Erfolgreiche Bauunternehmer - Baumanagement


Bauunternehmerporträt (44): "Familienbetrieb mit viel Herzblut"

Beim hessischen Bauunternehmen Gluck spielen Tradition und Bodenständigkeit eine wichtige Rolle. Wir sprachen mit Bauunternehmerin Anita Schaub-Gluck und ihrer Familie, die gemeinsam an dem Erfolg und der Zukunft des Familienunternehmens arbeiten.

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Zwei Generationen eines Familienbetriebes (v.l.n.r.): Tochter Alexandra Schaub, Sohn Andreas Schaub sowie das Unternehmer-Ehepaar Anita Schaub-Gluck und Dieter Schaub. ( Alle Fotos: Baugewerbe)

Wie viele Baubetriebe kennen Sie, an deren Spitze eine Frau steht? Sicher mehr als früher, aber immer noch eine verschwindend kleine Anzahl! Und wie viele kennen Sie, bei denen die Tochter und der Sohn die Nachfolge der Eltern als Geschäftsführer antreten sollen? Wahrscheinlich noch weniger!

Genau diese positiven Merkmale weißt das Bauunternehmen Gluck auf. Uns dies sind nur ein paar Aspekte, die es zu einem speziellen Betrieb in der deutschen Baulandschaft machen. Ansässig ist der Betrieb in Schlitz (20 km nördlich von Fulda, 90 km südwestlich von Eisenach, 90 km südlich von Kassel, 80 km östlich von Gießen) im hessischen Vogelsbergkreis.

Über 60 Jahre Firmengeschichte

Bauingenieur August Gluck gründete im April 1949 das Unternehmen in Ober-Wegfurth (Oberhessen). Den Anfang machte er mit zwei Mitarbeitern, denen im Frühjahr 1950 die ersten beiden Lehrlinge folgten. Die Azubis der ersten Stunde hielten dem osthessischen Baubetrieb fast 45 Jahre bis zum Renteneintritt die Treue.

Anfang der 1970er Jahre trat mit Anita Schaub-Gluck die zweite Generation der Familie Gluck ins Unternehmen. Zum Einstieg absolvierte sie eine Maurerlehre im väterlichen Betrieb. "Für die damalige Zeit war mein Berufs- und Ausbildungswunsch schon ungewöhnlich, und stieß in der recht konservativen Bauhandwerksbranche nicht überall auf Verständnis und Unterstützung", gibt die Bauunternehmerin zu bedenken.

Für sie und ihre Familie kam diese Entwicklung alles andere als überraschend, da sie schon als Kind viel Zeit auf dem väterlichen Bauhof verbrachte. Damals wurden unbewusst die ersten Fundamente einer langjährigen engen Beziehung zur Baubranche gelegt. "Als ich zehn oder elf Jahre jung war, durfte ich gelegentlich mit einer kleinen Kelle mithelfen sehr zur Freude meines Vaters", erinnert sich die Maurermeisterin.

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Anita Schaub-Gluck lenkt seit 1994 die Geschicke des väterlichen Betriebes.

Als Frau in Männerdomäne durchgesetzt

Im Anschluss an ihre erfolgreiche Maurerlehre studierte sie an der FH Darmstadt Bauingenieurwesen. Mit ihrem Diplom in der Tasche ging es 1973 zu einem großen Bauunternehmen nach München, wo sie aber nur knapp neun Monate blieb. "Mein Vater wurde damals schwer krank, so dass ich mich entschloss zurück zu kommen, und die Zukunft des Familienbetriebs zu sichern", erläutert die Diplom-Ingenieurin.

Plötzlich war eine Frau in einer Männerdomäne aktiv, die auch noch etwas zu sagen hatten. Am Anfang gab es so manches Hindernis zu umschiffen, da gelegentlich Kunden und Bauausführende ihr misstrauisch und prüfend gegenüber traten. Von Vorteil war, dass sie neben ihrem eher theoretischem Studium auch eine praxisnahe Maurerlehre abgelegt hatte, auch wenn dies anfänglich nicht jeder glauben wollte oder konnte. "So mancher stellte mir bei Projekten Fragen, die im Grunde darauf abzielten mich zu testen, ob ich tatsächlich die fachlichen Anforderungen erfüllte", erzählt sie mit einem Schmunzeln.

Ihr Ehemann Dieter Schaub, studierter Maschinenbauer und Bauingenieur, ist seit 1978 im Betrieb. Damals fing er als Bauleiter an, und seit den 80ern gehört er der Geschäftsleitung an. Gemeinsam absolvierten sie 1987 ihren Meisterbrief. Seit dem Tode des Firmengründers August Gluck 1994 lenkt Dipl.-Ingenieurin und Maurermeisterin Anita Schaub-Gluck gemeinsam mit ihrem Mann die Geschicke des traditionsbewussten Familienbetriebes.

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"Nur Ausbildung sichert Fachkräfte" lautet der Slogan von Obermeister Dieter Schaub.

In die Ausbildung der Jugend investieren

Als Obermeister der Innung des Bauhandwerks für den Vogelsbergkreis engagiert sich Dieter Schaub sehr stark im Bereich Aus- und Fortbildung. "Nur Ausbildung sichert Fachkräfte", sagt er mit voller Überzeugung. Und beim Bauunternehmen Gluck spricht man nicht nur, sondern lässt den Worten auch Taten folgen: Seit der Firmengründung wurden über 110 Lehrlinge ausgebildet. Momentan gehen 14 Azubis beim osthessischen 100-Mann-Baubetrieb in die Lehre.

"Die Ausbildung junger Leute ist uns sehr wichtig. Schließlich existiert eine Gesellschaft nur von dem, was jeder Einzelne in sie investiert", bringt es Bauunternehmerin Anita Schaub-Gluck auf den Punkt. Aus diesem Grund steckt man viel Zeit, Geld und Engagement in die Förderung von Nachwuchskräften, um langfristig die Zukunft des Betriebes und der Region zu sichern.

"Bei der Ausbildung legen wir, neben den fachlichen Inhalten, auch viel Wert auf die Förderung der menschlichen Qualitäten der jungen Leute", unterstreicht Obermeister Dieter Schaub. Damit meint er im Grunde, dass man den Auszubildenden nicht nur das fachliche Handwerkszeug beibringt, sondern sich auch um ihre Ausbildung als verantwortungsvolle Menschen im Betrieb und im Alltagsleben kümmert.

In der Vergangenheit hat sich beim Bauunternehmen Gluck diese zusätzliche Einsatz in junge Menschen bezahlt gemacht, da so manches "schlummernde Talent" entdeckt und gefördert wurde, das sich später sogar für ein Studium entschieden hat. "Jeder Mensch kann etwas, man muss ihm nur eine Chance geben und geduldig unterstützen", weiß Dieter Schaub aus Erfahrung.

Nachwuchsarbeit fängt beim Bauunternehmen Gluck schon früh in den Schulen an. Dort ist Tochter Alexandra Schaub, ebenfalls Maurermeisterin und Diplom-Bauingenieurin, mit dem Projekt "Wirtschaft an Schulen" aktiv. "Alexandra eignet sich sehr gut für diese Aufgabe, da sie neben ihrer fachlichen Kompetenz auch aufgrund ihres jungen Alters schneller einen Draht zu den Schülern aufbauen kann", erklärt Anita Schaub-Gluck.

Erfolgreicher Mix aus Theorie und Praxis

Das Thema Fachkräftemangel begegnet man beim Bauunternehmen Gluck offensiv und innovativ. "Gemeinsam mit den entsprechenden Bildungsinstitutionen haben wir ein Pilotprojekt ins Leben gerufen, mit dem wir junge Nachwuchskräfte mit mittlerer Reife für den Bau gewinnen wollen", erklärt Obermeister Dieter Schaub. Besonderes Merkmal dieses Ausbildungsangebotes: Innerhalb von drei Jahren kann man gleichzeitig eine Maurerlehre absolvieren und die Allgemeine Hochschulreife erwerben.

Somit steht einem danach der Weg zum Studium offen, was auf den ersten Blick nicht unbedingt vorteilhaft für den Ausbildungsbetrieb aussieht. "Die ersten 6 Absolventen des Pilotprojektes hätten wir am liebsten alle bei uns behalten, jedoch haben sie sich erst einmal für ein Studium entschieden", informiert Dieter Schaub.

Jedoch ist er überzeugt, dass dieses Ausbildungsangebot eine Investition in die Zukunft ist, mit der man später von Akademikern profitieren kann, die schon eine praxisnahe Ausbildung aufweisen können. "Auf lange Sicht schaffen wir uns so die überaus gut ausgebildeten Fachkräfte von morgen, wenn sie nach dem Studium eine Stelle in der Baubranche antreten", lautet sein zuversichtlicher Ausblick nach vorne.

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Bauunternehmerin Anita Schaub-Gluck (l.) war für ihre Tochter Alexandra Schaub (r.) auch beruflich ein Vorbild.

Dritte Generation ist schon am Start

Jugendarbeit trägt langfristig Früchte. Ohne Frage lebt man diese Einstellung beim osthessischen Baubetrieb. Das Unternehmerpaar hat nicht nur in fremden Nachwuchs investiert, sondern auch in den eigenen: Mit Sohn Andreas und Tochter Alexandra sind seit einigen Jahren die potenziellen Nachfolger im Betrieb tätig.

Der studierte Controller und Wirtschaftsinformatiker Andreas Schaub kam 2006 in den Betrieb und ist seit drei Jahren Mitglied der Geschäftsleitung. In dieser Zeit holte man die Verwaltung aus dem Hauptstandort Eppstein nach Schlitz, da die Geschäftsführung hier angesiedelt war. "Bei diesem Projekt ergab sich für mich die Möglichkeit die Organisationsstruktur und speziell die IT zu optimieren", erklärt er seinen Einstieg in den elterlichen Betrieb.

Gemeinsam mit seiner Schwester Alexandra sind sie als Geschäftsführer des eigenen Fuhrpark-Unternehmens ATS Gluck GmbH in der Verantwortung. Hier haben beide die Möglichkeit selbstständig und eigenverantwortlich in die Rolle der zukünftigen Firmenchefs zu wachsen.

Sohn Andres ist schon Geschäftsführer beim Bauunternehmen, bei der Tochter Alexandra ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch sie der Geschäftsleitung angehören wird. "Ich kann mir schon gut vorstellen, spätestens mit 65 Jahren den Betrieb in die Hände der Kinder zu legen", blickt Anita Schaub-Gluck in die Zukunft.

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Die gelernte Maurerin Alexandra Schaub ist beim Bauunternehmen mit viel Einsatz und Leidenschaft in mehreren Bereichen aktiv. Neben ihrer Aufgabe als Geschäftsführerin der ATS Gluck, ihrem Tagesgeschäft im Baubetrieb und ihren Aktivitäten an Schulen für den Baunachwuchs bringt sie noch eine regelmäßig erscheinende Mitarbeiter-Zeitschrift raus. "Die Erstellung unserer Mitarbeiter-Informationen macht ihr sehr viel Spaß, da nach Erscheinen die Hefte von unserer Belegschaft jedes Mal förmlich aufgesogen werden", berichtet die stolze Mutter Anita Schaub-Gluck.

Mit Andreas und Alexandra Schaub ist das Führungsteam von morgen komplett und an Bord. "Dies ist wirklich ein Glücksfall, dass beide Kinder den Betrieb weiterführen wollen. Hinzu kommt noch, dass die beiden sich aufgrund ihres bisherigen Werdeganges optimal ergänzen", bringt es Dieter Schaub auf den Punkt. Alexandra Schaub kümmert sich um die technischen, ihr Bruder Andreas um die kaufmännischen Aufgaben im Betrieb. "Erfreulich zu sehen, dass unser Betrieb, der mit viel Herzblut geführt wird, auch zukünftig in Familienhand bleiben wird", sagt Bauunternehmerin Anita Schaub-Gluck abschließend.

Den kompletten Artikel mit dem Interview, allen Textkästen zum Unternehmen und allen Bildern können Abonnenten als pdf-Datei in unserem Fachzeitschriften-Archiv (Heft 19-20-2011) nachlesen:

Baugewerbe-Fachzeitschriften-Archiv


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