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Artikel und Hintergründe zum Thema

IT am Bau

Barockfassade, BIM und ein Roboterkollege

Was haben Steinmetzarbeiten an Schlössern und Software zur Mengenermittlung und Abrechnung gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Aber bei den umfangreichen Natursteinarbeiten am Berliner Schloss schon. Dort setzte die Dresdner Schubert Steinmetz- und Steinbildhauer GmbH das Programm MWM-Libero zwecks Mengenermittlung und Abrechnung seiner erbrachten Leistungen an der Natursteinfassade ein.

BIM-Leuchtturmprojekt in Berlin
BIM-Leuchtturmprojekt in Berlin: Die Steinmetzarbeiten am Berliner Schloss wurden mit Hilfe der Software MWM-Libero exakt abgerechnet. Die Daten der Figuren können direkt vor Ort eingegeben werden. Fotos: MWM

Einer von sechs Meistern und Steintechnikern der Schubert Steinmetz- und Steinbildhauer GmbH auf der Berliner Baustelle ist Jan Leistner. Das Unternehmen beschäftigt 25 Mitarbeiter und war an zahlreichen renommierten Natursteinprojekten wie der Universitätsbibliothek in Leipzig, den Fassaden des Dresdener Landgerichtes und am Schweriner Schloss beteiligt. Allerdings ist einer der Kollegen von Jan Leistner kein Mensch, sondern ein Roboter. Dieser unterstützt die Firma Schubert – gefüttert mit 3D-Daten aus dem Computer. Der Roboter erstellt vorgefräste Rohlinge, die von Steinmetzen und Bildhauern fertiggestellt werden. Die groben Tätigkeiten macht der Roboter, die filigrane Kleinstarbeit der Mensch.

Der Umfang der Natursteinarbeiten am Schloss ist gigantisch. Rekonstruiert werden drei Außenfassaden und die Kuppel. Über 8.000 Kubikmeter Sandstein wurden für die drei historischen Barockfassaden verarbeitet. Neben 3.000 Schmuckelementen sind dies auch Fensterstürze, Säulen und Unterzüge. Für diese Arbeiten sind Kosten von 105 Millionen Euro veranschlagt.

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Das Berliner Schloss – eine gigantische Baustelle

Steintechniker Jan Leistner
Steintechniker Jan Leistner am Berliner Schloss: Er freut sich, dass ihm die IT die Abrechnungsarbeiten erleichtert.

Bauherrin war die Stiftung „Förderverein Berliner Schloss e.V.“ und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung war für das Baumanagement zuständig. Es vergab im Auftrag der Bauherrin die Bauleistungen wie die historischen Fassadenarbeiten losweise. Im Rahmen der Ausschreibungen haben die Dresdner Steinmetze mehrere Aufträge erhalten. Unter anderem arbeiten sie am Außenportal II der Südfassade. Damit die Arbeiten an diesem gigantischen Projekt optimal vonstatten gehen, sei laut Jan Leistner ein filigranes Zusammenspiel aller Beteiligten – Meister, Poliere, Programmierer, Maschinisten, Steinmetze – notwendig.

Auf die am Außenportal errichteten vier Säulenbasen werden 14 Meter hohe Kolossalsäulen, die jeweils 56 Tonnen auf die Waage bringen, aufgestellt. Der Durchmesser einer Säule – sie besteht aus acht Teilen, Säulentrommeln genannt – beträgt 1,47 Meter. Das verarbeitete Material gewinnen die Steinmetze aus sächsischen Steinbrüchen. Sven Schubert beschäftigt einen eigenen Geologen und arbeitet mit einer auf den Transport von Natursteinen spezialisierten Spedition zusammen. Diese bringt just-in-time die vorgefertigten Elemente von Dresden auf die Baustelle.

Die bildhauerischen Arbeiten der Dresdner sind überaus detailgetreu und mit großer Präzision nach den alten Vorlagen gestaltet. Dabei ist zu bedenken, dass der Betrachter diese Meisterleistung später kaum würdigen kann, denn sie ist in über 21 Metern Höhe an der Außenfassade angebracht. Nicht selbstverständlich für eine solche Großbaustelle sind laut Jan Leistner die hervorragenden Planungsunterlagen und die perfekte Logistik. Die Ausführungszeichnungen für die anspruchsvollen Natursteinarbeiten der historischen Barockfassade können daher für die Abrechnung als Grundlage dienen.

Säule, Quader, Löwe, Adler – abgerechnet wird zum Schluss

Allerdings müssen die Leistungen der Steinmetzfirmen auch abgerechnet werden. Grundlage dafür ist die VOB Teil C Natursteinarbeiten. Die Abrechnungsbasis für das BIM-Leuchtturmprojekt sind die Regelungen für die Elektronische Bauabrechnung REB 23.003. Diese beschreiben die Berechnungsmethoden und Methoden zum Austausch von Daten zur Mengenermittlung. Dazu erhält die Firma Schubert die Leistungsverzeichnisse als GAEB-Datei vom Vertreter des Bauherren, dem BBR. In diese werden die einzelnen Aufmaße den Positionen entsprechend eingegeben und die abzurechnenden Leistung oder die Mengenermittlung anschließend als DA11-Datei mit den Rechnungen übertragen.

Über das Berliner Schloss

Das Berliner Schloss wurde 1443 als Hohenzollernresidenz gegründet. 1950 beschloss die SED das im Zweiten Weltkrieg zum größten Teil ausgebrannte Bauwerk zu beseitigen. An der Stelle entstand 1973 der Palast der Republik, der zwischen 2006 und 2009 abgerissen wurde. Unter Verwendung rekonstruierter wesentlicher Fassaden- und Gebäudeteile des ehemaligen Berliner Stadtschlosses wird seit der Grundsteinlegung am 12. Juni 2013 an ursprünglicher Stelle ein Neubau errichtet. Der Wiederaufbau der barocken Fassaden wird durch private Spendengelder finanziert. Nach der Fertigstellung soll der Gebäudekomplex das künftige Humboldtforum beherbergen. Die Eröffnung ist für den 14. September 2019 geplant. Das Stadtschloss soll mit außereuropäischen Sammlungen und Ausstellungen sowie als Veranstaltungsort die Berliner Museumsinsel ergänzen.

Dazu setzt Jan Leistner auf der Baustelle das Programm MWM-Libero des Bonner Softwarehauses MWM Software & Beratung GmbH ein. Die Abrechnung der komplexen Baukörper wie Figuren, Löwen, Adler etc. erfolgt pro Stück, die entsprechende Anzahl der Position trägt der Steinmetz ins LV ein. Für die anderen Elemente wie Säulen, Quader aber auch Mauerwerksarbeiten und Abdichtungsarbeiten überträgt er die Werte aus den Zeichnungen in MWM-Libero. Kann er die Informationen aus der Zeichnung nicht entnehmen wie zum Beispiel bei komplizierten aufwändigen Anschlüssen, misst Leistner die Positionen per Hand auf.

Dokumentation der Leistungen inklusive Foto

Der Einsatz der Software vor Ort bringt viele Vorteile, denn es können Unklarheiten direkt auf der Baustelle beseitigt und mit Fotos dokumentiert werden. Auch können die Beteiligten komplexe Sachverhalte, die aus der Zeichnung nicht ersichtlich sind, vor Ort betrachten und somit nachvollziehen. Neben der einfachen Erfassung der Mengen dienen Fotos, die Leistner von den Elementen macht, zur Dokumentation für den Ausführenden und den Prüfer. Darüber hinaus stellt das Austauschformat DA 11 eine enorme Erleichterung für die Prüfung von Baumaßnahmen dar, da eine manuelle Prüfung der Berechnung, wie zum Beispiel das Nachrechnen des Aufmaßes mit dem Taschenrechner, damit entfallen kann.

Für Jan Leistner ist die Software ein großer Gewinn: „Ich gebe die Maße am Laptop ein, drucke dann das Aufmaß im Baubüro aus, das mir der Auftraggeber unterschreibt. Ich habe die Daten sofort in meiner Mengenermittlung drin und muss diese nicht noch einmal zusätzlich in irgendein Programm eingeben. Darüber hinaus hat man immer ein Leistungsverzeichnis mit Langtexten zur Verfügung.“ Das bedeutet eine Fehlerminimierung sowie eine Zeitersparnis im Gegensatz zur herkömmlichen Methode. Zwecks Erstellung der Schlussrechnung schickt Leistner die Daten dann per DA 11 in die hausinterne Software zur Abrechnung.

Fazit: Eine Reise zum Berliner Schloss lohnt sich auf jeden Fall, spannt das Bauwerk doch einen Bogen von der spätmittelalterlichen handwerklichen Baukunst zum heutigen digitalen BIM-Zeitalter. Und MWM-Libero ist Teil davon.

Heike Blödorn

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