Bau-Lkw

Marvin Meyke,

DAF mit Zusatzantrieb für die Baubranche

DAF Trucks hat zusammen mit Paul Nutzfahrzeuge für seine Baureihen XF und CF einen eigenen hydraulischen Vorderradantrieb entwickelt. Die PXP (Paul Xtra Power) genannte Anfahrthilfe soll Geländegängigkeit wie Straßentauglichkeit gewährleisten.

© DAF

Der zusätzliche Vorderradantrieb basiert auf hydraulischen Radnabenmotoren von Poclain, liefert bis Tempo 20 maximal 12.800 Nm zusätzliche Zugkraft an den Vorder­rädern und lässt sich über einen Schalter im ­Armaturenbrett zu- oder abschalten. Denn nicht in jeder ­Situation ist ein vollwertiger Allradantrieb notwendig. Kurz­zeitige Abstecher ins Gelände von Kiesgruben, Stein­brüchen oder Deponien mit unbefestigtem oder schneebedecktem Untergrund oder starken ­Steigungen lassen sich oftmals auch mit einem zuschaltbaren hydrostatischen Vorderradantrieb bewäl­tigen, wie ihn DAF erstmals in ­Eigenregie mit Paul Nutzfahrzeuge in Vilshofen entwickelt hat und für seine CF- und XF-Sattelzugmaschinen anbietet.

Achsmodifikationen von Paul
Mit dem Spezialfahrzeugbauer Paul aus Vilshofen an der Donau hat DAF einen Branchenspezialisten an seiner Seite. Die Paul Nutzfahrzeuge GmbH ist ein Sonderfahrzeughersteller und zählt zu den euro­päischen Marktführern in diesem ­Segment. Branchen- und anwendungsspezifische Neu­entwicklungen, Chassisumbauten, Achsmodifika­tionen, Elektrifizierungen und Spezialkonfigurationen an Nutzfahrzeugen sind die Kernkompetenz des mittelständischen Familienunternehmens. Um bei hoher Kraftentfaltung bis zu 6.435 Nm pro Rad einen geringen Systemdruck zu realisieren, wählte DAF den größten Hydraulikmotor im Markt. Der verfügt über ein Hubvolumen von 1.248 Kubikzentimeter, woraus ein Systemdruck von ­maximal nur 360 bar resultiert. Auch setzt DAF mit Paul Xtra Power als Einziger im Markt auf einen offenen Hydraulikkreis mit einer direkt am Motor-­Nebenantrieb angeflanschten Load-­Sensing-Hydraulikpumpe. Das erspart eine separate Hydraulik­anlage, falls aufgebaute Geräte wie Kräne, Abroller oder Absetzkipper hydraulisch betrieben werden müssen. Durch den platz- und gewichtssparenden Direktanschluss der LS-Pumpe am Motor gibt es bei Schaltvorgängen keine Zugkraft­unterbrechung des Frontantriebs und auch keine lärmerzeugende Antriebswelle.

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Kompakte PXP-Zurüstung
Zusätzlich zu den Poclain-Radmotoren und der LS-Hydraulikpumpe braucht es noch einen ­Öl­vorratsbehälter, einen Ölkühler mit Lüfter und einen Steuerblock für die Hydraulikventile. Alle ­diese Bauteile sitzen platzsparend in einem Modul (circa 800 x  800 x 600 mm) am rechten Fahr­zeugrahmen vor der Hinterachse. Nur die elektro­nische Steuer­einheit mit der Software von Paul befindet sich separat im Fahrzeugelektrikfach in der Kabine. Das Mehrgewicht für den PXP inklusive 55 Liter ­Hydrauliköl beträgt 540 Kilogramm. Benötigt der Fahrer den zusätzlichen Antrieb der Vorderräder drückt er bei Bedarf im Cockpit den Schalter mit dem PXP-Symbol. Erkennt das Fahrzeug beim Druck aufs Gaspedal leichten Schlupf an der Hinterachse, starten die in den Radnaben der Vorderräder integrierten Hydraulikmotoren auto­matisch ihre Arbeit, um voranzukommen.

Bis Tempo 20 und bis zum 4. Gang aktiv
Das PXP-System kann bei Vorwärtsfahrt in den ersten vier Gängen sowie im 1. und 2. Rückwärtsgang genutzt werden. Bei Fahrzeugen mit dem Paccar MX-13-Aggregat arbeitet das System mit Motordrehzahlen bis 1.750/min. Ab einer Geschwindigkeit über 20 km/h sowie ab dem 5. Gang schaltet PXP auf Stand-by, bleibt aber im Bereitschaftsmodus aktiv. Sobald das Tempo wieder unter die 20-km/h-Marke sinkt oder das automatisierte Traxon-Getriebe bis in den 4. Gang zurückschaltet, meldet sich PXP zurück und schreitet selbsttätig erneut zur Tat. Der neue hydraulische Vorderachsantrieb PXP eignet sich derzeit für 430 bis 530 PS starke DAF FT 4x2-Sattelzugmaschinen. Weitere Achskonfigurationen und Fahrgestellvarianten sollen ­folgen. Voraussetzung für den Zusatzantrieb sind Motor PTO auf 13-Uhr-Position, automatisiertes ­ZF-Traxon-Getriebe, verstärkter Vorderachskörper mit ­Parabelfederung sowie mindestens 900 Milli­meter Bauraum seitlich rechts am Rahmen für die kompakte  Komponenteneinheit. Für den ­PXP-Antrieb bestellt der DAF-Händler im Werk ein Standardfahrzeug nach definierter Spezifikation. Darauf aufbauend rüstet Paul Nutzfahrzeuge den DAF-Lkw in Vilshofen mit dem eigenständigen PXP-System aus. Die Umbauzeit beträgt etwa zehn Tage.

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