Interview

Susanne Frank,

Die neue Bagger-Generation von Liebherr

Liebherr führt eine neue Generation der Raupenbagger ein. In der ersten Phase werden sieben neue Modelle im Bereich von 22 bis 45 Tonnen vorgestellt. Martin Schickel, Geschäftsführer Vertrieb, Liebherr-France SAS, erläutert, wodurch sich die Maschinen auszeichnen, was konkret verbessert wurde und welche Features mehr Sicherheit bieten. Er macht außerdem neugierig auf ein innovatives Konzept, das die Kommunikation von und mit Baumaschinen revolutionieren wird.

Martin Schickel, Geschäftsführer Vertrieb, Liebherr-France SAS © Liebherr

Herr Schickel, Liebherr präsentiert auf der bauma eine neue Generation an Raupenbaggern. Die Generation 8 wurde durch einen siebten Bagger komplettiert, der noch besser und produktiver ist. Könnten Sie unseren Lesern erläutern, wie Sie die Produktivität gemessen haben bzw. könnten Sie uns dies an einem konkreten Beispiel veranschaulichen.
Martin Schickel: Im Vergleich zur vorherigen Generation gibt es folgende Neuigkeiten: Höhere Motorleistung, signifikant höhere Hydraulikmenge für den separaten Schwenkkreislauf mit einer dritten Pumpe, größere Tieflöffel sowie höhere Grabkräfte. Als konkrete Messungen können wir also als Beispiel den R 926 nennen: Seine Motorleistung ist im Vergleich zum Vorgängermodell um 7 Prozent gestiegen, die höhere Hydraulikmenge für den separaten Schwenkkreislauf für die dritte Pumpe beträgt ein Plus von 50 Prozent. Der neue Tieflöffel fasst 7 Prozent mehr, die Grabkräfte sind um 4 Prozent gesteigert.

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Wenn es um die Produktivität auf der Baustelle geht, kommt es da neben der Leistung der Maschine, nicht auch immer auf das Geschick des Baggerführers an?
Schickel: In dem Fall geht es um beides: Der beste Fahrer braucht die beste Maschine und umgekehrt. Unsere neue Raupenbaggergeneration bringt mehr Komfort, Leistung, Sicherheit und Ergonomie und bietet so maximale Unterstützung für den Bediener.

Höhere Motorleistung, gesteigerte Grabkräfte, mehr Löffelkapazität – sind hier die Möglichkeiten der Optimierung nicht irgendwann ausgereizt?
Schickel: Wir arbeiten stetig daran, unsere Maschinen zu optimieren. Die Möglichkeiten der Optimierung sind vielfältig und die neuen Produkte auf den aktuellen Bedarf unserer Kunden ausgerichtet und mit den neuesten Technologien ausgestattet.

Die Generation 8 der neuen Raupenbagger punktet u. a. mit größeren Tieflöffeln, höheren Grabkräften und höherer Motorleistung. © Liebherr

Wo sehen Sie hier Grenzen, zum Beispiel was die Löffelkapazität angeht?
Schickel: Die Löffelkapazität ist immer eng mit dem Einsatzgewicht und der Leistung der Maschine verbunden. Die Grenze wird also über die Maschine definiert. Diese Kapazitäten sind bei unserem Technischen Büro definiert und werden stetig optimiert.

Womit wird sich dann noch die Generation 9 auszeichnen können?
Schickel: Gerade haben wir die Generation 8 auf den Markt gebracht. Bis zur Generation 9 müssen Sie sich noch etwas gedulden, doch sicher ist: Auch diese wird die Bedürfnisse unserer Kunden bedienen, nach deren Wünschen und Forderungen an den Markt von morgen.

Eine Innovation, die Sie hervorheben, ist das neue Auslegerkonzept mit Hohlformstück. Könnten Sie das kurz erläutern?
Schickel: Das neue Auslegerkonzept ist eine weitere Innovation der neuen Raupenbagger-Generation. Durch dieses erreichen wir neben einer Gewichtsoptimierung und dank einer zusätzlich veränderten Spitze bessere Auslegerkräfte und eine optimierte Lastkurve, die zu Kraftstoffeinsparungen führt.

Sie betonen die höhere Sicherheit bei den Maschinen der neuen Generation. Könnten Sie uns sagen, was konkret verbessert wurde?
Schickel: Neu ist das Konzept des Zugangs zum Oberwagen: Bei der neuen Raupenbagger-Generation ist der Zugang zur Plattform seitlich und nicht mehr – wie bisher – von vorne. So wird die Raupe nicht mehr betreten. Die Regel der drei Haltepunkte wird weiterhin eingehalten. Zusätzlich befindet sich an dieser Stelle auch ein abschließbares Staufach sowie serienmäßig integrierte und geschützte Oberwagenscheinwerfer vorne rechts für eine bestmögliche Sicht. Ebenso enthalten ist ein serienmäßiger Handlauf für maximale Sicherheit beim Auf- und Absteigen. Neben dem zusätzlichen Sicherheitsaspekt bringt dieser einen gesteigerten Komfort bei der täglichen Wartung.

Liebherr zeigt auf der bauma erstmals das adaptive Konzept INTUSI (INtuitives USer Interface). Es soll die Kommunikation von und mit Baumaschinen revolutionieren und ist für die Bau- und Materialumschlagmaschinen von Liebherr der Schlüssel zum Internet of Things. © Liebherr

Nehmen Sie uns ein bisschen mit in die Zukunft. Sie denken bestimmt schon an künftige Generationen von Baggern – woran arbeiten ihre entwickler gerade? Inwieweit sind in der neuen Baggergeneration von Liebherr intelligente Maschinensteuerungssysteme integriert?
Schickel: Wir arbeiten jeden Tag in Richtung der Digitalisierung und an der maximalen Unterstützung des Bedieners durch die Maschinen. Auf der bauma 2019 präsentiert Liebherr der Öffentlichkeit zum Beispiel erstmals das innovative, adaptive Konzept INTUSI (INtuitives USer Interface), das die Kommunikation von und mit Baumaschinen revolutionieren wird: Es ist für die Bau- und Materialumschlagmaschinen von Liebherr der Schlüssel zum Internet of Things und kombiniert eine intelligente Bedienlogik mit einer ausgeklügelten Maschinenintelligenz. Liebherr hat dazu die komplett neue, moderne Steuerungsumgebung geschaffen.

Und dieses „Internet of Things“ ist dann heute schon greifbar für alle, die mit intelligenten Baumaschinen arbeiten, und gar nicht mehr so weit in der Zukunft?
Schickel: Ein Blick in die Maschinensteuerung von morgen ist schon heute greif- und erfahrbar auf der bauma 2019. Liebherr sieht den Austausch mit Kunden, Maschinenbetreibern und Branchenenthusiasten als ausschlaggebend an, um die Zukunft gemeinsam zu meistern. Die Bauma ist dafür eine willkommene Plattform. Eines der zukunftsorientierten Themenfelder ist die Digitalisierung, die sich über alle Produktbereiche hinweg, beispielsweise mit Assistenzsystemen oder Service- und Trainingsangeboten, offenbart.

Stichwort höherer Komfort. Haben Sie selbst die Kabinen getestet? Wenn ja, von welchem Feature, das die Ergonomie oder den Komfort erhöht, waren Sie selbst am meisten begeistert?

Schickel: Wir haben ein neues Angebot an Beleuchtungselementen. Die LED-Technologie ersetzt nun vollständig die Halogenscheinwerfer für eine erhöhte Nutzungsdauer, geringeren Stromverbrauch und eine leistungsstärkere Beleuchtung. Die Technologie sorgt für mehr Leistung, Sicherheit sowie Komfort in der Dunkelheit.

Können Sie selbst einen Bagger steuern?
Schickel: Ja, denn ich finde es wichtig, die eigenen Produkte auch aus Anwendersicht zu kennen.

Wenn Sie nur ein einziges Argument frei hätten, um jemand zu überzeugen, auf einen Liebherr-Raupenbagger der neuen Generation umzusteigen (von einer anderen Marke), was würden Sie demjenigen sagen?
Schickel: Besonders überzeugt bin ich von der Architektur der neuen Raupenbagger: Damit ist Liebherr für die Zukunft, also die Digitalisierung und Kommunikation zwischen den Maschinen, vorbereitet.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schickel!


Neuheiten auf 14.000 Quadratmeter
Liebherr stellte seinen bauma-Auftritt unter das Motto „Together. Now & Tomorrow“. Unter den mehr als 60 Exponaten zeigte der Hersteller Neuheiten aus den Bereichen Turmdrehkrane, Mobil- und Raupenkrane, Materialumschlag, Spezialtiefbau, Mischtechnik und Mining – und das auf einem 14.000 m² großen Außenstand. Liebherr-Anbauwerkzeuge kann man in Halle B5 in Augenschein nehmen. Erstmals zeigt Liebherr eine Turmdrehkran-Baureihe mit Faserseil, die ab April 2019 zum Verkauf angeboten wird. Das neuartige hochfeste Faserseil wiegt etwa ein Fünftel eines herkömmlichen Stahlseils bei einer vervierfachten Haltbarkeit. Außerdem werden fünf neue Fahrzeugkrane als Messeneuheiten vorgestellt sowie einen neuen Raupenkran mit 300 Tonnen Traglast. Dieser verfügt über innovative Assistenzsysteme, die die Sicherheit in der Anwendung erhöhen und das Handling erleichtern.

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