Baustoffe

Martin Schrüfer,

Bauverfahren und Baustoffe neu denken

Klimawandel, endliche natürliche Ressourcen, Fachkräftemangel: Auch die weltweite Baumaschinenbranche muss sich den großen Problemen der Gegenwart stellen. Moderne Bauverfahren und -materialien können Teil der Lösung sein. Einen umfassenden Überblick über Aktuelles sowie Entwicklungstrends liefert natürlich auch die bauma.

Die bauma 2022 ist eine geeignete Plattform, um über aktuelle Trends bei Bauweisen und Materialien zu diskutieren. © vallerato/stock.adobe.com

Der Abbau und die Verarbeitung von Baustoffen, der Bauprozess an sich, die Instandhaltung sowie der Abbruch von Gebäuden und Infrastrukturbauten sind mit hohen Kohlendioxid-Emissionen verbunden. So ist zum Beispiel Zement für acht Prozent des weltweiten Ausstoßes des klimaschädlichen Gases verantwortlich. Die britische Denkfabrik Chatham House fand dafür folgendes Bild: Wäre die Zementindustrie ein Land, wäre sie nach China und den USA der drittgrößte CO2-Emittent der Welt. Nur ein Drittel davon resultiert aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle oder Petrolkoks, der größte Teil wird durch die prozessbedingte Zersetzung von Kalkstein freigesetzt.

Kohlendioxid-Abscheidung bei der Zementherstellung

„Wenn man hier etwas signifikant verbessern will, müssen grundlegende technologische Änderungen stattfinden“, sagt Christoph Danner, Referent für Baumaschinen und Baustoffanlagen beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Eine Option mit hohem Potenzial ist nach seiner Einschätzung die Abscheidung von CO2 und dessen anschließende Nutzung (Carbon Capture and Utilization, CCU) beziehungsweise dessen sichere und dauerhafte Speicherung in tiefliegenden geologischen Gesteinsschichten (Carbon Capture and Storage, CCS). „Auf diesem Weg könnten 95 Prozent des in der Zementherstellung entstehenden Kohlendioxids abgefangen werden“, so Danner. Die erste CO2-Abscheideanlage für die Zementproduktion in Deutschland entsteht derzeit in Rohrdorf.

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Kreislaufführung für mehr Ressourcenschutz

Neben Maßnahmen zum Klimaschutz ist die Bauwirtschaft auch zu einem sparsameren Umgang mit den endlichen Rohstoffen aufgerufen. So ist in den vergangenen Jahren zum Beispiel Sand als das meistverwendete, aber zunehmend knappe Material der Erde mehr und mehr in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Ein Ansatz zur Ressourcenschonung ist, Abbruchmaterialien mit moderner Brech- und Siebtechnik direkt an der Anfallstelle so zu verarbeiten, dass sie an Ort und Stelle für neue Bauvorhaben eingesetzt werden können. Das entlastet die natürlichen Lagerstätten und vermeidet Transporte, Treibhausgasemissionen sowie Lärm und Luftverschmutzung in dicht besiedelten Stadtgebieten.

Moderne Technologien machen Bauberufe attraktiver

Als weitere Herausforderung erfordert der weltweite Bauboom einen Produktivitätsschub. „Angesichts des Fachkräftemangels kann dieser nicht länger allein durch ‚mehr Menschen‘ erreicht werden“, ist sich Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, sicher. Es sollten digitale Arbeitsmethoden, innovative Produkte und Maschinen sowie die Möglichkeiten industrieller und zunehmend auch KI-unterstützter Prozesse verstärkt in den Mittelpunkt rücken. „Themen, die wiederum Begeisterung bei jungen Menschen auslösen und neben der Produktivität auch die Branchenattraktivität steigern würden“, so Müller. Hier spielt nach seiner Auffassung auch die moderne Baumaschinentechnik eine bedeutende Rolle. Schon sei an den steigenden Zahlen der Auszubildenden zu spüren, dass das Berufsbild des Baumaschinenführers attraktiver wird – nicht zuletzt auch, weil der Arbeitsplatz in der Fahrerkabine digitaler und komfortabler geworden ist.

Weniger, aber dafür hochqualifiziertes Personal

Parallel dazu verfolgt die Baumaschinenindustrie das Ziel, mit weniger Fachkräften genauso viel oder sogar mehr zu bauen als bisher. „Möglichkeiten dazu bieten das Serielle Bauen und der 3D-Betondruck“ schildert der VDMA-Experte Danner und fährt fort: „Beim Seriellen Bauen als seit vielen Jahren etablierten Verfahren führen industriell weitgehend vorgefertigte Bauprodukte zu einem niedrigeren Personalbedarf vor Ort auf der Baustelle. Einen ähnlichen Effekt verspricht auch die nach und nach Marktreife gewinnende Additive Fertigung. Hier sorgt der Einsatz von Druckrobotern für Personaleinsparungen.“

„Bauweisen und Materialien von morgen“ heißt auch eines der Leithemen der bauma. Bei der weltweit führenden Messe für Baumaschinen, Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen, Baufahrzeuge und Baugeräte werden die marktbestimmenden Unternehmen ihre neuen Lösungen präsentieren.

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