Solide Umsatzentwicklung trotz Corona

Die Bauwirtschaft ist die „Rote Insolvenzlaterne“ los

Die Corona-Krise hat Unternehmen der Bauwirtschaft weniger stark getroffen als befürchtet. So ist das Jahr 2020 für die Branche das bereits zehnte in Folge mit insgesamt solider Umsatzentwicklung gewesen. Dennoch bleiben erhebliche Unsicherheiten für die Lieferanten und Dienstleister von Baufirmen. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Kreditversicherers Atradius. Die Gefahr, einen Zahlungsausfall zu erleiden, ist für sie weiterhin groß, wenn sie Produkte an Bauunternehmen ausliefern oder Leistungen für sie erbringen.

Frank Liebold ist Deutschlandchef bei Atradius. © Atradius

Geschäfte mit Bauwirtschaft bleiben auch nach zehn guten Branchenjahren riskant
Vor Corona waren Bauunternehmen in Deutschland die Firmen, die am stärksten von einer Firmenpleite bedroht und am häufigsten den Gang zum Amtsgericht antreten mussten. 2019 reichte die Branche die „Rote Laterne“ bei den Firmeninsolvenzen dann weiter, als es laut Statistischen Bundesamt mehr Firmenpleiten bei Autohändlern und -werkstätten gab. Im vergangenen Jahr mussten dann nur vereinzelt Bauvorhaben verschoben werden, verzögerten sich Projekte oder musste Kurzarbeit beantragt werden. Das hat zwar weiter zur Stabilisierung beigetragen, dennoch – das zeigen die Daten von Atradius – besteht bei Geschäften mit der Baubranche immer noch „ein signifikantes Risiko für Forderungsausfälle“, so Frank Liebold, Country Director Deutschland des Kreditversicherers.

Riskante Branchen im Überblick
Von allen Zahlungsausfällen von deutschen Unternehmen, die Atradius seinen Kunden im vergangenen Jahr entschädigte, entfielen die zweitmeisten auf Bauunternehmen. Nur der große Bereich Automotive/Transport verursachte noch mehr Zahlungsausfälle. Auf den Plätzen 3 und 4 des vergangenen Jahres lagen die Maschinenbau- sowie die Stahl- und Metallbranche. Insgesamt unterzieht Atradius 14 Branchen regelmäßig einer Risikoanalyse. Zu den weiteren Branchen zählen Langlebige Konsumgüter, Baumaterialien, Chemie/Pharma, Elektronik/IKT, Finanzdienstleistungen, Nahrungsmittel, Dienstleistungen, Papier, Textil und Agrar.

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Das sind die Unsicherheitsfaktoren bei Geschäften mit der Baubranche
Das höchste Insolvenzrisiko besteht nach Erkenntnis von Atradius bei kleinen und mittleren Firmen des Baunebengewerbes. Dazu gehören Betriebe, die Installations-, Pflaster-, Maler-, Glaser- oder Garten- und Landschaftsbauarbeiten durchführen. Ihr Einsatz erfolgt in den meisten Fällen am Projektende. Die Gefahr, dass dem Auftraggeber dann das Geld ausgeht und er seinen Dienstleister nicht mehr bezahlen kann, ist weiterhin gegeben. Insbesondere Groß- und Langzeitbauprojekte bergen viele Unsicherheiten. „Erschwerend kommt für die kleinen Betriebe hinzu, dass sie zumeist über kein großes Kapitalpolster verfügen“, sagt Frank Liebold, Country Director Deutschland von Atradius. Gerade im Baunebengewerbe seien in den vergangenen Jahren vermehrt Kleinbetriebe entstanden, so Frank Liebold. Fast 90 Prozent der Betriebe haben weniger als 20 Beschäftigte. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die weiterhin gültige Lockerung der Insolvenzantragspflicht. „Wir gehen davon aus, dass hierdurch auch im Baubereich noch Firmen weiterhin am Markt sind, die unter normalen Umständen eigentlich schon zahlungsunfähig wären und Insolvenz hätten anmelden müssen.“

Unwägbarkeiten im Wirtschaftsbau
Im Vergleich aller Bausparten haben die Unsicherheiten im vergangenen Jahr im Wirtschaftsbau am stärksten zugenommen. Das liegt an den massiv gesunkenen Investitionsausgaben vieler Firmen infolge der Corona-Krise. Gerade bei den Büroimmobilien ist die Lage derzeit sehr unsicher, ebenso hinsichtlich Einkaufscentern. Müssen einzelne Standorte aufgrund der Corona-Krise schließen, sinken die Mieten und in der Folge geht auch der Investitionsbau weiter zurück. „Es ist zu erwarten, dass sich der Wirtschaftsbau nur langsam erholt und 2021 noch nicht wieder das Niveau vor der Pandemie erreicht“, sagt Frank Liebold. Prognosen vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) zufolge stagnieren die Investitionen im Wirtschaftsbau in diesem Jahr mit +0,2 % gegenüber 2020 nahezu. Im Corona-Jahr sind sie gegenüber 2019 um 0,7 % gesunken.

Lagerlogistikbauprojekte laufen aktuell hingegen gut. Auch die Entwicklung im Wohnungsbau ist stabil. Gerade in diesem Bausektor dürfte die Auftragslage auf konstant hohem Niveau bleiben. „Zwar sind zuletzt die Gewerbesteuereinnahmen gesunken, trotzdem dürften die Kommunen in den kommenden Jahren aufgrund einer hohen Nachfrage viele Investitionen tätigen“, sagt Frank Liebold. Die Investitionen im öffentlichen Bau werden 2021 wieder ähnlich stark zunehmen mit +6,1 % gegenüber dem Vorjahr wie im Jahr 2019, berechnet der HDB.

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