Exklusiv in Baugewerbe

Marvin Meyke,

„Natürlich gibt es auch Vorbehalte in der Branche“

Im Interview mit Baugewerbe-Redakteur Marvin Meyke spricht Alexander Höss, Geschäftsführer Digando über moderne Baumaschinenmiete – und darüber, welche Herausforderungen digitale Prozesse mit sich bringen.

© Digando

Baugewerbe: Digando bietet seinen Echtzeitservice nun ja auch über seine Partner flächendeckend in Süddeutschland und NRW an. Was waren die Herausforderungen bei der Expansion?

Alexander Höss: In einen neuen Markt einzutreten ist immer eine große Herausforderung. Mit Digando haben wir in Österreich mit den Marktführern in der Baumaschinenvermietung Kooperationen geschlossen und so sehr rasch flächendeckend ein Angebot aufgestellt. Das ist in Deutschland nicht so einfach. Allerdings haben wir bereits mit großen Vermietern in weiten Teilen des Landes Partnerschaften besiegelt und sind schon mit 15 Mietstationen online. Diese Zahl können wir innert weniger Tage nun verdoppeln, bis Jahresende streben wir ein flächendeckendes Partnernetzwerk an.

BGW: Was haben Sie daraus gelernt?

Höss: Es gibt regional große Unterschiede bzgl. der Akzeptanz von digitalen Lösungen, aber auch generell ist die Baumaschinenmiete nicht überall gleich populär. So sehen wir z. B. in Süddeutschland derzeit eine größere Nachfrage nach unserem Service als in anderen Regionen, obwohl wir dort noch nicht so gut aufgestellt sind wie in NRW. Auf diesen Kennzahlen setzen wir aber unsere Marketing- und Vertriebstätigkeiten auf und akquirieren gezielt im Sinne unseres bestehenden Partnernetzwerks.

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BGW: Digitalisierung ist auch in der Baubranche ein wichtiges wie mitunter auch allgegenwärtiges Thema geworden, wie versuchen Sie sich vom Wettbewerb abzugrenzen? Was sind Ihre USP?

Höss: Wir haben sowohl technische Alleinstellungsmerkmale, aber auch ein anderes Geschäftsmodell. Wir sehen uns weniger als Plattform, sondern vielmehr als Marktplatz. Der große Unterschied dabei ist, dass wir mit Digando Digitalisierungspartner der Branche sind und weniger im Vordergrund stehen. Wichtig ist für unsere Kunden, dass weiterhin die direkte Geschäftsbeziehung zwischen Vermieter und Mieter der Baumaschinen existieren. Wir kümmern uns um die digitale Abwicklung und um viele anderen Details. Damit wir aber die Kosten dafür gering halten können, haben wir einen extrem hohen Digitalisierungsgrad erreicht. Über intelligente Schnittstellen erhalten wir Maschinen und Verfügbarkeitsinformationen in Echtzeit und können daher den Marktplatz in einer bisher nicht dagewesenen Datenqualität bespielen. So stellen wir auch sicher, dass eine echte Online-Buchung möglich ist und der Mietvertrag mit dem digitalen Abschluss der Buchung automatisiert erstellt wird. So sparen wir Zeit beim Vermieter als auch bei den Bauunternehmen, und die Nutzer ersparen sich hohe Investitionen in eigene Lösungen.

BGW: Was kann nur Digando?

Höss: Ein Geschäftsmodell, bei dem wir aus den Kunden echte Partner machen und die Digitalisierung gemeinsam vorantreiben, macht uns einzigartig. Oft sehen wir bei einer Erstpräsentation skeptische Gesichter, da man vorrangig an marktbeherrschende Plattformen wie Amazon, Uber und Co denkt. Dass aber Digitalisierung auch gemeinsam auf Augenhöhe zu fairen Konditionen vorangetrieben werden kann, daran denken zuerst die wenigsten. Uns freut es natürlich, dass wir fast alle unserer Präsentationstermine positiv abschließen und die wichtigen Branchenteilnehmer von Digando überzeugen können. So auch Partner wie Hans Warner oder Kreitz & Ostermann, die den Verlauf in Österreich beobachtet haben und mit uns in NRW dann gestartet sind.

BGW: Der Anspruch, Prozesse anders (digitaler) zu gestalten, kann auch auf Vorbehalte treffen, beispielsweise von Traditionalisten. Wie gehen Sie mit diesen „Das haben wir aber noch nie so gemacht“ um?

Höss: Natürlich gibt es auch Vorbehalte in der Branche, keine Frage. Und Veränderungen sind auch nicht immer jedermanns Sache. Derzeit ist der Marktanteil digital abgewickelter Transaktionen im Verhältnis zum Gesamtmarkt auch noch sehr klein, wächst aber stetig. Trotzdem sehen viele Baumaschinenvermieter auch, dass eigene Lösungen in diesem Bereich niemals gewinnbringend funktionieren können. Dafür sind die Kosten für (Weiter-)Entwicklung, Betrieb und Vermarktung einfach zu hoch. Somit bleibt eigentlich nur mehr die Auswahl aus den bestehenden Anbietern, falls man die Zukunft nicht weiterhin beim Telefon sieht. Und da punktet Digando mit dem Marktplatzgedanken, der jeden Anbieter gleichberechtigt auf der Plattform darstellt, mit Unternehmenspräsentation und allen Produkten dazu.

BGW: Hat die Pandemie Ihr Geschäft schwieriger gemacht?

Höss: Das Geschäft an sich nicht, aber der Aufbau eines Unternehmens an sich ist eine größere Herausforderung. Gerade wenn man sich ein Netzwerk aufbauen möchte, spielen Messen und Events sowie persönliche Besuche eine große Rolle. Und da wurden wir schon etwas gebremst, da oft Termine abgesagt oder verschoben werden mussten. Aber damit muss man eben klarkommen und wenn man es in herausfordernden Zeiten schafft, dann wird es danach nur leichter.

BGW: Welche Ziele wollen Sie 2022 noch erreichen? Unternehmensseitig – und produktseitig?

Höss: Wir möchten bis Ende 2022 in ganz Deutschland ein flächendeckendes Angebot in den wichtigsten Produktkategorien anbieten können, und da sind wir auf einem guten Weg. Außerdem verbreitern wir auch laufend unser Portfolio, mobile Räume und viele kleinere Maschinen und Geräte für die Baustelle werden gerade hinzugefügt. Das Team dazu werden wir dementsprechend ausbauen, sowohl intern wie auch im Vertrieb. Generell setzen wir aber nicht auf explosionsartiges Wachstum, sondern wachsen organisch und solide.

BGW: Welche längerfristigen Ziele haben Sie sich gesetzt? Wo soll Digando in fünf Jahren stehen?

Höss: Mit Deutschland und Österreich haben wir jetzt doch noch etwas Arbeit, bis wir unsere Ziele erreicht haben. Wir haben aber auch aus anderen Ländern bereits Anfragen zu weiteren Markteintritten. Aus derzeitiger Sicht wird als nächster logischer Schritt die Schweiz folgen. Wir passen aber diese Pläne auch immer wieder an die Bedürfnisse unserer bestehenden Partner an. So sind wir auch z. B. gleich zu Beginn mit Kuhn Baumaschinen in Deutschland gestartet, in Österreich arbeiten wir auch schon länger zusammen.

Der Beitrag erschien in Baugewerbe 4/22.

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