Exklusiv-Interview

Martin Schrüfer,

„Fachkräftemangel ist das größte Problem“

Mit einer innovativen Cloud-Plattform will das Softwareunternehmen Talentsoft Unternehmen der Bau- und Bauzulieferindustrie dabei unterstützen, Personal zu managen und einzustellen sowie Schulungen und Lernmaterialien zu erstellen, um nur einige Aspekte des Portfolios zu nennen. Baugewerbe sprach mit Elton Schwerzel, Geschäftsführer DACH bei Talentsoft, über sein Angebot und die Bedürfnisse der Branche.

© Talentsoft

Baugewerbe: Wieso ist HR-Software in Ihren Augen der Grundstein für ein effektives Personalmanagement?
Elton Schwerzel: Wenn Sie einen Geschäftsführer fragen, wie viele Mitarbeiter er in der DACH­­Region hat, schätzen die meisten – je nach Unternehmensgröße – zwischen 100 und 150 oder zwischen 1.000 und 1.500. Die Frage nach der genauen ­Mit­arbeiterzahl können also die wenigsten exakt beantworten. In der Baubranche ist die Lage aufgrund der regionalen oder dezentralen Aspekte noch schwieriger. Hinzu gesellen sich Fragen, wie viele Leute wo im Einsatz sind und welcher Mit­arbeiter über welche Fähigkeiten verfügt. In vielen mittelständischen Unternehmen gibt es dazu keine Datenbanken. Meinem Team und mir wurde beim Bearbeiten unserer Kundenprojekte schnell klar, dass in der Baubranche viele Unternehmen das Thema HR-Transformation bzw. Digitalisierung noch nicht auf dem Tisch haben. Meine Kolleginnen Inga Schwarz und Julia Vienings haben daraufhin eine Lösung für die Baubranche entwickelt und ich war vollauf begeistert.

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BGW: Welche marktspezifischen Anforderungen der ­Baubranche an Ihre Produkte sehen Sie? Oder läuft das eher nach dem Motto „One size fits all“?
Schwerzel: In der Bauindustrie sehen wir eine ­Segmentierung zwischen den ganz großen Unternehmen und dem Mittelstand, der rund 90 Prozent ausmacht. Zum einen brauchen wir also eine Konfiguration für Großunternehmen. Hier sprechen wir von einer umfassenden Personalplattform, die alle Prozesse abbildet – von der Einstellung bis hin zu Weiterbildungen, Ziel- und Jahresgesprächen, Bonusvereinbarungen und so weiter. Viele dieser Prozesse existieren in mittelständischen Unternehmen nicht. Stattdessen ist es für diese relevant, eine Übersicht über alle Mitarbeiter zu haben sowie die Möglichkeit, über eine Plattform neue Mitarbeiter einzustellen. Wir sind in der Lage, beide Seiten abzudecken und berücksichtigen so die individuellen Bedürfnisse der Unternehmen.

BGW: Gibt es eine Art Schwellenwert, ab der Ihre Software Sinn ergibt? Ab 100 kann man, ab 200 muss man, beispielsweise?
Schwerzel: Es ist sinnvoll, ab rund 150 Mitarbeitern mit uns zu sprechen. In der Regel kommen aber größere Unternehmen ab etwa 300 Mitarbeitern zu uns. Das ist unser Brot-und-Butter-Geschäft.

BGW: Kann Ihre Software auch das häufig auf Baustellen ­anzutreffende Subunternehmertum abbilden?
Schwerzel: Das ist eine spannende Frage. Viele Informationen auf einer Baustelle werden von Subunternehmern oder Personaldienstleistern vorgehalten. Wir bieten die Möglichkeit, mit diesen zusammenzuarbeiten und diese zu integrieren. So können Unternehmen auf Knopfdruck sehen, ­welche Kapazitäten es bei den eigenen Partnern und Dienstleistern gibt. Talentsoft ist deshalb eine offene, integrierbare Plattform. Wir glauben nicht an einen holistischen Ansatz, sondern daran, dass es gerade in Zeiten der Digitalisierung wichtig ist, offen zu sein, neue Informationen zu integrieren, aber diese auch weiterzugeben.

BGW: Wie kann ich als Bauunternehmer Visibilität bei den Subunternehmern erzeugen?
Schwerzel: Bauunternehmer sind mit Talentsoft in der Lage, beispielsweise dem Polier über eine App alle relevanten Informationen zur Verfügung zu ­stellen, der so externe Mitarbeiter problemlos in ­seine Kapazitätsplanung aufnehmen kann.

BGW: Sprich, er kann die Daten externer und interner ­Mitarbeiter pflegen?
Schwerzel: Exakt. Das ist möglich, muss aber natürlich nicht sein. Man kann unsere Software auch ­beispielsweise nur auf das Recruiting, die Weiter­bildung oder die Jahresgespräche beschränken, um im ersten Schritt die Plattform kennenzulernen.

BGW: Wie will sich Talentsoft in der riesigen Baubranche ­einen Namen machen? Welche Schritte sind geplant?
Schwerzel: Wir haben weltweit rund 2.300 Kunden mit über zwölf Millionen Mitarbeitern auf unserer Plattform. In der DACH-Region, die ich verantworte, verfügen wir über rund 240 Kunden, darunter einige Bauunternehmen und Zulieferer wie Knauf, die man in der Branche kennt. Unser Thema ist neu für die Bauindustrie, deshalb sehen wir uns hier als First Mover, allerdings ist uns bewusst, dass wir nur ein kleines Zeitfenster haben, bis uns Marktbegleiter folgen werden. Wir machen daher auf Fachmessen und in den Medien auf unser Thema aufmerksam und versuchen so, die Branche zu erreichen. Digitalisierung ist eben nicht immer nur BIM, hier geht es auch um HR-Transformation, die dabei unterstützt, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Das sieht jedoch kaum ein Unternehmen. Deshalb ist es jetzt an uns, auf die Unternehmen zuzugehen und sagen: „Wir können helfen!“

BGW: Recruiting, Onboarding und Schulungen: Wo haben Unternehmen Ihrer Erfahrung nach die größten Defizite?
Schwerzel: Übergeordnet ist der Fachkräftemangel das größte Problem, das sich auf diese drei Bereiche auswirkt. Daher ist es entscheidend, regionübergreifend Talente zu finden. Dabei ist eine Recruiting-Plattform absolut entscheidend.

BGW: Wenn ich Sie richtig verstehe, besteht für die Branche noch Hoffnung?
Schwerzel: Aber sicher! Die Baubranche ist gerade in der heutigen Zeit ein wichtiger Stützpfeiler. Es herrscht Wohnungsmangel, was mit Sicherheit zur Folge hat, dass viele Bürobauten zu Wohnungen umgebaut werden. Hier gibt es also in der ­Baubranche viel zu tun.

BGW: Welches Ziel haben Sie sich bezüglich Talentsoft und der Baubranche für dieses Jahr gesetzt?
Schwerzel: Die Initiative wurde von meinem Team unter der Leitung von Inga Schwarz erarbeitet. Als Ziel hat sich Inga gesetzt, dass Talentsoft Markt­führer für das Thema Talentmanagement im Mittelstand der deutschen Bauindustrie wird. Wir haben in diesem Jahr bereits drei Kunden gewonnen und wollen die Zahl bis Jahresende auf zehn bis zwölf erhöhen. Talentsoft ist dennoch breit gefächert und wird weiterhin alle Branchen unterstützen.

BGW: Vielen Dank für das Gespräch!

Mit Elton Schwerzel sprach per Web-Meeting Martin ­Schrüfer, Chefredakteur Baugewerbe. Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 4/2021.

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