Baustoffe - Fachtechnik


Praktische Tipps zum barrierefreien Bauen

Die DIN 18040 sowie die entsprechenden VDI-Richtlinien formulieren zahlreiche Anforderungen für die Planung eines barrierefreien Gebäudes. Neben offensichtlichen Standards, Barrieren zu vermeiden, beispielsweise dem Verzicht auf Stufen, Absätze und Türschwellen stellen wir Ihnen hier weitere Maßnahmen vor.



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Barrierefreiheit mit Schiebetüren: Dank innovativer Mauerwerkskästen von Anbietern wie dem Darmstädter Unternehmen Eclisse, lassen sie sich auch in massive Ziegelwände naht- und zargenlos integrieren. (Abb.: Eclisse, Reinheim-Georgenhausen.)

Natürlich ist als erstes der Architket gefordert, in der Planungsphase bereits die Weichen für einen etwaigen senioren- oder behindertengerechten Umbau zu stellen. Aber auch Bauunternehmer sollten sich in dieser Thematik auskennen, um den Bauherren als kompetenter Ansprechpartner zur Seite zu stehen.

Eine Wohnbarriere zu vermeiden kostet in der Planungsphase 10 Euro, sie während der Ausführungsphase zu umgehen 1.000 Euro und Änderungen nach der Fertigstellung 10.000 Euro. So lautet ein Leitsatz, der immer wieder im Kontext zum Bauen und Planen barrierefreier Gebäude aufkommt. Und tatsächlich können auch junge Eigenheimbesitzer schon bei der Planung ihres Zuhauses die Weichen für ein Leben im Alter stellen. Aufgabe des Architekten ist es, die klar umrissenen Anforderungen der DIN 18040 mit den aktuellen Wohnbedürfnissen der Bauherren zu kombinieren. Dr.-Ing. Thomas Fehlhaber, Geschäftsführer der Unipor-Ziegel-Gruppehat sich eingehend mit dem barrierefreien Bauen beschäftigt. Er rät: „Planer sollten beim Neubau bereits Möglichkeiten für einen etwaigen barrierefreien Umbau mit vorsehen. So können die Bewohner auch im Alter, nach Unfall oder Krankheit weiterhin in der gewohnten Umgebung leben“, rät . „Aktuelle Prognosen zeigen, dass die Zahl von Menschen jenseits der 60 Jahre bis 2030 voraussichtlich auf 36 Prozent ansteigt. Barrierefreies Wohnen gewinnt also zunehmend an Aktualität, denn die meisten der 6,6 Millionen Deutschen mit Handicap sind älter als 55 Jahre.“

Die Leitlinien für barrierefreie Planung von Neubauten und Verkehrsflächen sind in der DIN 18040 sowie den entsprechenden VDI-Richtlinien festgehalten. Neben den offensichtlichen Strategien, Barrieren zu vermeiden – beispielsweise dem Verzicht auf Stufen, Absätze und Türschwellen – gibt es vielfältige baulichen Maßnahmen, die ein selbstständiges Leben mit Behinderung oder im Alter ermöglichen.

Bewegungsflächen schon jetzt einplanen

„Grundsätzlich ist es ratsam, an allen neuralgischen Punkten eines Gebäudes eine Bewegungsfläche von 1,5 mal 1,5 Metern einzuplanen“, so Fehlhaber. „Dies entspricht dem Wendekreis eines elektrischen Rollstuhls und bietet auch bei der Nutzung von Gehhilfen und Rollatoren ausreichend Freiraum.“ Diese Bewegungsfläche sollte in Küche, Flur und Badezimmer ebenso eingehalten werden wie vor Türen und Treppenantritten. Auch im Eigenheim jüngerer Bewohner und von Familien sind diese Planungen sinnvoll. „Jeder der schon einmal mit einem Kinderwagen rangiert hat, oder vollbepackte Einkaufstüten getragen hat, weiß den Bewegungsradius zu schätzen“, weiß Fehlhaber. In der Planung sollten auch Alternativen zu Drehtüren in Erwägung gezogen werden: Schiebetüren (Abb.) erhöhen beispielsweise die Mobilität von älteren und behinderten Menschen. Mit speziellen Einbauelementen des Herstellers Eclisse (Reinheim-Georgenhausen) lassen sich diese sogar naht- und zargenlos in die massive Wand integrieren und bieten so optischen und tatsächlichen Freiraum. Ist ein Rückgriff auf Schiebetüren nicht möglich oder gewünscht, sollten alle Drehtüren in Richtung des größeren Raumes öffnen und ein lichtes Öffnungsmaß von mindestens 90 Zentimetern aufweisen, um ein sicheres Durchkommen zu gewährleisten. Dies entspricht einem Öffnungsmaß im Rohbau von mindestens 1.010 Millimetern.

Sichere Befestigung von Halte- und Stützvorrichtungenl

Massive Innenwände aus Mauerziegeln sind nicht nur vor dem Hintergrund eines möglichst hohen Schallschutzes ratsam. Sie ermöglichen zudem die sichere Befestigung von Halte- und Stützvorrichtungen, wie sie im Alter oder bei Behinderung gerade im Badezimmer vonnöten sind. Zudem lassen sie sich problemlos schlitzen und bohren. So können Steckdosen, Lichtschalter und Gebäudeelektronik – beispielsweise Schalter für elektrisch betriebene Rollläden – problemlos integriert werden. „Diese sollten in einer Höhe von 85 bis 105 Zentimetern angebracht werden, um eine problemlose Bedienung aus dem Rollstuhl heraus zu gewährleisten“, gibt Fehlhaber zu bedenken.

Planung der Hauselektrik

Um später zusätzliche Elektrik, beispielsweise automatische Tür- und Fensteröffner oder elektrische Rollladenantriebe installieren zu können, ist es ratsam, bereits in der Planung Leerrohre vorzusehen. „Gerade bei hochwärmedämmendem Coriso-Ziegelmauerwerk sollte diese Hauselektrik möglichst in einer Innenwand verlegt werden, um die volle Leistungsfähigkeit des Außenmauerwerks zu gewährleisten“, erklärt Fehlhaber. Ist dies nicht möglich, ist die Verlegung von Leitungen und Anschlüssen über den Boden zur Außenwand sinnvoll. Sind Eingriffe ins Außenmauerwerk dennoch unumgänglich, sollten die entstehenden Schlitze vor dem Verputzen mit speziellem, wärmedämmendem Mörtel aufgefüllt werden. Unipor empfiehlt für diese Arbeiten das Produkt „maxit therm 74 M“ der Firma Franken-Maxit. Der Mörtel verfügt über einen Wärmeleitwert von nur 0,10 W/(mK). So kann bei kleineren Eingriffen die Wärmedämmung des Mauerwerks erhalten werden – beispielsweise bei Steckdosen, die nicht über Stegleitungen direkt unter Putz angeschlossen werden.

Barrieren im Bestand beseitigen

Besitzer und Käufer von Bestandsimmobilien haben meist nicht die Möglichkeit, eine Barrierefreiheit bereits in der Planung zu berücksichtigen. Für sie stehen im Fall der Fälle meist kostspielige Umbaumaßnahmen an. Das Kreditprogramm 159 „Altersgerecht umbauen“ der KfW-Bankengruppe hilft Eigenheimbesitzern mit einem Förderdarlehen von maximal 50.000 Euro bei der Finanzierung der notwendigen Umbau-maßnahmen. Die Anforderungen an die Qualität der Umbauten richten sich dabei nach denen der DIN 18040, tragen aber auch dem Umstand Rechnung, dass die baulichen Gegebenheiten die geforderten Maße oftmals nicht ermöglichen. Daher definiert die KfW sogenannte Förderbausteine, die Barrieren und somit Mobilitätseinschränkungen der Nutzer reduzieren.

Planungstipps für Architekten und angehende Bauherren bietet der Leitfaden zum barrierearmen Bauen des Verbandes Privater Bauherren (VPB). Das Merkblatt zum KfW-Kreditprogramm 159 ist auf der Website der KfW-Bankengruppe abrufbar ( www.kfw.de ).

Barrierefreier Neubau: Checkliste für Bauherren und Planer

  • Prüfen, ob der Einsatz von Schiebetüren praktisch und sinnvoll umsetzbar ist
  • Alle Drehtüren verfügen über ein lichtes Durchgangsmaß von mindestens 90 Zentimetern und öffnen in Richtung des größeren Raumes
  • Bewegungsfläche von 1,5 mal 1,5 Metern vor Türen und in allen Räumen vorhanden
  • Massive Wandkonstruktionen bieten Möglichkeiten zur Befestigung von Halte-, Stütz- und Hebevorrichtungen
  • Alle Bedienelemente sind in 85 bis 115 Zentimetern Höhe angebracht
  • Ausreichend Leerrohre für zusätzliche Hauselektrik eingeplant

Weitere hilfreichen Beiträge rund um den Mauerwerksbau finden Sie in Baugewerbe 3-2014, die am 25. Februaur erscheint.




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