IT am Bau

„Autonomie wird nicht alles sein“

Im Rahmen der Presseveranstaltung von Caterpillar im vergangenen Oktober stellte der neue Digitalchef Fred Rio eine App vor, die Bauunternehmern im Straßenbau hilft, ihre Logistikströme besser zu überwachen und dadurch Prozesse zu verbessern. Im Interview mit Baugewerbe Unternehmermagazin erläutert Rio, wie es zur Entwicklung der App kam und warum die Kunden nach autonomen Maschinen verlangen

Herr Rio, erzählen Sie uns kurz etwas zu Ihrem Hintergrund. Sie sind seit zwei Monaten Director of Digital Technologies von Caterpillar und waren zuvor lange als „Chief Engineer“ in der Paving Division von Caterpillar, also der Abteilung für Straßenbau, tätig.

Die neu entwickelte App
Die neu entwickelte App verfolgt den Weg der Lkw und damit den Asphalt. So können Prozesse auf der Baustelle und entlang der Supply Chain optimiert werden.
Fred Rio:

Richtig, ich war 20 Jahre lang im Bereich Asphalt-/Straßenbelag tätig. Am Anfang als Ingenieur für Systeme und Maschinen. Danach habe ich in der Produktentwicklung gearbeitet, später als Sales Manager für Caterpillar und als Gebietsleiter. Ich bringe also 10 Jahre Technikerfahrung mit und 10 Jahre Erfahrung im Marketing.

Sie haben im Rahmen der Presseveranstaltung eine neue App vorgestellt. Erzählen Sie uns kurz, was diese App kann.

Fred Rio:
Fred Rio
Fred Rio - Alle Fotos: Susanne Frank

Die App dient dazu, den Weg des Asphalts nachzuverfolgen – vom Produktionsstandort bis zur Anlieferung an der Baustelle beim Straßenfertiger. Der Asphalt wird per Lkw transportiert und wir tracken die Lkw. Aber unser Fokus liegt nicht auf den Trucks, sondern auf dem Asphalt. Die App hilft den Kunden, ihre Logistik besser zu organisieren.

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Können Sie das etwas genauer erläutern? Fred Rio: Der Kunde stellt sich folgende Fragen: Produziere ich die richtige Menge an Asphalt, belade ich die Lkw im richtigen Takt und der richtigen Frequenz? Wie nah aufeinander folgen die Lkw? Dauert es 15 oder 18 Minuten bis der nächste Truck kommt. Gibt es Verkehrsprobleme? Brauche ich mehr Lkw? Arbeite ich am Straßenbelag in genau der Schnelligkeit, in der die nächste Lieferung ankommt? Wenn man zu langsam arbeitet, stauen sich die Lkw an der Baustelle. Also die Idee hinter der App ist es, die ganze Supply Chain zu optimieren und damit den Arbeitsprozess. Heute können das die Kunden noch nicht, weil es kein System gibt, mit dem man das alles überblicken kann.

Wer ist die Zielgruppe für diese App? Soll sie vom Bauarbeiter selbst genutzt werden oder vom Bauleiter? Fred Rio: Wir arbeiten an mehreren Versionen der App. Jede Version soll speziell für unterschiedliche Zielgruppen angepasst werden. Das, was wir jetzt vorstellen, ist eine breit angelegte Version. Sie kann von der Person genutzt werden, die mehr Asphalt ordern muss, die wissen will, ob man mehr Lkw anfordern muss. Als Bauaufseher will man wissen: gab es Lkw, die Probleme hatten zum Beispiel eine Reifenpanne, so dass Gefahr besteht, dass der Asphalt kalt wird. Wenn man der Vorarbeiter ist, will man wissen, wie der Fortschritt auf der Baustelle ist. Wenn man der Bauarbeiter ist, will man wissen, ob man in der richtigen Geschwindigkeit den Asphalt aufträgt. Die App ist also hilfreich für verschiedene Personengruppen.

Wann wird die App verfügbar sein?

Fred Rio:

Wir haben momentan mehrere Kunden, die die App evaluieren. In den USA wird die App im Dezember in den Markt eingeführt. Danach planen wir die Übersetzungen, so dass wir sie etwa Mitte 2018 unseren europäischen Kunden anbieten können.

Caterpillar
Bei Caterpillar arbeitet man an digitalen Lösungen, die Mensch und Maschine vernetzen.

Sie haben bei ihrer Präsentation einige Zeichnungen gezeigt ähnlich wie bei einem Comicbook. Was war die Idee dahinter, das so aufzubereiten? Fred Rio: Normalerweise entwickelt man als Ingenieur eine technische Lösung und sucht dann das Problem dazu. Wir wollten es anders machen und fragten nach den Problemen unserer Kunden und fragten uns dann, mit welcher Technologie lassen sich diese Probleme lösen? Wir fanden heraus – der größte Schmerzpunkt bei den Kunden waren die Lkw. Und unser Ziel war es, eine Lösung zu kreieren, die sehr anwenderfreundlich ist. Daher haben wir mit professionellen App-Designern zusammen die App entwickelt.

Sie sprachen in Ihrer Präsentation vom „heiligen Gral der Autonomie“. Was meinten Sie damit? Sehen Sie es als Ziel, dass eines Tages alle Maschinen auf der Baustelle autonom agieren werden?

Fred Rio:

Diese Redewendung stammt nicht von uns, sondern von unseren Kunden. Baustellen, an denen der Straßenbelag erneuert wird, sind sehr gefährlich – Arbeiter laufen auf und ab, der Verkehr fährt außen herum – es gibt Passanten. Die Verantwortlichen würden gerne aus Sicherheitsgründen so viele Personen wie möglich eliminieren. Wenn die Maschine autonom ist, dann wird bei einem Unfall niemand verletzt. Es wird niemals eine Baustelle ohne Menschen geben, aber man kann sie etwas weiter „wegstellen“. Wenn die Menschen die autonomen Maschinen nur noch monitoren und überwachen, dann wird der Prozess sicherer und produktiver, als wenn sie auf den Maschinen selbst säßen.

Was antworten sie Kunden, die sich voll-autonome Maschinen wünschen? Werden doch in fünf Jahren auf Baustellen nur noch „herrenlose“ Maschinen tätig sein? Fred Rio: Um volle Autonomie zu erreichen, muss man Schritt für Schritt vorgehen. Autonomie wird nicht alles sein. Die Abteilung, die sich bei Caterpillar darum kümmert heißt Jobsite automation, und nicht Jobsite autonomy. Wir wollen sehr pragmatisch vorgehen und Lösungen kreieren, die wichtig für unsere Kunden sind.

Entwicklung der App
Am Anfang der Entwicklung der App stand die Auseinandersetzung mit den Problemen der Kunden auf der Baustelle.

Was also vorstellbar ist, dass der Mitarbeiter den Asphaltfertiger nicht von der Maschine aus steuert, sondern von der Seite aus? Fred Rio: Wir bei Caterpillar arbeiten an Lösungen wie Cat Command. Den remote controll Bulldozer kann man heute schon bestellen. Die werden dann an Gefällen eingesetzt, wo das Risiko sehr groß ist oder in Gießereien, wo die Umgebung gefährlich ist.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Rio.

Susanne Frank

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