Konversionsfläche Südstadt

Marvin Meyke,

Großes Städtebauprojekt in Heidelberg

Eines der größten städtebaulichen Projekte Deutschlands wird aktuell auf ehemals von den US-amerikanischen Streitkräften genutzten Flächen mitten in Heidelberg realisiert. Neues urbanes Leben entsteht in verschiedenen Wohnungsbauten, die das Bauunternehmen Michael Gärtner und Züblin mit der Heidelberger Beton GmbH ausgeführt haben.

© HeidelbergCement

Innerstädtische Verdichtung scheitert vielerorts an mangelndem Baugrund. Manche Städte profitieren heute von Entscheidungen, die dreißig Jahre zurückliegen. Durch den teilweisen Truppenabzug der US-Armee, der mit dem Ende des Kalten Kriegs einherging, gewann beispielsweise Heidelberg Fläche für neue urbane Entwicklung im Stadtgebiet. Insgesamt 180 Hektar innerstädtische Konversionsflächen haben der historischen Stadt am Neckar die Jahrhundertchance einer weitreichenden städtebaulichen Planung geboten, wie sie anderen Kommunen heute aufgrund dichter Bebauung und Mangel an Freiflächen selten gegeben ist.

Seit einigen Jahren entstehen bereits auf den frei gezogenen Arealen vielfältig gemischte, vitale Quartiere, die dem Anspruch der Verantwortlichen nach bezahlbarem Wohnraum auch für Familien und Geringverdiener genügt und gleichzeitig die bekannte Lebensqualität dieser Stadt weiter entfalten und bewahren kann.

Die „Konversionsfläche Südstadt“ macht mit einer Größe von insgesamt 40 Hektar fast ein Viertel des gesamten Stadtteils aus. Sie besteht aus den ehemaligen US-Arealen Campbell Barracks und Mark Twain Village, die sich sukzessive in ein modernes, energiesparendes, nachhaltiges und wirtschaftliches Stadtquartier mit viel Grün wandeln soll. Die von viel Bürgerbeteiligung begleitete Stadtentwicklung ist schon weit vorangeschritten. Die Mischung aus sanierten Bestandsbauten und neuem Wohnungsbau lässt hier innenstadtnah ein weiteres Stück Heidelberg entstehen. Bereits im Sommer 2016 konnten vor allem junge Familien in die ersten fertigen Wohnungen einziehen. Nun leben schon fast 1.000 Menschen im Quartier und an allen Ecken wird noch gebaut. „Die Südstadt hat uns die Chance gegeben, neuen und vor allem preiswerten Wohnraum zu entwickeln. Wir schaffen das dank des enormen Engagements der genossenschaftlichen Bauträger und unserer städtischen Wohnungsbaugesellschaft GGH“, äußerte Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner anlässlich einer Ortsbegehung. Dass 40 Prozent der Mietwohnungen für weniger als acht Euro pro Quadratmeter zur Verfügung gestellt werden können, dafür steht auch die MTV Bauen und Wohnen GmbH & Co. KG, ein Zusammenschluss genossenschaftlich organisierter Banken und Wohnungsbauunternehmen sowie der bereits erwähnten städtischen Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz (GGH). Das Konsortium hat rund 15 Hektar der Konversionsfläche Südstadt von der Stadt übernommen und investiert dort, gemeinsam rund 480 Millionen Euro, in Neubau und Sanierung von etwa 1.200 Wohnungen und knapp 300 Wohnheimplätzen. Die über Jahre laufenden Baumaßnahmen gehen zurück auf einen Masterplan von metris architekten + stadtplaner, den der Heidelberger Gemeinderat bereits 2014 beschlossen hat. Das wohnungspolitische Konzept sieht vor, dass 40 Prozent der Wohnungen im preisgünstigen Mietsegment, 30 Prozent für sogenannte Schwellenhaushalte und weitere 30 Prozent im Segment „freier Markt“ entstehen sollen. Viele der Wohnungen gehen derzeit in die Vermietung. Angestrebt wird dabei eine sozial ausgewogene Differenzierung.

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Städtebauliche Aufwertung
Mitte des Jahres wird eine Anzahl von Wohnbauten vollendet, die binnen kurzer Zeit realisiert worden sind. Im Quartier an der Kirschgartenstraße werden dieser Tage die Bauten auf zwei Baufeldern fertig, für die Fischer Architekten aus Mannheim auf Grundlage des genannten Masterplans jeweils die Entwürfe erarbeitet haben. Auf dem Baufeld A2.2 erstellte die Ed. Züblin AG, Bereich Mannheim, sieben Stadthäuser und vier Mehrfamilienhäuser. „Wir sind gerade beim Ausbau und stellen die Wohnbauten bis Oktober 2021 fertig“, berichtet Bauleiter

Maxim Engel-Moog von Züblin, der die MTV-Baustelle seit Mitte 2020 mit rund 60 Bauarbeitern betreut. Die Wohnungen werden durch zwei Gewerbeeinheiten ergänzt. Für das gesamte Bauvorhaben lieferte Heidelberger Beton, Gebiet Kurpfalz/Karlsruhe, rund 4.300 Kubikmeter Beton. Auch beim Baufeld A3.2 kam der Beton von Heidelberger. Hier errichtete die Michael Gärtner GmbH mit ihrer Mannheimer Abteilung Schlüsselfertigbau vier Wohn- und sieben Stadthäuser. Aus den Lieferwerken Eppelheim und Mannheim-Rheinau wurden hier insgesamt 4.000 Kubikmeter Beton geliefert.
Die Heidelberger Südstadt war schon vor Beginn der Entwicklung des Quartiers Mark Twain Village ein begehrtes Wohngebiet. Allerdings war die Infrastruktur nicht gut ausgebaut. Obwohl stadtnah, mussten für Einkäufe ausgedehnte Wege zurückgelegt werden. Die städtebauliche Weiterentwicklung bringt für alle Bewohner einen Vorteil. Unter anderem mit der Eröffnung eines Nahversorgungszentrums an der Ecke Römer- und Rheinstraße erfährt der Stadtteil eine Aufwertung.

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