Grenzübergang Gottmadingen-Bietingen / Thayngen

Martin Schrüfer,

Geklebte Inseln für reibungslosen Grenzverkehr

Neben Kanalsanierungs- und Entwässerungsarbeiten, wurden Parkplätze, Abstellflächen und Fahrbahnen für LKW aus der Fahrtrichtung Schweiz komplett erneuert. Um hierfür die Bauzeit möglichst kurz zu halten, wurden die neuen Verkehrsinseln und Fahrbahnteiler nach einem besonderen Verfahren eingebaut.

Die Abstellflächen für LKW am Grenzübergang aus Fahrtrichtung Schweiz wurden grundlegend saniert. © Hermann MEUDT Betonsteinwerk GmbH

Der Straßenverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz wird derzeit an 67 Grenzübergängen abgewickelt. Ein Großteil des überregionalen Grenz- und Transitverkehrs führt über mehrere deutsche und Schweizer Autobahnen. Es existieren fünf Grenzübergänge, an die zumindest von einem der beiden Länder eine Autobahn oder Bundesstraße heranführt. Hier findet mit geringerer Bedeutung auch regionaler und vereinzelt auch lokaler Grenzverkehr statt. Einer dieser Übergänge erfolgt vom deutschen Gottmadingen-Bietingen im Hegau zum schweizerischen Thayngen im Kanton Schaffhausen. Weil aufgrund des in den letzten Jahren stark zunehmenden LKW-Aufkommens, das Gelände rund um das Zollamt den Anforderungen nicht mehr gewachsen war, erfolgten hier von März 2021 bis zum Frühjahr 2022 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen. 

Am Zollamt Gottmadingen-Bietingen / Thayngen werden täglich rund 1.200 LKW abgefertigt – Tendenz steigend. Oberbauleiter Frank Pfeiffer von der J. Friedrich Storz Verkehrswegebau erläutert die Maßnahme: „An vielen Stellen der über 30 Jahre alten Betonfahrbahnen, fanden wir aufgeplatzte Fugen, einen defekten Unterbau und Schäden an Fahrbahn, Abstellplätzen und Verkehrsinseln vor. Deshalb haben wir die insgesamt ca. 8.000 m² Verkehrsflächen komplett saniert. Hierbei kam eine innovative Technik zum Einsatz, bei der das ausgebaute Material weitgehend recycelt wurde. Mit einer speziellen Maschine ist es uns gelungen, die armierte Betondecke, die auf einer Asphalttragschicht ruhte und die darunter liegende Frostschutzschicht voneinander zu trennen. Den ausgebauten Beton haben wir dann vor Ort in einer mobilen Brechanlage auf die gewünschte Korngröße zerkleinert, um ihn anschließend als 35 cm starke Frostschutzschicht wieder einzubauen. So wurden immerhin 6.000 Tonnen Beton vor Ort wiederverwertet“, erklärt Pfeiffer.

Anzeige

Flachbordsteine aufkleben statt konventionell einbauen

Auf die neue Frostschutzschicht brachten die Experten eine 10 cm dicke Asphaltdecke auf, auf welche dann eine 26 cm starke armierte Betondecke gegossen wurde. Beim Bau der insgesamt 8 Verkehrsinseln entschied sich der Bauunternehmer ganz bewusst gegen die konventionelle Bauweise. Hierzu Frank Pfeiffer: „Die Verkehrsinseln haben die Aufgabe, die LKW sicher zu ihren Stellplätzen zu leiten. Mit der Sanierung wurde die Verkehrsführung jetzt auch deutlich verbessert. Eventuell ist es aber in einigen Jahren geplant, die Abfertigung rein elektronisch - also völlig ohne Personal – abzuwickeln. Hierzu müsste dann die Verkehrsführung unter gewissen Umständen erneut leicht angepasst werden. Dies wäre mit konventionell verbauten Bordsteinen nur mit einem überaus großen Aufwand möglich. Aus diesem Grund haben wir uns für die Bordsteinklebetechnik des Betonsteinherstellers Hermann Meudt aus Wallmerod entschieden.“Hierbei wurden sämtliche Flachbordsteine, die hier im Profil 30 x 25 cm als Randbegrenzungen verbaut sind, bereits werkseitig auf eine exakt gleiche Bedarfshöhe geschnitten und auf die fertige Betondecke aufgeklebt statt konventionell eingebaut. Frank Pfeiffer fährt fort: „Auch auf die Fahrbahn verklebte Bordsteine lassen sich nicht gerade leicht von der Fahrbahn wieder lösen. Das ist natürlich so nicht vorgesehen und daher sind in diesem Fall aufwändigste Stemm- und Fräsarbeiten erforderlich. Der entscheidende Unterschied zu konventionell eingebauten Bordsteinen besteht aber darin, dass wir bei der Bordsteinklebetechnik immer über eine einheitliche und durchgängige Betondecke verfügen. Im Vergleich zur konventionellen Bauweise ermöglicht dies zumindest mit einem etwas geringeren Aufwand die Verkehrsführung zu ändern“ so Pfeiffer. Die Verklebung erfolgte dabei über ein Dünnbettklebeverfahren, bei dem 2-K-Kunststoff auf dem zuvor mit einer Fräse aufgerauten und anschließend mit Wasserhochdruck gereinigten Beton aufgebracht und die Bordsteine mit der geschnittenen Seite verklebt werden. Nach Aussage des Herstellers Meudt haftet der Kleber auf den glatten Flächen besonders gut, da die Zementhaut durch den Schneideprozess entfernt wird. Ein weiterer Vorteil: Dank zahlreicher Radien und Formsteine, die das Sortiment aus dem Hause Meudt umfasst, können die zu realisierenden Fahrbahnteiler und Fahrbahneinfassungen nahezu ohne Schneideaufwand realisiert werden. Pfeiffer: „Außerdem spart die Bordsteinklebetechnik viel Zeit, denn die Betondecke lässt sich in einem Rutsch natürlich viel schneller herstellen, als wenn zahlreiche Inseln ausgespart werden müssen.“

Bordsteinklebetechnik spart Zeit

So leistete diese Bauweise dann auch ihren Beitrag dazu, dass die vorgesehene Bauzeit deutlich unterschritten werden konnte. Ein großer Vorteil der Klebetechnik besteht aber auch darin, dass die Flachbordsteine durch Absägen bereits werkseitig auf eine exakt gleiche Höhe gebracht werden. Fertigungsbedingte Höhenschwankungen werden dadurch eliminiert und damit die Steine für die Verklebung sozusagen kalibriert. Maßtoleranzen sind damit nahezu ausgeschlossen. Wie sieht es aber mit der Stabilität der aufgeklebten Bordsteine aus? Halten diese den täglichen Beanspruchungen des LKW-Verkehrs stand? Hierzu Frank Pfeiffer: „Unsere Erfahrungen zeigen uns, dass auch eine geklebte Bordsteinlösung dauerhaft haltbar ist.“

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Instandsetzung

Verlängerte Lebensdauer von Parkhäusern

Parkhäuser aus Beton-Stahlblech-Konstruktionen sind oft durch Tausalze geschädigt und lassen sich kaum noch instand setzen. Das Forschungsvorhaben GlueCS-Park der Hochschule München entwickelt ein kombiniertes Instandsetzungsverfahren, mit dem die...

mehr...

Umgang mit App

Digitalisierung wird nützlich

Der Umgang mit Apps, 3D-Software oder Building Information Modeling (BIM) ist oft leichter als erwartet, und die Arbeitserleichterungen dank Digitalisierung sind verblüffend. Schalungs- und Gerüsthersteller PERI unterstützt vereinfachte und...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Unitechnik

Digitalisierung im Betonfertigteilwerk

Unitechnik will neue Maßstäbe in der Betonfertigteilbranche setzen und zeigt die neueste Version seines Produktionsleitrechners. Unicam.23 hebt sich durch ein modernisiertes Erscheinungsbild und eine neue Softwarestruktur vom Vorgänger ab.

mehr...

Betonbau

Fokus Zukunftsfähigkeit

PERI tritt mit dem Motto „Zukunft gestalten“ auf. Unter anderem zeigt das Unternehmen Weiterentwicklungen im Wandschalungsbereich und bei Deckenschalungssystemen. Besucher können sich außerdem auf Neuheiten beim Gerüstbau sowie auf digitale...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Alkus

Robuster als Holz

Als Anbieter von Schalungsplatten aus Vollkunststoff kann Alkus in Zeiten der Holzknappheit feste Preise und pünktliche Lieferungen zusagen. Das Liechtensteiner Unternehmen betont, dass die Vollkunststoffplatte aufgrund ihrer Langlebigkeit auch...

mehr...

Elematic auf der Bauma

Automatische Wandproduktion

Der finnische Hersteller von Betonfertigteilanlagen, Produktionslinien und Maschinen stellt seinen neuen Doppelwand-Schalungsroboter sowie eine Reihe von Hohldielenschneidemaschinen, automatischen Transportwagen und Dienstleistungen vor.

mehr...

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem Baugewerbe Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite