Baumaschineninstandhaltung

Prof. Dr-Ing. Günther Pawellek,

Besser warten

Wissensbasierte Instandhaltung von Baumaschinen. Wenn Baumaschinen ausfallen, kann das teuer werden, je nachdem wie lange es dauert, bis der Schaden behoben wird. Das Hamburger Forschungsinstitut für Logistik (FIL) entwickelt Methoden und Tools, die Unternehmen dabei unterstützen, den Prozess der Instandhaltung zu optimieren.

© fotolia – fotomek

Mit der DIN EN ISO 9001 wird von Unternehmen verstärkt die Betrachtung von Risiken in QM-bezogenen Prozessen verlangt. Man kann daher davon ausgehen, dass Instandhaltungsprozesse im Baugewerbe weiter an Bedeutung gewinnen werden.

Bei der Planung und Überwachung der Instandhaltungsstrategie eines Unternehmens, einer Anlage oder einer Komponente sind eine Vielzahl von Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Dazu gehören das Ausfallrisiko von Anlagen und Komponenten, die Instandhaltungsprozesse, das technische Controlling, die Instandhaltungsorganisation, die Beschaffung, Lagerung und Bereitstellung der Ersatzteile sowie die Qualifikation der Mitarbeiter und Führungskräfte. Um Entscheidungen über bestehende Prozesse oder alternative Instandhaltungs- und Logistikstrategien treffen zu können, müssen alternative Maßnahmen erarbeitet und miteinander verglichen werden.

IT-System unterstützt Entscheidungsprozess
Für diese Anforderungen wurde vom FIL in Zusammenarbeit mit der TU Hamburg ein Entscheidungsunterstützungssystem entwickelt, das ein situatives flexibles Planungs vorgehen für die unterschiedlichsten Problemstellungen erlaubt. Die Instandhaltungsmitarbeiter werden bei ihren Analyse- und Optimierungsaufgaben bezüglich der jeweils anzuwendenden Methoden und Tools unter Berücksichtigung der Abhängigkeiten zwischen Instandhaltung und Ersatzteillogistik unterstützt. Dabei steht immer das Gesamtoptimum im Fokus. Die Methoden und Tools werden in das vom FIL entwickelte und im Internet frei zugängliche Methodenportal schrittweise integriert. Die firmenspezifische Meport-Version kann z. B. der Geschäftsprozessunterstützung im Sinne des „Ganzheitlichen Produktionssystems“ dienen. „Durch Methodenschulung, Wiederverwendung von Methodenbausteinen und Beispielprojekte können die Mitarbeiter und Führungskräfte wesentlich schneller und mit höherer Qualität ihre Wartungs- und Instandhaltungsprozesse analysieren, bewerten und optimieren“, erläutert Dipl.-Ing. Ingo Martens, Leiter Anlagenwirtschaft im FIL.

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Das DIS-Tool arbeitet „wissensbasiert“ in Abhängigkeit des vorhandenen Zustandswissens über die Baumaschinen und Anlagen. DIS steht für „Differenzierung von Instandhaltungsstrategien“. Durch eine hierarchisch aufgebaute Bewertungssystematik erfolgt die Unterstützung bei der Entscheidungsfindung. Der Entscheidungsweg wird in einer Datenbank hinterlegt und ist bei späteren Störungsfällen nachvollziehbar. © FIL Forschungsinstitut für Logistik

Wissensbasierte Instandhaltung
Das DIS-Tools zur „Differenzierung von Instandhaltungsstrategien“ unterstützt bei der baugruppenbezogenen Auswahl von Instandhaltungsstrategien, wie z. B. störungsbedingte, zeitbezogene, operative und zustandsabhängige Instandhaltung. DIS arbeitet „wissensbasiert“ in Abhängigkeit des vorhandenen Zustandswissens über die Baumaschinen und Anlagen. Durch eine hierarchisch aufgebaute Bewertungssystematik erfolgt die Unterstützung bei der Entscheidungsfindung. Der Entscheidungsweg wird in einer Datenbank hinterlegt und ist bei späteren Störungsfällen nachvollziehbar.

Mobile Instandhaltung
Im laufenden Betrieb ist die Verfügbarkeit der Maschinen und Anlagen ein wichtiger Produktionsfaktor. Es treten jedoch immer wieder ungeplante Störungen auf, die die reibungslose Produktion gefährden können. Dann werden Instandhaltungsaufträge generiert, die sehr zahlreich und in verschiedenen Prioritäten vorliegen können. Bei vielen neuen und aktiven Instandhaltungsaufträgen kann dieses den Disponenten schnell überfordern. Ziel der mobilen Instandhaltung ist die schnelle Erfassung und Abarbeitung der Instandhaltungsaufträge, d. h. einfache Erfassung von Störungen, schnelle Auslösung der Aufträge, Entlastung der Disposition, Steuerung der einzelnen Instandhalter und Dokumentation der Aktivitäten.

© FIL Forschungsinstitut für Logistik

Störungen mit System abarbeiten
Um dieses Ziel zu erreichen, wurde vom FIL gemeinsam mit der EDV-Abteilung der TU Hamburg ein Online Störungsmanagement (OSM) entwickelt, das Störungen vor Ort mit mobilen Standard-Geräten (z.B. Smartphone, Tablet-PC) erfassen kann. Die sofortige Weiterleitung der Aufträge an die internen und externen Stellen, wie z.B. Mechanik, Elektrik oder technische Dienstleister, erfolgt unter Zuhilfenahme der Warteschlangentheorie.

Das vom FIL neu entwickelte OSM- System basiert auf einer Open-Source-Software. Lediglich ein überschaubarer Kapazitätsaufwand für die Anpassung an die jeweilige Organisation und Implementierung fallen an. Auch die Verbindung mit den verschiedensten analogen und digitalen Mess-Sensoren (wie z. B. IR, Lichtschranken, Feuchte-Drucksensoren, Photowiderstand, Ultraschall) ist möglich. „Damit ist OSM erstmals auch für kleinere und mittlere Unternehmen eine Lösung, um das Störungsmanagement auch bei Integration entsprechender externer Dienstleister effizient und transparent zu steigern“, so Dipl.-Wirtsch.-Ing. Andreas Schramm, Leiter der Unternehmenslogistik im FIL.


Über das FIL
Das FIL ist eine Einrichtung der Hamburger Forschungsgemeinschaft für Logistik e.V., deren Aufgabe die Förderung der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis ist. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Technische Logistik der Technischen Universität Hamburg und der GfU Gesellschaft für Unternehmenslogistik mbH werden innovative Methoden und Tools zur effizienten Planung der Instandhaltung und wirtschaftlichen Betriebsführung von Maschinen und Anlagen verschiedenster Branchen entwickelt. Näheres über den Arbeitskreis Integrierte Instandhaltung und Ersatzteillogistik findet man unter www.ak-inst.fglnet.de

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