzeichnisses. Wenn zum Beispiel der Subunternehmer eine Frage hat, stellt er sie einfach über die Plattform, und der richtige Projektpartner kann dort direkt antworten. Eine Begrenzung der Anzahl der Teilnehmer gibt es bei uns nicht. Man muss auch nicht für zusätzliche Nutzer zahlen.

Alle Bereiche der Plattform sind nahtlos miteinander vernetzt. Zum Beispiel werden bei Baustellenbegehungen anhand einer Checkliste alle wichtigen Aspekte abgehakt. Bei Abweichungen wird direkt eine Aufgabe erstellt. Die kann im Plan oder 3D-Modell vermerkt werden. Eventuell wird noch ein Foto hinterlegt. Die zuständigen Mitarbeitenden des jeweiligen Projektes erhalten dann die entsprechende Aufgabe. Und wenn dadurch zusätzliche Kosten entstehen, kann man diese direkt in der Budgetübersicht sehen.

BGW:

Können sich Unternehmen über Procore miteinander vernetzen?

Steyer:

In unserem Mutterland USA haben wir Procore schon dahingehend weiterentwickelt. Im Procore Construction Network kommen alle zusammen – hier können Projektpartner gefunden werden. Man kann auch Aufträge finden. Und Selbstmarketing betreiben. Das ist auch das Ziel für Deutschland.

BGW:

In Ihrer Studie fragen Sie nach dem Stand der Digitalisierung: Sind wir schon digital genug?

Steyer:

Zum Teil: 47 Prozent haben gesagt, sie seien gerade am Anfang der digitalen Transformation. 43 Prozent seien auf einem guten Weg, und 10 Prozent stellten fest, dass intern fast alles digital abläuft. Wir haben auch gefragt, welche Schlüsseltechnologien in den kommenden drei Jahren vorangetrieben werden sollen. Sprich BIM, 3D-Druck, Robotik, Drohnen, künstliche Intelligenz. Aber auch Telematik und Baumanagementplattformen. Interessanterweise wurden Technologien, die noch weiter in der Zukunft liegen, weniger genannt. Telematik und Baumanagementplattformen deutlich öfter – eben Technologien, bei denen sich die Unternehmen eine schnelle Effizienzsteigerung versprechen. Die Baubranche digitalisiert sich an Stellen, die in kurzer Zeit Erfolge versprechen.

BGW:

Vielen Dank für das Interview!

Dieses Interview erschien zuerst in Ausgabe 10_23.

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