Baustelle

Der Lärmschwerhörigeit vorbeugen

„Laut war gestern“ so lautete das Motto des Tags gegen den Lärm 2018. An diesem jährlich stattfindenden Aktionstag informiert die Deutsche Gesellschaft für Akustik (DEGA) die Bevölkerung über die unterschiedlichen Lärmbelastungen und ihre Folgen. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) ist einer der Partner, der Aktionen durchführt und Auszubildende in der Bauwirtschaft über die Gefahren der Schallbelastung aufklärt.

Auszubildende am Tag gegen Lärm
Die BG BAU informierte Auszubildende am Tag gegen Lärm Ende April deutschlandweit direkt in den Ausbildungszentren der Bauwirtschaft. Bei Messungen an Maschinen und Werkzeugen konnten die jungen Leute erleben, dass zum Beispiel der Lärm von Rüttelplatten, Bohrhämmern oder Baukreissägen über 85 Dezibel erreicht. Beim Messen des Schalls einer Auto-Musikanlage stellte sich heraus, dass auch hier Lärmpegel von mehr als 100 Dezibel auftreten können. Foto: Thomas Lucks

Die Lärmschwerhörigkeit ist die zweithäufigste anerkannte Berufskrankheit in der Bauwirtschaft. Bernhard Arenz, Leiter der Prävention bei der BG BAU hat die Zahlen parat: „Sie zeigen, dass es gute Gründe für den Einsatz leiserer Maschinen gibt: Allein im Jahr 2016 musst die BG BAU 17,5 Millionen Euro für über 6.200 Lärmgeschädigte aufbringen. Über ein Drittel aller Berufskrankheiten in der Bauwirtschaft hat Hörschäden als Ursache. Alle gewerblichen Berufsgenossenschaften zusammen zahlten sogar 117,5 Millionen Euro für mehr als 38.000 Lärmgeschädigte.“

Für die Betroffenen ist gesundheitsschädlicher Lärm tragisch: Stress, Schlafstörungen, steigendes Herzinfarktrisiko, Tinnitus sowie zunehmende Leistungs- und Konzentrationsstörungen sind als Folgen von Lärm nachgewiesen. Dazu kommen Verständigungsprobleme am Arbeitsplatz. Im privaten Umfeld droht ein Verlust an Lebensqualität, weil die Betroffenen Gesprächen nicht mehr richtig folgen können.

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Junge Menschen sind besonders gefährdet

So droht die Zahl der Lärmschwerhörigen deutlich anzusteigen: „Es ist absehbar, dass viele der heute jungen Menschen ab ihrem fünften Lebensjahrzent ein Hörgerät nutzen müssen“, sagte Dr. Anette Wahl-Wachendorf, Leiterin des Arbeitsmedizinisch-Sicherheitstechnischen Dienstes der BG BAU (ASD der BG BAU) und Vizepräsidentin des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Immer wieder stellen auch die Ärztinnen und Ärzte des ASD der BG BAU schon zu Beginn der Ausbildung bei Jugendlichen eine eingeschränkte Hörfähigkeit fest. Für junge Beschäftigte, die tagsüber Arbeitslärm und nach Feierabend Freizeitlärm ausgesetzt sind, potenziert sich die Gefahr hörgeschädigt zu werden, weil sich das Gehör in der Freizeit nicht mehr erholen kann.

Es geht auch leiser

Ein Schallpegel ab 80 Dezibel kann die Gesundheit schädigen. Wer Lärm über 85 Dezibel zu lange ohne Gehörschutz ausgesetzt ist, droht schwerhörig zu werden. Dabei erreichen herkömmliche Baukreissägen oder Bohrhammer schon 100 Dezibel (dB (A)) und eine Erdbaumaschine kommt auf 90 Dezibel. Bei einem höheren Lärmpegel, etwa einem Knall von 140 Dezibel, können Schäden sofort eintreten. Daher macht die BG BAU auf lärmreduzierte Baumaschinen und Werkzeuge aufmerksam. Zum Beispiel gebe es schallgedämpfte Sägeblätter für Kreissägen, Spezialzangen für wesentlich leisere Abbrucharbeiten, geräuschreduzierte Diamanttrennscheiben für Steinsägen oder lärmgeminderte Flämm-Geräte für Dacharbeiten.

Die Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) hatte im Juni 2017 nach Gehörtests in Hörmobilen unter 23.000 Passanten in fast 300 Städten mitgeteilt, dass „schon jeder achte Jugendliche unter einer Hörminderung“ leide.

Das individuelle Verhalten spielt eine große Rolle, um die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten. Das betonen auch die Fachleute der BG BAU. Und genau darauf liegt der Fokus des Präventionsprogramms „Bau auf Sicherheit. Bau auf Dich“, in das die Aktionen zum Tag gegen Lärm eingebettet sind. Ziel des Programms ist es, die Beschäftigten der Bauwirtschaft insgesamt stärker für die Belange des Arbeitsschutzes zu sensibilisieren und diesen als Bestandteil des alltäglichen Handelns zu etablieren.

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