Building Information Modeling

Thorsten Krauß und Jan-Oliver Meding,

Kein BIM ohne echte Partner

Building Information Modeling (BIM) kann als digitales Instrument erst dann seine Kraft entfalten, wenn es mit echter Partnerschaft am Bau verbunden ist. Denn das Fundament von BIM ist die frühzeitige Integration der Projektparteien in die Planungsphase. Damit dies gelingt, ist ein Kulturwandel nötig – ergänzt durch neue Vertragsformen.

Mit dem Einsatz von BIM könnten deutsche Bauunternehmer effizienter arbeiten. Vorbilder sind die Briten, Holländer und Australier, die partnerschaftliche Ansätze verfolgen. © MPP

Für den Großteil der Planer- und Baubranche in Deutschland ist BIM oft noch ein Buch mit sieben Siegeln. Wie die Bundesarchitektenkammer in ihrer im April 2018 veröffentlichten Mitgliederumfrage herausfand, haben gerade einmal neun Prozent der Architektur- und Planungsbüros auf eine BIM-Software und entsprechende neue Arbeitsprozesse umgestellt. Selbst im Falle aktiver BIM-Nutzung auf Planerseite profitieren nur wenige andere Projektbeteiligte: Gerade einmal 18 Prozent der Bauunternehmen und Projektsteuerer greifen innerhalb desselben Bauprojekts auf bestehende BIM-Modelle zurück. Der erhoffte Kulturwandel am Bau blieb bislang aus. BIM bleibt vorerst – wenn es überhaupt angewendet wird – in der Planer-Nische.

Kleine Firmen scheuen Kostenaufwand
Immerhin: Die Auffassung zu BIM unter deutschen Planern und Architekten ist mehrheitlich positiv. 73 Prozent glauben an sinkende Fehlerkosten dank BIM, wie eine Umfrage von BauInfoConsult aus dem Jahr 2017 ergab. 70 Prozent der aktiven BIM-Nutzer bestätigten dies. Ein zweiter Lichtblick: Nur 20 Prozent sehen verkrustete Strukturen der Rivalität am Bau oder Innovationsskepsis als bislang größten Hemmschuh. Die kleinteilige deutsche Planerbranche, bei der rund drei Viertel aus Ein-Mann-Betrieben besteht, scheut allen voran den Kostenaufwand. Pro Arbeitsplatz fallen hierbei inklusive notwendiger Schulungen rund 10.000 bis 15.000 Euro an. Ein Hindernis, das beispielsweise durch KfW-Kredite oder andere gezielte Fördermaßnahmen durchaus überwunden werden könnte.

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Rechtliche Strukturen überholt
Eine größere Hürde für die flächendeckende BIM-Einführung ist vielmehr die politisch gewollte strikte Trennung zwischen Planung und Ausführung. Die von der Bundesregierung eingesetzte „Reformkommission Bundesbau“ bezeichnete noch im April 2016 die Trennung als „traditionelles Grundprinzip in Deutschland“. Entsprechend sieht die Vergabeordnung (VOB) für öffentliche Bauaufträge keine partnerschaftlichen Projektabwicklungen vor. Dem privaten Sektor ist die Bauver gabe zwar freigestellt, doch die Orientierung an der Öffentlichen Hand ist in Deutschland stark. Die Folgen sind jedes Jahr spürbar – nicht nur bei Großprojekten in der medialen Öffentlichkeit. Für 2016 ermittelte BauInfoConsult auf der Basis von Umfragen und Hochrechnungen Kosten für Baufehler in Höhe von 13,4 Milliarden Euro, die den Säckel der Bauherren zusätzlich belasteten.

Thorsten Krauß ist CEO der UNDKRAUSS Bauaktiengesellschaft. © Joseph Fischnaller

BIM könnte nun als digitales Instrument verstanden werden, um sowohl neue Prozesse als auch neue Vertragsformen einzuführen. Tatsächlich fokussiert sich die juristische Diskussion aktuell auf eine Integration von BIM in die althergebrachte Struktur der Interessensgegensätze. Der Bauunternehmer kann sich in dieser Hinsicht seine Beratungsleistung in der Planung nach Zeitaufwand vergüten lassen. Seine Expertise kann er beispielsweise im Hinblick auf Lieferbedingungen, Preisvergleichen, Baulogistik oder Material alternativen einbringen. Die nachfolgende Bauausführung auf Basis des 3D-BIM-Modells erfolgt nach Einheitspreis oder Cost-and-Fee-Kompensationen. Für die eigentliche Planungsleistung des Architekten, so die Empfehlung der Rechtsexperten, sollte ein Anhang zum Planervertrag geschlossen werden, inklusive Abrechnung gemäß besonderer Leistungen in der HOAI-Leistungsphase 2. Da bei einem einzigen BIMModell die Verantwortlichkeiten schwer nachzuvollziehen sind, lautet eine weitere Empfehlung an den Bauherren, Generalplaner oder eine Bau-Arbeitsgemeinschaft (ARGE) zu beauftragen.

Das Ausland macht es vor
Damit ist ein erster Schritt zur Bündelung von Kompetenzen und kooperativen Ansätzen getan. Doch es ist noch mehr möglich. Für BIM bieten sich im Ausland praktizierte Bauabwicklungsformen an, die unter dem Oberbegriff „Partnerschaftliches Bauen“ zusammengefasst werden können. Ein bemerkenswertes Beispiel stellt das australische „Project Alliance“ dar, bei dem ein einziger Mehrparteienvertrag zwischen Bauherrn, Planern, Architekten und Bauunternehmen geschlossen wird. Erstmalig kam dieses Modell schon Ende der 80er Jahre beim Bau von Bohrinseln zur Anwendung, wobei die anvisierten Kosten um 22 Prozent niedriger ausfielen und das Projekt sechs Monate früher abgeschlossen war. Multi-Risk-Versicherungen, ein Klage- und Nachtragsverzicht sowie die vertraglich fixierte Kostentransparenz (Open Book) zählen zu den Komponenten. In Australien realisiert die Öffentliche Hand mittlerweile jedes dritte Bauprojekt per „Project Alliance“.

Jan-Oliver Meding ist Geschäftsführender Gesellschafter der MPP Meding Plan + Projekt GmbH. © MPP

Partnerschaftlicher Ansatz für komplexe Bauprozesse
Einen ebenfalls partnerschaftlichen Ansatz verfolgen die angelsächsische Variante „Design & Build“ oder das niederländische Bauteamverfahren. Diese sehen nicht zwangsläufig ein singuläres Vertragsverhältnis vor, umfassen aber ebenso Projektteams aus Planern und Ausführenden, die sich in der ersten Planungsphase mit dem Bauherrn gemeinsam besprechen. Dabei kann in diesem frühen Stadium bereits eine Kostensicherheit von 90 bis 95 Prozent erreicht werden. Was partnerschaftliche Bauabwicklung und BIM ferner verbindet, ist die Projektgröße: Erst für komplexe Vorhaben ab fünf Millionen Euro Projektvolumen können beide Innovationen ihre volle Wirkkraft entfalten. Denn geringfügige Einzelprojekte umfassen zum einen weniger Projektbeteiligte, zum anderen sind sie individueller gestaltet. Die gemeinsam erhobenen Daten des BIM-Modells sind hingegen nicht nur Fundament für mehr Standards in der Gebäudeplanung, sondern werden auch noch im Gebäudebetrieb benutzt.

Fazit
BIM ist und bleibt zweifellos der Hauptantreiber für einen Effizienzsprung im deutschen Bauwesen. Seine Wirkung kann es aber nur entfalten, wenn mit BIM ein echter Kulturwandel verbunden ist – von der Konfrontation zur Kooperation. Neue Prozesse und neue rechtliche Rahmen gilt es hierfür zu schaffen. Das angelsächsische Ausland macht es bereits seit einigen Jahrzehnten vor. Das deutsche Baugewerbe sollte rasch reagieren, um nicht seine Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

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