Flotter Behälter-­Transporter

Oliver Willms,

Iveco X-Way: Absetzen, Eins!

Der neue Iveco X-Way AS 280X48 will mit dem innovativen Absetzaufbau von Maier Ratio beim Materialabtransport an und zur Baustelle auftrumpfen. Mit 480 PS sollte das für den wendigen Dreiachser ein leichtes Spiel werden.

Der Iveco X-Way ist mit 480 PS für 26 Tonnen Gesamtgewicht üppig motorisiert. © Iveco

Iveco ist auf Erfolgskurs – die neue Fahrzeug­generationen vom S-Way für die Straße und X-Way für gemischte Einsätze mit leichtem ­Baustelleneinsatz kommen laut Unternehmensangaben beim Kunden gut an. So tritt der ­elegante X-Way mit seinem markanten Fahrerhausgesicht mit stämmigen 480 PS im dreiachsigen Solofahrzeug selbst­bewusst zur Arbeit an.

Derart souverän motorisiert, hat der in ­Spanien gefertigte Absetzkippertransporter auch bei ­voller Ausladung auf 26 Tonnen keine Leistungs­probleme. Aber auch bei der Fahrerkabine ­spendiert Iveco ­diesem Absetzkipper eine gute ­Portion Luxus: Mit der langen Active Space-Kabine sind im S-Way ­Fahrerhaus Annehmlichkeiten wie eine doppelte Kühlboxschublade, eine vollwertige 2,10-Meter-Schlafliege und zahlreiche Staufächer mit an Bord, so lässt es sich im langen Fahrerhaus vortrefflich leben und arbeiten. Denn der Fahrerplatz hat ­genauso wie die Fernverkehrs-­Brüder aus der S-Way-­Baureihe mit dem neuen Modell an Komfort und Übersichtlichkeit gewonnen.

Das dem Fahrer leicht zugeneigte Cockpit setzt noch auf traditionelle Anzeigeninstrumenten und Schalterreihen, aber wer sagt denn, dass ein Touchscreen immer die ­bessere Wahl sein muss? Auch an der noch pneumatisch betätigten Feststell­bremse rechts unten im der Mittelkonsole erkennt man, dass der X-Way hier noch alte Werte ­verteidigt. Anstelle der in neuen Fahrzeugen üblichen ­kleinen Taster für die elektrische Betätigung wartet hier ein klassischer Bedienhebel auf den Parkbefehl des ­Lenkers. Vor allem im baustellennahen Einsatz, bei dem auch mal Bedienung mit Handschuhen flott vollzogen werden sollen, sind diese klassischen Bedien­elemente von Vorteil.

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Übersichtliche Bedienelemente
Die wichtigsten Elemente wie die Tastaturen im griffsympathischen Multifunktions-Lederlenkrad liegen gut in Reichweite und lassen sich unmiss­verständlich schnell bedienen. Auch das Instrumentarium mit seinen klassischen Uhren und einer recht kleinen Displayanzeige hat sich von dem ehemaligen bunten Mickymaus-Design endgültig in die Seriosität verabschiedet.

Alles gut also am Fahrerplatz, vor allem wenn man auf den sitzsympathischen Komfortgestühl sich für die große Fahrt eingerichtet hat. Denn dazu lädt nicht nur das gut bewohnbare Fahrerhaus ein, auch die üppige Motorisierung mit 480 PS verlangen ­geradezu nach einer Fernfahrt, auch wenn die Touren mit einem Absetzer normalerweise eher im regionalen Verkehr abgewickelt ­werden. 2.300 Nm Dreh­moment für maximal 26 Tonnen Solo­fahrzeuggewicht sind überdies eine An­sage für ­souveräne Fortbewegung. Die Erwartungen kann der Solo-Iveco mit dem Cursor 11-Sechszylinder unter dem luftgefederten Fahrerhaus also vollauf erfüllen. Zusammen mit dem zwölfstufigen ZF-­Traxon-Getriebe und der für diesen Einsatzzweck vergleichsweise langen 2,85er Achs­übersetzung kommt der Dreiachser mühelos in Fahrt. Die Gangsprünge stimmen, da hilft auch der üppige ­Dreh­momentbestwert, der ab 970 Touren an der Kurbelwelle ansteht.

Souveräne Fortbewegung also, ob mit ­leerem oder prall gefüllten Absetzcontainer auf dem Rücken, wenn der Fuhrparkleiter nicht per ­Schlüsseldreh im Beifahrerfußraum den Eco-Modus aktiviert. Dann wird das Höchsttempo auf maximal 85 km/h beschränkt, das opulente Drehmoment ­kastriert und jeder Kickdown unmöglich. Wer allerdings einen 480er für diesen Einsatz ordert, dürfte wohl kaum an den letzten Tropfen Sprit im Einsatz denken. Noch zu dem mal mit diesem 6x2-Dreiachser sowieso ein guter Teil des Verbrauchs vom Nebenabtrieb an den Absetzer in Rechnung gestellt wird.

Teleskoparme mit hoher Reichweite
Der Absetzer hört im Test-Fall auf den Namen ­Meier Ratio Maximus AK18M und zeichnet sich durch ­seinen Spannteleskope aus, die verschiedene Ent­ladefunktionen wie die Hochentladung in einen anderen Behälter oder über eine Mauer hinweg möglich machen. Die Teleskoparme können bis auf 4,6 Meter Länge ausgefahren werden. Außerdem spannen die kettenbewährten Spannteleskoparme den bis zu 18 Tonnen schweren Behälter so fest gegen die Aufstandsfläche am Aufbaurahmen ­nieder, dass die sonst üblichen Hakenverriegelungen nicht mehr notwendig sind.

Weiterer Pluspunkt des Meier-Ratio-­Aufbaus ist das vergleichsweise niedrige Systemgewicht von knapp vier Tonnen, was dem mit leerem ­Container knapp 13,9 Tonnen schweren Dreiachser eine respektable Nutzlast von ebenfalls guten zwölf ­Tonnen beschert. Eine gelegentliche ­Mitnahme eines zweiachsigen Hängers mit zusätzlichem Behälter dürfte dank der mehr als ausreichenden Motorisierung und verbleibenden 14 Tonnen Zuglast ebenfalls durchaus auf der Einsatz-Agenda stehen.

Richtig Fahrfreude macht der quirlige X-Way aber zweifellos als Solo-Fahrzeug. Für die ­Konfiguration mit einer zwangsgelenkten Hinterachse ­wurde der Radstand vom Serienchassis auf kompakte 3,41 Meter zwischen Vorder- und Antriebs­achse ­verkürzt. 1,4 Meter weiter hinten verrichtet die ebenso wie die Antriebsachse luftgefederte Nachlaufachse ihre tragende und lenkende Rolle. Damit kann man den Dreiachser trotz des 2,50 Meter breiten Großraumfahrerhauses so behände wie einen ­Transporter durch enge Anfahrtspassagen zum ­Einsatzort ­dirigieren.

Die beim X-Way etwas steileren Böschungs­winkel und die stählernen Stoßstangen – wahl­weise gibt es für den reinen Straßenbetrieb auch leichtere Kunststoffstoßfänger – helfen dabei, leichten Offroadpassagen kontaktfrei zu passieren. Richtig ins Gelände will der straßenbereifte 6x2 dann aber doch nicht so gerne, denn abgesehen von einer ­Diffenzialsperre stehen bei Traktionsverlust nur noch ein Freischaukelmodus für das Getriebe zur Disposition. Eine unbefestigte Baustellenzufahrt nimmt der fahr­aktive Dreiachser aber problemlos unter die Räder.

Abseits der Asphaltbahnen macht sich auch hier die überraschend gute Wendigkeit der zweifach ­lenkenden Achskonfiguration bemerkbar. Die vorne an soliden Zweiblattfedern und hinten an Luftfederbälgen abgestützten Achsen führen den X-Way sauber auf Kurs und bieten einsatzuntypisch einen recht guten Federungskomfort. Zusammen mit der angenehm niedrigen Geräuschkulisse hinter dem Steuer im komfortablen Fahrerhaus will da richtig Lust nach langen Strecken aufkommen. Denn häufiges Ein- und Aussteigen, was im Absetzbetrieb eher die Regel als die Ausnahme ist, erfordert bei der hoch auf dem Rahmen liegenden Active-Space-Kabine eine relativ senkrechte Kletterpartie über drei Trittstufen. Ü50-Fahrer werden die ungewohnten Aufstiegsmöglichkeiten im Alter beklagen, die jungen Iveco-Piloten entern das hübsche Flaggschiff in der Absetzerflotte sicher mit leichtem Fuß.

Der Fuß hat übrigens bei den meisten Bremsmanövern des ausgeladenen Absetzers Pause. Auf Langstrecke übernimmt der GPS-gesteuerte Tempomat die Regie über das Gaspedal. Und talwärts regelt der Bremsomat die Arbeit von Motorbremse und dem verbauten Retarder, die mit einer maximalen Verzögerungsleistung mit 507 PS und 680 PS leichtes Spiel mit dem 26-Tonner haben. Auch mit Hänger als 40-Tonner dürften die Betriebsscheibenbremsen an allen Achsen wohl nur selten zum ­Einsatz kommen. Attraktiv: Die Kombination Iveco X-Way mit ­Meier-Ratio Maximus Absetzaufbau ist, im Werk montiert, im Einrechnungsgeschäft zu ordern. So entfällt die lange Wanderschaft von Fahrzeug­hersteller zu Aufbauer und Freigabe. Für ganz ­eilige Einsätze kann man Fahrzeuge wie den fahr­freudigen Dreiachsiger auch im „Order & Drive“-Programm kurzfristig als Komplettfahrzeug ab Werk kaufen.

Das Fazit
Nichts ist so dauerhaft wie ein einmal ins kollek­tive Gedächtnis verankertes Vorurteil. Darunter litt Iveco viele Jahre – oft zu unrecht. Der X-Way leistet in tatsächlich allen Disziplinen sein Bestes, um das vor Jahrzehnten etwas in Kritik gekommenen ­Ive­co-Image auf Hochglanz zu polieren. Auch wenn die 480 PS Motorisierung im großen Fahrerhaus sicher zur oberen Ausstattungsvariante gehört, bringt der X-Way als Absetzer eine Performance, mit der man sich vor den Branchenführenden nicht verstecken muss. Dass der elegant gestylte X-Way auch noch ein überaus hübsche Figur abgibt, zahlt auf das Pluskonto noch zusätzlich ein.

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