Gewinnungsdumper

Marvin Meyke,

Mit dem Dumper kraftvoll in die Nische

Mit einem Plus an Leistung, Sicherheit und Komfort „profitiert“ der Bell B30E von der Umstellung auf die Abgasnorm EU Stufe V. Nahezu unverändert in seiner ­gewichtsoptimierten Auslegung garantiert der 28-Tonner Wirtschaftlichkeit und bietet eine Alternative im Segment der straßengängigen Gewinnungsdumper.

© Bell Equipment

Der Tonabbau und die Grubenbewirtschaftung im Auftrag einiger der größten ­Dach­ziegel- und Mauersteinproduzenten Deutschlands bilden neben Schüttgut- und ­Bautransporten den Schwerpunkt der ­Sandritter Transport GmbH im nordbadischen Wiesloch. Zwei langjährig ­erfahrene Abbauteams mit jeweils fünf Mit­arbeitern unterhält das Familienunternehmen mit insgesamt 25 Beschäftigten. Der Gerätepark umfasst neben Tieflöffel­baggern der ­30-Tonnen-Klasse, 20-Tonnen-Dozern auch sechs knickgelenkte ­Muldenkipper. In ­kurzfristigen Einsätzen oder ­mehrwöchigen ­Kampagnen ­übernehmen die Sandritter-­Mann­schaften an verschiedenen Kunden-Standorten in ganz ­Süddeutschland die gesamte Rohstoff­förderung, ­einschließlich Abdeckung, selektivem Abbau und qualifizierter Rekultivierung. Zu den Aufgaben zählt dabei auch der Materialtransport in die Werke und dort der Aufbau der meist mehrere zehntausend ­Tonnen umfassenden Produktionshalden.

Gleich mehrere langjährige Kunden-Standorte finden sich in unmittelbarer Nähe zum Firmensitz in der Rhein-Neckar-Odenwald-Region. Um diese Abbaustätten schnell, flexibel und vor allem ohne aufwändige Tieflader-Transporte zu erreichen, verfügen die Sandritter-Dumper seit Jahren über eine Straßenzulassung für Leerfahrten im öffentlichen Verkehr.

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Ausgedünntes Angebot
Neben verkehrsüblichen Abmessungen, StVO-gerechter Kennzeichnung und Ausrüstung ­bildet die zulässige Achslast von maximal 11,5 Tonnen an der ­„leeren“ Vorderachse eine entscheidende Voraussetzung für die Straßen-­Dauergenehmigung von ­geländegängigen Gewinnungs- beziehungsweise Erdbau-Dumpern. Lagen bislang alle bei ­Sandritter eingesetzten 25-Tonner noch unter der kritischen Marge, zeigte sich bei der turnus­gemäßen Teilerneuerung des 6x6-Fuhrparks im vergangenen Jahr, dass kaum noch ein Neufahrzeug im ­mittleren 6x6-Segment über 20 Tonnen Nutzlast die Anforderungen erfüllt. Teilweise um über 2.000 kg überschreiten die Triebköpfe der verfügbaren 25-/30-Tonner die zulassungsfähige Frontlast, was einerseits am Trend zur „Auflastung“ liegt, andererseits aber auch schlicht daran, dass viele Hersteller ihr 6x6-Angebot stark ausdünnten.
Nicht so Bell Equipment: Drei aktuelle Modelle aus dem insgesamt acht Nutzlastklassen von 18 bis 55 Tonnen umfassenden Angebot des Knicklenker-Spezialisten liegen innerhalb der Achslast-Grenze. Mit knapp unter elf Tonnen Leergewicht an der Vorderachse sogar der Dreißigtonner Bell B30E (gesamt leer: 20.310 kg) mit nominell 28 Tonnen Nutzlast und 17,5 m³ Standardmulde. Als eines der europaweit meistverkauften Bell-Modelle bewährt er sich seit Jahren im schweren Erdbau, bei Gewinnungseinsätzen im Lockergestein, im Tonabbau und in Steinbruchbetrieben.

Auch Sandritter entschied sich Ende des vergangenen Jahres für den Bell B30E in aktueller ­Ausführung nach Abgasstufe EU V. Im Zuge der Umstellung auf die aktuelle Norm, die im Herbst 2019 für alle im Bell-Werk Eisenach produzierten „europäischen“ Fahrzeuge abgeschlossen war, wurde die Motorleistung des B30E aufgestockt und der Fahrkomfort gesteigert. Statt 246 kW leistet der Mercedes Benz/MTU-Motor jetzt 260 kW – das maximale Drehmoment des 7,7-Liter-Sechszylinders stieg auf 1.450 Nm (zuvor: 1.300 Nm) in einem ­breiten Drehzahlband von 1.150 bis 1.800 U/min.

Stimmiges Gesamtpaket
Im November 2019 bestellte Sandritter den Bell B30E beim zuständigen Bell-Regionalpartner ­Kiesel Mitte, der das Wieslocher Unternehmen bereits seit langem auch im Baggerbereich betreut. Ab Werk erhielt der Dreißigtonner auf 750er-Breitbereifung eine 200-mm-Muldenerhöhung, die bereits in der Eisenacher Muldenfertigung nach OEM-Standards berücksichtigt wurde. Gemeinsam mit der Heckklappe erhöht dies das Muldenvolumen um gut zwei m³ auf jetzt rund 19,5 m³.

Die StVO-konforme Nachrüstung mit Zusatzleuchten, Markierungen und Anbau-Spritzschutz für Überführungen übernahm Kiesel Mitte in Stockstadt auf Grundlage eines bereits bei mehreren Umbauten herangezogenen Hersteller-­Mustergutachtens und in enger Abstimmung mit der Zulassungs­behörde. Nach erfolgreicher Zulassung und Erteilung der Straßen-Dauergenehmigung wurde der Bell B30E – als erster Dreißigtonner im Fuhrpark – Ende März an Sandritter Transporte ausgeliefert und sofort in ein Abbauteam integriert. Je nach Standort, Aufgabenstellung und Geräteausrüstung fördert die Mannschaft bis 3.000 Tonnen pro Tag im „stationären“ Grubenbetrieb beziehungsweise 2.000 ­Tonnen pro Tag, wenn das Material per Sonder­genehmigung ohne Zwischen­verladung direkt von den straßen­zugelassenen 6x6-­Dumpern über öffentliche Wege auf die Produktions­halden gefahren wird. Auf ­langen Umläufen kommen so pro Schicht knapp 200 Kilometer zusammen, was gemeinsam mit den Überführungen die eher 6x6-untypische Gesamtfahrleistung von knapp 5.000 km nach wenig mehr als 600 Betriebsstunden erklärt.

Entsprechend schätzt Fahrer Manfred Göschl Fahreigenschaften und Komfort und stellt ­ins­besondere dem „Comfort-Ride“-Komplett­paket gute Noten aus. Dies im Zusammenspiel mit der automatischen Retarderfunktion, die ein schnelles, vorausschauendes Fahren mit dem beladen rund 48 Tonnen schweren Bell B30E ermöglicht. Das ent­lastet Betriebsbremse und Gasfuß gleicher­maßen, was sich auf den Verbrauch gerade bei hohen Geschwindigkeiten auf befestigten Wegen auswirkt. Dabei überzeugt der je nach Material­beschaffenheit deutlich in die Lastreserven kommende 28-Tonner mit guter Traktion und Beschleunigung auch im schweren Gelände und an Rampen. Trotz seines nominellen Nutzlastplus von vier Tonnen unterbietet er mit dokumentierten Maximalverbräuchen von rund 20 Liter pro Stunde die parallel fahrenden 24-Tonner (max. 22 – 24 l/h) konstant um 3 bis 5 l/h. Als langfristigen Durchschnittsverbrauch nach knapp 80.000 Tonnen Gesamttonnage weist die Maschine knapp unter 14 l/h aus.

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