Wärmedämmung

Jana Metzka,

Vier Kilometer Sicherheit

Umlaufende Fluchtbalkone für Schulgebäude. Der neue Stadtteil Freiham ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Münchens. Als wichtiger Baustein des Areals entsteht hier der Bildungscampus als bisher größtes Schulprojekt der Landeshauptstadt.

Die insgesamt vier Kilometer langen Fluchtbalkone rund um die unterschiedlichen Gebäudeeinheiten des Bildungscampus in Freiham sind alle mit dem Schöck Isokorb befestigt. Es wurden 80 verschiedene Isokorb-Typen direkt in die Ortbetondecken mit eingebaut. © Schöck Bauteile

Die architektonische Herausforderung des zweiten Rettungswegs lösten die Planer mit umlaufenden Fluchtbalkonen. Gesamtlänge: gut vier Kilometer. Befestigt und thermisch entkoppelt wurden die Balkone mit verschiedenen Typen des Isokorb XT des Herstellers Schöck Bauteile.

Der Gebäudekomplex besteht aus vier Bauteilen: Realschule und Gymnasium, Grundschule und Sonderpädagogisches Förder- und Kompetenzzentrum, Zentrale Mitte mit einer Mensa, einer Doppelsporthalle, einer Tiefgarage mit 110 Pkw-Stellplätzen sowie einer oberirdischen Verbindungsbrücke. Die Architekten realisierten bei allen Gebäudekomplexen den vorgeschriebenen zweiten Rettungsweg über Fluchtbalkone, die jedes Geschoss komplett umlaufen.

Das Tragwerk des Großprojekts planten die Büros Sailer Stepan und Partner, Beratende Ingenieure für Bauwesen VBI, München und Krone Ingenieure GmbH aus Berlin in einer Planungsgemeinschaft. Moritz Hupfauf von Sailer Stepan und Partner: „Wie bei jedem Bauvorhaben bedarf es gerade bei den Anschlüssen der Balkone besonderer Aufmerksamkeit. Zum einen gilt es in diesem Bereich Wärmebrücken zu vermeiden, zum anderen wirken besonders starke Kräfte auf der Verbindung von Gebäude und Balkon.“ Die Lösung war der Schöck Isokorb XT, der Bauteile wie Attiken, Vordächer oder wie hier Balkone thermisch voneinander trennt und gleichzeitig Teil der Statik ist.

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Wegen der speziellen Anforderungen des Großprojekts – zum Beispiel die inneren Kraftgrößen, die das Bauteil gegen äußere Einwirkungen aufbringen muss, wurden etliche Isokorb-Elemente in Sonderausführung verbaut. © Schöck Bauteile

Treppenläufe in Ortbeton
Die insgesamt vier Kilometer langen Fluchtbalkone rund um die unterschiedlichen Gebäudeeinheiten, sind alle mit dem Schöck Isokorb befestigt. Die Fugenabschnitte zwischen den Balkonen wurden mit dem Schöck Dorn verbunden. Der Schöck Dorn ist für große Fugenabstände besonders geeignet. Er sorgt dafür, dass die Balkone sich nicht unterschiedlich senken und auf einer Linie bleiben. Auf der Nord-, Ost- und Westseite kragen die Fluchtbalkone vom Deckenrand zirka 2,10 Meter aus. An den südlichen Deckenrändern wurden die zirka vier Meter breiten Balkonflächen auf Stützen aufgelagert. Die Treppenläufe der Fluchtbalkone sind in Ortbeton ausgeführt und mit herausstehender Anschlussbewehrung zur monolithischen Verbindung mit den Balkonplatten ausgebildet. Es wurden rund 80 verschiedene Isokorb Typen direkt in die Ortbetondecken mit eingebaut, davon 40 Typen als Sonderausführung.

„Wir haben die Fluchtbalkone aufgrund ihrer großen Abmessung in Ortbeton ausgeführt. Teilweise waren die Abschnitte bis zu zwanzig Meter lang und so hätte das Gewicht der Bauteile den Transport und die Montage unnötig erschwert. Die Balkone sind alle in Sichtbeton mit aufgerauter Oberfläche ausgeführt und verhindern so das Ausrutschen auf nasser Oberfläche. Die Schalung der Balkone war recht komplex, weil auf der Unterseite Tropfnasen und auf der Oberseite Aufkantungen ausgebildet sind, um Schmutzfahnen zu vermeiden. Insgesamt haben wir zirka ein Kilometer Schalung für dieses Projekt hergestellt,“ erklärt Selina List, Bauleiterin von der Glass GmbH Bauunternehmung aus München, die für alle Rohbauarbeiten verantwortlich war.

Der Bildungscampus ist das mit Abstand größte Schulbauprojekt der bayerischen Landeshauptstadt München und eines der größten in Deutschland. © Glass GmbH Bauunternehmung

Komplizierte Geometrie – aufwändige Schalung
Moritz Hupfauf von Sailer Stepan und Partner, verantwortlich für die statische Berechnung des Gebäudekomplexes RSG, ergänzt: „Man entschied sich hier für eine Entwässerung der Balkone nach innen. Die Anordnung der Rinne in Längsrichtung machte einen hohen Querschnitt erforderlich. Die statische Optimierung führte zu einer Voutung des Querschnitts nach außen, was insbesondere in den Gebäudeecken zu einer recht komplizierten Geometrie führte. Im Zuge der Bauausführung wurde eine entsprechend aufwändige Schalung und Bewehrungsführung erforderlich, um die geforderte Sichtbetonqualität sicher zu stellen.“

Ab dem Schuljahr 2019/2020 soll der Campus etwa 3.000 Schülerinnen und Schülern Platz bieten. Der Bildungscampus soll als Modell für künftige Schulneubauten und -umbauten dienen. Grundlage ist der Aktionsplan „München wird inklusiv“. In diesem Rahmen hat sich die Landeshauptstadt München verpflichtet, die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. © Glass GmbH Bauunternehmung

Sonderlösungen für pezielle Anforderungen
In den Eckbereichen der hochbewehrten Bauteile liegen kreuzweise Bewehrungslagen mit einem Durchmesser von 20 Millimeter übereinander. „Deshalb haben wir zusätzlich Sonderkörbe geplant, damit die Bewehrungsstäbe in den Bauteilen eine Lage tiefer eingesetzt werden können“, erläutert Claire Podlasly-Nehse, Anwendungstechnikerin der Schöck Bauteile GmbH. Zudem waren unterschiedliche Betondeckungen in der Höhe von 55 Millimeter bis 60 Millimeter notwendig, die auch den Einsatz von Sonderlösungen erforderten. Auch die relativ großen Schnittgrößen, also die inneren Kraftgrößen, die das Bauteil gegen äußere Einwirkungen aufbringen muss, um nicht zu versagen, erforderten den Einsatz von unterschiedlichen Sonderkörben. „Wir können mit den Standardkörben Typ KXT Querkraft VRd,z bis zu 125,4 kN/m abdecken. Da waren aber Bereiche die deutlich mehr an Querkraft verlangten. Für diesen Zweck haben wir ebenfalls Sonder elemente ausgearbeitet“, so Anwendungstechnikerin Podlasly-Nehse.

Fazit
Ab dem Schuljahr 2019/2020 soll der Campus etwa 3.000 Schülerinnen und Schülern Platz bieten. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, arbeitet das Baureferat unter Hochdruck an der Umsetzung. Täglich sind bis zu 350 Baufachleute im Einsatz. Während der Rohbauphase waren bis zu neun Kräne gleichzeitig vor Ort. Mit dem Ende der Rohbauarbeiten wurden inzwischen 6.160 Tonnen Stahl und 47.000 Kubikmeter Beton verbaut. Im März 2018 erfolgte die letzte Lieferung von rund 5.520 Isokorb-Elementen auf die Baustelle. Das Ergebnis sind kilometerlange, sorgfältig verbaute Isokorb-Elemente in den Fluchtbalkonen. Diese geben dem riesigen Schulkomplex nicht nur optisch Tiefe, sondern bieten auch mehr als vier Kilometer Sicherheit.


Bautafel
Bauherr: Stadt München
Architekt: schürmann dettinger architekten, München; Keller Damm Kollegen Landschaftsplaner StadtplanerGmbH, München
Bauunternehmer: Glass GmbH, München
Tragewerksplaner: Sailer Stepan und Partner, München; Krone Ingenieure GmbH, Berlin
Schöck-Produkte: Schöck Isokorb XT, Schöck Dorn

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